Das sprechende iPhone

Feature | 14. November 2011 von Christiane Stagge 0

Siri ist eine Software für Spracherkennung. (Foto: Apple)

Siri ist eine Software für Spracherkennung. (Foto: Apple)

Vier Millionen verkaufte Exemplare  in einem Monat  – das ist die Bilanz vom neuen iPhone 4S. Äußerlich unterscheidet es sich kaum vom Vorgängermodell: Kunststoffgehäuse, Retina-Display mit einer Diagonale von 8,89 Zentimetern, das Bilder mit einer Auflösung von 960 x 640 Pixel darstellt. Doch in der Hardware gibt es auch einige Neuerungen: Der Dual-Core-Prozessor A5 soll dafür sorgen, dass Grafiken noch schneller geladen und Programme schneller gestartet werden können. Das iPhone 4S wird damit nicht nur spieletauglicher. Auch für Animationen und aufwändigere Grafiken könnte sich ein schnellerer Prozessor als vorteilhaft erweisen.

Eine weiteres neues Feature: Mit dem iPhone 4S sind nun auch HD-Videos mit 1080p möglich. Die integrierte Kamera nimmt Fotos mit acht Megapixeln auf. Der Belichtungsensor wurde optimiert, damit auch Aufnahmen bei ungünstigen Lichtverhältnissen gelingen. Mit der Gesichtserkennungsfunktion sollen nun auch Porträtfotos besser funktionieren.

Siri- Software für Spracherkennung

Doch nicht die Hardware ist das Entscheidende, die bahnbrechende Neuerung ist Siri. Siri ist ein Programm zur Spracherkennung, das an Webservices geknüpft ist. So können Sie während der Autofahrt auf dem Weg zum nächsten Kundentermin sämtliche Funktionen per Sprache anwählen und bedienen.

Spracherkennung und Sprachsteuerung ist an sich nichts Neues. Viele Navigationsgerätehersteller feilen bereits seit Jahren daran, dass die Geräte auf Spracheingabe reagieren. Was so einfach klingt, ist in Wirklichkeit ein hochkomplexer technischer Prozess. So ist es bisher nicht gelungen, dass Geräte wirklich einwandfrei alles verstehen und zum Beispiel auch Dialekte einordnen können. Mit Siri hat Apple die Spracherkennung erstmals auf ein Smartphone gebracht. Dafür hat der Konzern das Unternehmen SRI gekauft.

Siri unterstützt iPhone-Funktionen wie Telefon, Facetime, Musik, Mail, Nachrichten, Kalender, Erinnerungen, Notizen, Kontakte, Wetter, Aktien, Websuche, Meine Freunde suchen und Uhr. Mit dem Befehl „Ruf Peter Müller an“ durchsucht die Software Ihre Kontakte und tätigt den entsprechenden Anruf. Auch das E-Mail-Schreiben funktionierte bei unserem Test problemlos: Einfach den Befehl: „E-Mail-Schreiben an Peter Müller“ eingeben. Siri fragt daraufhin: „Was ist der Betreff der E-Mail“. Auf die Frage: „Ok, was soll der in der E-Mail stehen“ können Sie Ihren Text diktieren. Wenn die E-Mail fertig, bestätigt Siri das mit den Worten:„Hier ist die E-Mail-Nachricht an Peter Müller“. Mit dem Befehl „Senden“ wird die E-Mail verschickt.

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Achtung: Sicherheitslücke

Die E-Mail-Adressen zieht sich Siri aus den gespeicherten Kontakten. Ein großer Nachteil: Wenn Siri auf „deutsch“ eingestellt ist, erkennt sie keine englischsprachigen Namen aus dem Adressbuch.

Die persönliche Assistentin kann aber Kontakte gruppieren: Wenn Sie dem Programm den Namen Ihrer Schwester oder Ihres Chefs nennen, merkt sich Siri das. Beim nächsten Mal brauchen Sie einfach nur zu sagen: „Ruf meinen Chef an“, schon wird der Anruf getätigt.

Allerdings hat Siri eine große Sicherheitslücke, der gerade im Berufsumfeld fatale Folgen haben kann:  Siri funktioniert auch bei gesperrtem Bildschirm. Per Spracheingabe kann damit Jeder, der das iPhone in die Hände bekommt, Anrufe tätigen, SMS verschicken oder E-Mails schreiben.

Siri – Der Anfang vom Ende der Tastatur?

Spracherkennung ist nicht nur beim Autofahren praktisch. Mühsames Tippen ist passé. Einige sagen bereits das Ende der Tastatur voraus. Sina Moatamet schrieb kürzlich im SDN-Blog über die Folgen, die Programme wie Siri mit sich bringen könnten. Die Suche per Spracheingabe könnte erhebliche Auswirkungen auf Google haben und das Werbeanzeigengeschäft des Suchmaschinengiganten  beeinträchtigen.

In der Tat bleibt es abzuwarten, was die intelligente Sprachsteuerung bringt. Noch steckt Siri in den Kinderschuhen. Die Anbindung an Webservices funktioniert bisher nur in den USA. Dort ist Siri mit der semantischen Suchmaschine Wolfram Alpha verknüpft. Weiterhin unterstützt Siri dort auch Yahoo!Weather und das Bewertungsportal Yelp.

Dadurch kann sie auch komplexe Fragen beantworten, wie beispielsweise „Wann ist Hanukkah?“ oder „Brauche ich morgen einen Regenschirm?“

Siri ist lernfähig. Sie merkt sich Phrasen und erkennt die Art, wie der Besitzer mit ihr Gespräche führt. So kann es durchaus sein, dass sie antwortet: „Das hast Du mich bereits gefragt.“

Die Assistentin beweist Humor und ist keinesfalls auf Standardantworten festgelegt. Bisher spricht Siri nur Deutsch, Englisch und Französisch. Weitere Sprachen sollen bald folgen.

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