Soccer team in a huddle

Digitalisierung: Die 5 Kennzeichen

Feature | 12. Oktober 2015 von Andreas Schmitz 0

Quantensprünge durch Disruption, Daten in neuen Kontexten, nicht nur für Generation Y gemacht: Die digitale Transformation trifft jeden. Was sie ausmacht, lesen Sie hier.

1. Daten wirken erst in neuen Kontexten

Es ist gut, sämtliche interne Daten eines Unternehmens bis in alle Ewigkeit zu speichern. Das gibt dem Chef die Sicherheit, dass nichts verloren geht. Besser ist es, wenn er Balken- und Tortendiagramme auf Basis der Umsatzentwicklungen machen kann, am besten natürlich ohne Zeitverzögerung. Am besten allerdings ist es, wenn er externe Daten hinzuziehen kann. Denn plötzlich helfen schon Wetterdaten, Verkaufsschwankungen besser zu deuten und Angebote präzise zu verändern. Energieversorger etwa lasten bei aufkommenden Herbstwinden verstärkt Windkrafträder aus und fahren die Solarproduktion zurück. Externe Daten sind hier die Grundlage für neue Abläufe und Entscheidungen, die bis dato noch nicht möglich waren.

2. Neue Geschäftsmodelle entstehen

Während es hier um eine Modifikation bestehender Abläufe geht, gibt es jedoch auch noch viel radikalere Ansätze, die auf keine bestehenden Strukturen aufsetzen. „Die aggressive Nutzung von Daten verändert Geschäftsmodelle, ermöglicht neue Produkte und Dienstleistungen, schafft neue Prozesse, stiftet mehr Nutzen und sorgt für eine neue Führungskultur“, definiert Professor Walter Brenner der Uni St. Gallen die Auswirkungen der Digitalisierung. Die Voraussetzung: Eine innovative, neuzeitliche Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologie, die gerne „disruptiv“ sein darf. „Zerstörung“ also von bestehenden Strukturen ist zwar gar nicht mal unbedingt gewollt, ergibt sich manchmal jedoch nebenbei. Während in der Vergangenheit jeweils „nur“ eine neue Technologie wie etwa die SQL-Datenbank, der PC, SAP und das Internet die Unternehmen beschäftigt haben, sind es nun diverse Themen wie das Internet der Dinge, Social Media, das E-Business der dritten Generation, Tablets und Smartphones. Das bewirkt bei jeder guten – und vielleicht disruptiven – Idee einen „Quantensprung mit Datenaspekt“, ist Brenner überzeugt.

3. Der Kundennutzen steht im Mittelpunkt

Seit nun schon knapp sieben Jahren gibt es eine App, über die Kunden online ihre Taxifahrten bestellen und bezahlen können. My Taxi hatte sie damals zunächst in Berlin erfolgreich eingeführt. Keine Warteschleife beim Anruf in der Taxizentrale, Bezahlen per Kreditkarte, Unabhängigkeit der Taxifahrer von Vermittlungszentralen. Die Analyse der Nutzerdaten schafft zudem potenziell neue Services etwa für Menschen, die immer zu ähnlichen Zeiten Taxen bestellen. „Erfolgreiche Modelle sind auf den Kundennutzen ausgerichtet“, erläutert Uni-Professor Brenner, „alles andere ist erst einmal Nebensache.“ Die Privattaxi-Vermittlung Uber ist ein Stück radikaler. Sie übergeht die gesamte Taxibranche und heuert Privatpersonen an, ihr Auto über eine Plattform als Taxi zur Verfügung zu stellen. Airbnb stellt eine Plattform zur Verfügung, über die Reisende privat statt im Hotel wohnen können. Doch auch Unternehmen wie etwa der Axel Springer Verlag verändern sich radikal durch Zuläufe von Start-ups, den Launch einer Online-Dating-Plattform oder einer Bonus-App für den Einzelhandel. Zwar geht es dem Vorstandschef Matthias Döpfner auch darum, seine Zeitungen und Zeitschriften über Bezahlmodelle wieder in den profitablen Bereich zurückzubekommen, doch bricht er ein Stück weit mit der Tradition, dass ein Verlag nur fürs Publizieren da ist.

4. Individuelle Bedrohung treibt Digitalisierung

In fast jeder Branche bewirkt die Digitalisierung Veränderungen. Händler werden nicht umhin kommen, ihre Verkaufskanäle miteinander zu vernetzen – Stichwort Omnichannel. Die Autokonzerne BMW, Mercedes und Audi tun sich zusammen und kaufen den Digitalkartendienst HERE, um ihre Datenservices so attraktiv wie möglich zu halten. Maschinenbauer bestücken ihre Geräte mit Sensoren, um Ausfallzeiten zu verringern und ihre Produkte weiter zu verbessern. „Die individuellen Potenziale oder auch Bedrohungen entscheiden darüber, wie und auf welchem Weg sich die Unternehmen der Digitalisierung nähern“, erläutert Walter Brenner von der Uni St. Gallen. Die Services werden letztlich allen Kunden zugute kommen, und nicht „nur“ der Generation Y, die eine gewisse Grundaffinität für digitale Ansätze mitbringt. „Denken Sie an Autos, die der Servicewerkstatt melden, sobald Bremsen oder Zahnriemen gewechselt werden sollten oder an Einparkhilfen im Auto oder gar automatisches Einparken, was besonders älteren Menschen entgegenkommen wird“, meint Brenner.

5. Digitalisierungsteams: Jeder muss “ran”

Den Weg in die digitale Zukunft bewirkt das gesamte Unternehmen, und nicht ein CEO, ein Marketing- oder IT-Chef. Und auch kein Chief Digital Officer (CDO) alleine, obwohl er als Einflüsterer und Antreiber für digitale Modelle wirkt und wichtig sein kann. Einen Verantwortlichen für Digitalisierung in den Vorstand eines Dax-Konzerns zu berufen, hält Professor Brenner für geradezu absurd: „Da müsste schon ein neuer Da Vinci oder Leibnitz geboren werden – das kann kein Mensch leisten.“ In jeden einzelnen Fachbereich gehört das Thema seiner Meinung nach und die Aufgabenverteilung ist wie auf dem Fußballplatz: „Es gibt einen Coach, die Spieler – und auch Zuschauer, die das ganze Treiben eher interessiert.“ Der CIO begibt sich weder in Konkurrenz zum CDO noch nimmt er eine gehobene Position in der digitalen Transformation ein. Neue Datenbanken wie SAP HANA oder Hadoop einsetzen, Sensordaten nicht nur technisch, sondern auch kommerziell nutzbar machen: Das sind die Aufgaben, die künftig den CIO beschäftigten werden. „Da gibt es wunderbare Jobs“, so Brenners Einschätzung.

Weitere Informationen:

Lernen Sie im kostenlosen openSAP-Kurs mit Prof. Helmut Krcmar von der TU München mehr über die Führung in Zeiten der Digitalen Transformation. 

Was SAP S/4HANA für die digitale Transformation leisten kann.

Sie können SAP S/4HANA zunächst als freie Testversion nutzen. Zur Anmeldung geht es hier.

 

Tags: ,

2 comments

  1. Johanna

    Hallo Andreas, auch eine sehr spannende Sicht auf das ganze. Es ist spannend mit anzusehen, wie Veränderungen zustande kommen. Allerdings fehlt mir in deinen Ausführungen ein bisschen die Art und Weise. Ich denke, einen Chef für Digitales zu beauftragen und in jede Abteilung zu stecken ist nicht ausreichend. Viel mehr muss eine generelle Strategie für das Unternehmen ausgeführt werden. Ich meine hier keine “digitale Strategie” sondern eine Unternehmens-Strategie, die das Digitale mit einbezieht.
    In folgendem Blogartikel werden 5 Tipps gegeben, die bei dabei helfen können: http://www.flyacts.com/blog/digitale-transformation-sinn-bedeutung-chancen/ Vielleicht kann er auch als guter Nachtrag zu deinem Text dienen 🙂

    Liebe Grüße,
    Johanna

    • Andreas Schmitz

      Hallo Johanna,
      danke für den Hinweis. Das ist – so denke ich – durchaus auch die Position von Walter Brenner, der ja selbst sagt, dass er den Da Vinci und Leibnitz in Person noch nicht kennengelernt hat. Es reicht nicht, wenn Einzelne Gas geben, andere aber gleichzeitig die Bremse ziehen.
      Gruss
      Andreas

Leave a Reply