IT-Infrastruktur gründlich renoviert

Feature | 25. Juli 2005 von admin 0

MAN Roland

MAN Roland

Der Druckmaschinen-Hersteller MAN Roland hat im Herbst 2004, im Zuge der grundlegenden Modernisierung der IT-Infrastruktur, seine hoch integrierte SAP-R/2-Lösung durch SAP R/3 4.6 abgelöst. Bedingt durch die Umstellung des zentralen ERP-Systems war auch die Neugestaltung all seiner Schnittstellen zu den externen Lösungen erforderlich, für die teilweise zur gleichen Zeit eine neue Software implementiert wurde.

Kommunikationsystem R3-Anbindung

Kommunikationsystem R3-Anbindung

Das Unternehmen profitierte davon, dass die Entwicklung der Schnittstellen auch dank der Zenos-Integration in sehr kurzer Zeit vor sich ging: Im ersten Schritt wurden insgesamt 23 Schnittstellen innerhalb von nur 190 Tagen für den Produktionsbetrieb vorbereitet – also konzipiert, realisiert und getestet. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Im Durchschnitt kam alle acht Tage – abhängig von der Komplexität – eine fertig getestete Schnittstelle hinzu.
Positiv wirkte sich aus, dass bei der notwendigen Integration der Lagerverwaltung die Schnittstellenlogik unverändert bleiben konnte. “Hier kann man praktisch von einer 1:1-Migration sprechen,” so der bei MAN Roland für die Schnittstellenproblematik verantwortliche IT-Manager Jürgen Fischer, “auch wenn die Integration technisch anders gelöst werden musste, da die Tabellenstrukturen im R/2, auf die ja die Schnittstellen aufgesetzt haben, im R/3 nicht mehr vorhanden sind.” Jetzt werden bei MAN Roland die User-Exits und BAPIs im R/3 im Wesentlichen von den identischen Funktionen angesprochen, die bereits im R/2 existierten. Diese sind nun im Zenos-Schnittstellenmanagement gekapselt und realisiert.

SAP-Projekt im großen Stil

Das gesamte Projekt sah die SAP-R/3-Einführung für die Produktionssteuerung, die Materialwirtschaft, das Finanz- und Rechnungswesen und die Serviceabwicklung, für mehrere Werke und Produktlinien, vor. Dabei wurden die Montagebänder über das Projektsystem von SAP abgebildet – zu ihrer Verwaltung dient nun die Netzplantechnik. Diese Technik hat den Vorteil, in der SAP-Lösung noch zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt des Produktionsvorgangs geänderte Kundenwünsche einfließen lassen zu können. Des weiteren wurden die integrativen Komponenten zur elektronischen Betriebsdaten-Erfassung für die Fertigungssteuerung erneuert.
Angesichts der zahlreichen Änderungen in der IT-Infrastruktur war für den Projekterfolg die kontinuierliche Integration dieser Komponenten mit dem zentralen SAP-System wichtig. Diese wurde sichergestellt für folgende Bereiche:

  • Elektronisches Dokumentenarchiv zur Verwaltung der technischen Zeichnungen und Serviceunterlagen,
  • Fertigungssteuerungssystem mit BDE,
  • Anbindung der Lagerverwaltung mit fahrerlosem Transportsystem,
  • Anschließen der CAD-Welt für die automatische Materialstamm-Generierung im SAP,
  • Produktdatenmanagement-System.

Für die Gesamtprojektleitung zeichneten Gerd Meißner, IT-Leitung Technik, Produktion und Fertigung, und Rainer Kegelmann, IT-Leitung Finanzbuchhaltung (inklusive Vertrieb/Service und Personal), verantwortlich. Die IT-Abteilung musste dieses Vorhaben neben dem laufenden Tagesgeschäft bewältigen – ohne dass die Anwender in den Fachabteilungen vor, während oder nach dem Umstieg durch EDV-Probleme gestört wurden.
Dabei bestand die größte Herausforderung darin, mit einer kleinen Mannschaft und knappem Budget den reibungslosen Umstieg vom SAP-R/2-System auf SAP R/3 pünktlich zu schaffen. “Geklappt hat das dank einer gründlichen Terminplanung, durch ein straffes Projektmanagement sowie die strikte Einhaltung des Phasenplans – beginnend von der Konzeptionsphase über die Erstellung der Pflichten- und Lastenhefte bis hin zur Realisierung,” fasst Fischer die Erfolgsfaktoren zusammen. Genau so wichtig seien aber auch die intensiven Funktions- und Integrations-Tests als Garanten für eine reibungsfreie Inbetriebnahme der neuen Software gewesen.

Prozessmanagement über Schnittstellen hinweg

Schnittstellenobjekte in ZENOS

Schnittstellenobjekte in ZENOS

Zwei technische Aspekte erschwerten diese Tests. Zum einen waren die an SAP angrenzenden Systeme dafür kaum verfügbar, da viele von ihnen gleichzeitig umgestellt wurden. Zum anderen nutzte MAN Roland seit Mitte der 90er Jahre SAP R/2 Comfort mit seiner ausgefeilten Prozessverwaltung. Über diese Prozessverwaltung bestand bereits eine enge Einbindung SAP-externer Anwendungen wie Lagerverwaltung und Betriebsdatenerfassung in R/2. Eine durchgängige IT-Unterstützung der Geschäftsprozesse in diesen Bereichen war damit schon seit Jahren sichergestellt. Die aus dem hohen Integrationsgrad resultierenden Vorteile wollte MAN Roland nicht mehr missen. Im Gegenteil: Auch in anderen Bereichen – etwa im Produktdatenmanagement (PDM) oder in der elektronischen Archivierung – sollten diese Benefits realisiert werden. Deshalb integrierte das Unternehmen im Zuge der Modernisierung beispielsweise auch die gesamten CAD-Systeme vollständig mit SAP R/3, inklusive Material- und Dokumentenstammdaten sowie Änderungswesen.
Bei diesen Überlegungen kam actum consulting products als Lieferant der Integrationsplattform Zenos ins Spiel. Ausschlaggebend für diese Wahl waren neben wirtschaftlichen Aspekten drei technische Gründe: Die enge Einbindung dieser Software-Suite für die Enterprise Application Integration (EAI) als Plug-In im SAP R/3-Umfeld, die gute Performance und die Möglichkeiten des so genannten Return-Mappings in SAP R/3.
“Die eigentlichen Schnittstellen lassen sich mit Zenos schnell entwickeln,” zeigt sich Fischer zufrieden mit dem Projekterfolg. Diese Integrationsplattform bietet einen hohen Komfort für die Einbindung von BAPIs und IDOCs. Allerdings sei es nicht zu unterschätzen, konzeptionell die komplexen und vielfältigen internen SAP-R/3-Strukturen der BAPIs oder IDOCs inhaltlich zu befüllen. Hier war für Fischers Team die Unterstützung durch die SAP-Experten von actum sehr hilfreich, wobei zusätzlich auch auf den SAP-eigenen Support zurückgegriffen wurde.

Telegrammonitor ZENOS

Telegrammonitor ZENOS

Projektleiter Fischer fasst die Erfahrungen zusammen: “Sobald ein Entwickler im SAP-Umfeld fit ist, nimmt Zenos ihm bei der reinen Schnittstellenprogrammierung einen Großteil der Arbeit ab. Die eigentliche Schwierigkeit liegt darin festzustellen, wie und wo die Schnittstellen welche Informationen ins SAP einstellen oder abrufen.” Auch deshalb wurde bei dieser wichtigen Detailfrage actum zu Rate gezogen, das im Kundenauftrag die externen Lagerverwaltungssysteme (LVS), die Anwendungen zur Bestellabwicklung und die externen Materialstammsysteme an SAP R/3 angebunden hat, mit dem von SAP R/2 gewohnten Komfort und Integrationsgrad. Das dabei – ohne Abstriche an der Qualität – eingeschlagene Tempo kann sich sehen lassen: innerhalb von etwa drei Monaten erfolgte die Inbetriebnahme.

Keine Abstriche an der Qualität

Telegrammvolumen im Tagesverlauf

Telegrammvolumen im Tagesverlauf

Dieses hohe Tempo zu halten war nicht einfach, weil im Zuge einer Werksumstrukturierung parallel auch ein komplett neues Lagersystem eingeführt wurde. Es handelt sich dabei um ein Hochregallager für 15.000 Paletten und ein Kleinteilelager für 46.000 Paletten. Dieses Lager, das an den drei Standorten Offenbach, Geisenheim und Mainhausen verteilt ist, wurde zudem mit neuen fahrerlosen Transportsystemen (FTS) und dynamischen Produktionspuffern ausgestattet.
Aufgrund dieser ständigen Änderungen der Software-Anwendungen waren ausgiebige Tests der neuen Schnittstellen in der Infrastruktur von MAN Roland unverzichtbar. Die IT-Landschaft ist bei MAN Roland in Entwicklungs-, Test- und Produktionsumgebung aufgeteilt. Weil alle Änderungen vor der Inbetriebnahme in der Testumgebung ihre Tauglichkeit und Fehlerfreiheit beweisen müssen, manche der neuen Systeme aber noch nicht produktiv arbeiten, wirkte sich ein weiteres Zenos-Merkmal für MAN Roland vorteilhaft aus: Unabhängig von der Verfügbarkeit der externen Systeme lassen sich Testdaten erzeugen und für funktionale Tests nutzen. „Dank der standardisierten Entwicklungsumgebung sind Änderungen beziehungsweise Anpassungen schnell und unkompliziert möglich“, so Fischer. „Nach einer solchen Korrektur kann der Test mit dem gleichen Datensatz erneut gestartet werden.“
Auf diese Weise hat actum das Projekt der LVS-Integration von Beginn an unterstützt, obwohl das Wissen um die benötigte Funktionalität im Hause MAN Roland verfügbar war. Das war laut Fischer durchaus gewollt, denn so konnte intern das Know-how im Umgang mit Zenos aufgebaut werden, um die gesamte BDE- und CAD-Anbindung komplett in Eigenregie vornehmen zu können. Geholfen habe neben der Erstellung von Pflichten- und Lastenheft insbesondere die Anleitung beim Test, “so dass wir vor dem Produktivstart absolut sicher sein konnten, dass die kritischen Funktionen nachweislich stimmen.”

Volker Brandenburg

Volker Brandenburg

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