IT-Outsourcing-Modelle: Ein Überblick

Feature | 5. Dezember 2008 von Carolin Kober, freie IT-Journalistin 0

IT-Outsourcing ist nicht gleich IT-Outsourcing. Vielmehr gibt es verschiedene Konzepte, die im Markt diskutiert, angeboten und eingesetzt werden. Neben zahlreichen Misch- und Subvarianten wird dabei zwischen drei großen Modellen unterschieden:

  1. Komplettes Outsourcing (Outsourcing und Business Process Outsourcing, BPO): Der Betrieb der gesamten IT bzw. ganze Geschäftsprozesse werden an externe Dienstleister vergeben.
  2. Partielles Outsourcing (Outtasking/Managed Services, Application Outsourcing/Hosting, Software as a Service): Es werden nur einzelne IT-Dienstleistungen ausgelagert.
  3. Internes Outsourcing (Shared Services)

Welche Alternative auch gewählt wird, fast immer kommen gesetzliche Vorschriften zum Tragen. Deshalb sollte man beim IT-Outsourcing stets auch den Datenschutz, das Kartell-, Arbeits-, Steuer- sowie IT-Recht im Blick haben.

Outsourcing-Modelle im Überblick:

Komplettes Outsourcing: Outsourcing und BPO
Beim klassischen IT-Outsourcing lagert ein Unternehmen seine gesamte IT oder sehr große Teile davon an einen externen Dienstleister aus. Die ausgelagerten Funktionen gehen arbeitsvertraglich an diesen über. Beim Business Process Outsourcing (BPO) werden neben den IT-Funktionen auch ganze Geschäftsprozesse ausgelagert. Damit werden einfache Services in den Bereichen Personal- oder Finanz- und Rechnungswesen ausgeführt.
Nutzen: Kostensenkung und -transparenz; Stärkung der Kernkompetenz; Entlastung der IT-Abteilung; mehr Know-how beim Anbieter; IT-Sicherheit
Risiken: Abhängigkeit vom Dienstleister; aufwändige Rückabwicklung beim Wechsel des Anbieters; Verlust von internem Know-how

Application-Outsourcing und Hosting
Beim Application-Outsourcing übernimmt ein externer Anbieter zu einem monatlichen Pauschalpreis den Betrieb, die Weiterentwicklung, die Pflege und Wartung von Softwareanwendungen. Bei Hosting kauft der Anwender die Lizenzen und zahlt jährliche Wartungsgebühren an den Softwarehersteller. Der IT-Dienstleister ist für den Betrieb der IT-Infrastruktur sowie den zugehörigen Support verantwortlich.
Nutzen: Laufender Support durch den Anbieter; Sicherstellung des Anwendungsbetriebs
Risiken: Dieses Modell ist nicht für unternehmenskritische Anwendungen geeignet.

Internes Outsourcing: Shared Services
Hier werden gleichartige Leistungen für mehrere Geschäftsbereiche eines Unternehmens bereitgestellt. Die Organisation erfolgt in einem wirtschaftlich und/oder rechtlich selbstständigen Verantwortungsbereich, dem Shared Service Center (SSC). Das SSC tritt als interner Dienstleister auf.
Ziele: Kostensenkung; bessere Kontrolle der Prozesse und Daten
Risiken: Unternehmensprozesse und damit auch ihre etwaigen Schwächen bleiben weitgehend unverändert.

Gesetzliche Vorschriften

Per se ist Outsourcing gesetzlich nicht definiert, weshalb sich ein Outsourcing-Vertrag aus Elementen des Kauf-, Dienst-, Werk- und Mietvertrags zusammensetzen kann.

Vier Prinzipien gilt es dabei innerhalb des gesetzlichen Rahmens zu beachten:

  1. Vertraulichkeit: Der Schutz vor unbefugtem Zugriff muss gewahrt werden.
  2. Integrität: Der Schutz vor Veränderung, Verlust oder Zerstörung muss sichergestellt werden. Datensicherung, Aktualisierung von Virenschutz sowie Firewall lauten hier die Schlagworte.
  3. Verfügbarkeit: Eine Leistungsfähigkeit ohne Beeinträchtigung muss jederzeit gegeben sein.
  4. Revisionsfähigkeit: Eine Protokollierung der Zugriffe und Nutzer muss lückenlos nachgewiesen werden können.

Bei allen Outsourcing-Modellen ist schließlich das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KontraG) maßgeblich. Denn das Fehlen einer nachweisbaren Kontrolle der IT-Strukturen führt zur strafrechtlichen Verantwortung und zur zivilrechtlichen Haftung des Managements eines Unternehmens.

Offshoring und Nearshoring

Um Lohnkosten zu reduzieren, lagern immer mehr Unternehmen ihre IT-Funktionen in Niedriglohnländer aus. Sie betreiben so genanntes Offshoring oder Nearshoring.

Die Offshore-Region Nummer eins ist Indien; China beginnt sich zu etablieren. Qualität und Wertigkeit der extern erbrachten Services sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Riskant beim Offshoring sind die großen Entfernungen, die verschiedenen Zeitzonen, der hohe Steuerungsaufwand sowie sprachliche und kulturelle Barrieren.

Beim Nearshoring gelten ähnliche Prinzipien wie beim Offshoring, nur werden Tätigkeiten wie Call-Center-Dienste oder einfache BPO-Services ins benachbarte Ausland verlagert – etwa von einem westeuropäischen Unternehmen nach Osteuropa. Der Vorteil im Vergleich zum Offshoring sind hier die geografische Nähe und kulturelle Gemeinsamkeiten. Allerdings entstehen auch höhere Arbeitskosten.

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