IT stützt Wachstum im deutschen Bankensektor

Feature | 26. Juli 2004 von admin 0

Die deutschen Banken sind stark abhängig von der deutschen und der weltweiten Wirtschaftslage, die sich nur langsam erholen. Nachdem das Systemintegrationsgeschäft in den Jahren 2002 und 2003 einen enormen Preisverfall erlebte, stabilisieren sich die Preise mittlerweile auf niedrigem Niveau. Banken sind mit großen IT-Vorhaben vorsichtig geworden und führen nur noch die notwendigsten Projekte durch. Die Projektgröße verringert sich stark. Der Trend geht dahin, statt weniger großer viele kleinere Projekte abzuschließen. IT-Dienstleister stehen zunehmend unter Preis- und Leistungsdruck. Denn für diese kleinen Projekte muss schon vor dem Start ein Return on Investment (ROI) berechnet werden. Kunden erwarten einen baldigen ROI und günstige Service Level Agreements. Außerdem spüren IT-Dienstleister immer stärker den Wettbewerbsdruck von Seiten interner IT-Abteilungen der Banken oder deren Rechenzentren. Daher ist es für sie schwieriger geworden, neue Projekte zu gewinnen.

IT-Anwendung im Bankenbereich

IT-Anwendung im Bankenbereich

Sind also von deutschen Banken in den nächsten Jahren keine großen IT-Ausgaben zu erwarten? Die Studie “Banking 2003 Germany. Software and IT Services in the German Banking Sector” des französischen Marktforschungsinstituts Pierre Audoin Consultants (PAC), die im Mai 2004 zum dritten Mal erschienen ist, gibt sich optimistisch. Sie fragt danach, wie viel deutsche Banken im Jahre 2003 für diverse externe IT-Services in ihren einzelnen Geschäftsbereichen ausgegeben haben und welche Investitionen für die Zukunft geplant werden. Die Studie entwirft eine Prognose über die Entwicklung der externen Ausgaben bis zum Jahre 2007. Neben einer Analyse des IT-Marktes für den Bankensektor nach den Produkt- und Dienstleistungsberei-chen Anwendungssoftware, Projektgeschäft und Outsourcing schlüsselt PAC IT-gestützte Geschäftsbereiche der Banken nach Verwaltung, Bankenkerngeschäft und Vertriebskanälen auf. Das Bankenkerngeschäft gliedert sich wiederum in Kreditgeschäft, Zahlungsverkehr und Kontoführung, Wert-papiergeschäft sowie das Risiko-Management.
Grundlagen der Analyse bilden persönliche Gespräche und Interviews mit den führenden IT-Anbietern (darunter auch SAP) und mit Entscheidern aus dem mittleren und höheren Management bei Banken. Weiterhin finden Geschäftsergebnisse und -Strategien von über siebzig Anbietern von IT-Lösungen für die deutsche Bankenbranche Berücksichtigung. Ziel der Interviews war, Zusammenhänge zwischen Unternehmensgröße, Geschäftsergebnissen, dem Produkt- und Dienstleistungsportfolio und der Positionierung am Markt herauszuarbeiten, sowie die Strategie der IT-Anbieter zu verdeutlichen. IT-Budgets der Banken und Geschäftsstrategie wurden analysiert, ihre künftige Entwicklung eingeschätzt. Dies geschah vor dem Hintergrund, künftige Branchen- und IT-Trends identifizieren zu können.

Geringe Ausgaben für externe Software und IT-Services

Vier Arten von IT-Ausgaben werden bei PAC unterschieden: Ausgaben für internes Personal, Hardware, Systemsoftware/ Tools/ Hardwarewartung sowie Software und IT-Services (SITS). Zu diesem zuletzt genannten Kernbereich, dem Schwerpunkt der Studie, gehören Anwendungssoftware, Projekt-Services sowie Outsourcing-Services. Unter Outsourcing-Services wird das Outsourcing von Anwendungen, Rechenzentren, Desktop-Services und komplettes Outsourcing subsumiert. Bei den Ausgaben für die Anwendungssoftware werden die Umsätze aus Lizenzen und Wartung berücksichtigt, die Ausgaben für Projekt-Services umfassen sämtliche Umsätze rund um Implementierungs-Services: IT-Beratung, Implemen-tierung, Customizing und Anwenderschulung.

IT-Ausgaben

IT-Ausgaben

Innerhalb der IT-Ausgaben verwendeten die Banken 34 Prozent für internes Personal, 23 Prozent für Hardware und neun Prozent für Systemsoftware und Hardwarewartung. Ausgaben für den Bereich Software und IT-Services nahmen 2003 nur 19 Prozent aller IT-Ausgaben der befragten deutschen Banken ein: Das ergab in Summe über drei Milliarden Euro und liegt um drei Prozent unter den Ausgaben des Jahres 2002. Branchenübergreifend liegt der Durchschnittsanteil für Ausgaben in den Bereichen Software und IT-Services mit 27 Prozent deutlich darüber. Das zeigt, dass deutsche Banken viele IT-Aufgaben ohne die Hilfe externer Dienstleister bewältigen.

Outsourcing zieht mehr Investitionen an

Aus Gesprächen mit Entscheidern gewann PAC den Eindruck, dass sich Ausgaben für Software und IT-Services, angeregt durch verstärktes Outsourcing, bis 2007 im Durchschnitt jährlich um zwölf Prozent steigern werden. Für den Bereich Outsourcing-Services erwartet PAC eine Ausgabensteigerung im zweistelligen Bereich. Innerhalb des Marktes für Software und IT-Services entfielen 2003 auf Outsourcing-Services 46 Prozent aller Ausgaben. Im Jahre 2007 soll dieser Anteil auf über 50 Prozent anwachsen. Doch im System Integrationsgeschäft wird das Jahr 2004 weiterhin im Zeichen der Konsolidierung stehen. Die Nachfrage nach Standard-Software wird schätzungsweise lediglich um ein Prozent steigen, die Ausgaben für Projekt-Services gar um ein paar Prozentpunkte zurück gehen. Ab 2005 erwartet PAC in diesen Bereichen wieder ansteigende Wachstumsraten. Diese Einschätzungen stützt PAC auf die Ergebnisse der Befragungen und auf eigene Analysen.

Für den Verwaltungsbereich von Banken (Human Resources, Controlling, Finanzbuchhaltung und andere) erwartet PAC dank verstärkten Outsourcings wieder mehr IT-Ausgaben. Voraussichtlich wird für Projekt-Services sowie Lizenzen für Standard-Anwendungssoftware weniger als bisher ausgegeben werden. Auch im Banken-Kerngeschäft gewinnt Outsourcing an Bedeutung. Für die Bereiche Zahlungsvorgänge, Kredite und Darlehen sowie Wertpapiere sollen die IT-Ausgaben um durchschnittlich 13 Prozent im Jahr wachsen, Ausgaben für das Risiko-Management jedoch nur um acht Prozent. Sobald der Markt wieder Vertrauen gefasst hat – PAC erwartet dies ab 2005 – werden auch mehr und umfangreichere Projekte zur Systemintegration durchgeführt werden, zunehmend mit Hilfe von externen Anbietern.

Gute Aussichten am Markt für Software und IT-Services

IT-Dienstleister, Software- und Outsourcing-Anbieter im deutschen Bankensektor haben der Studie zufolge wieder gute Aussichten, denn Banken sind wieder bereit, in IT-Projekte zu investieren und mit externen IT-Dienstleistern zusammen zu arbeiten. Außerdem stehen sie Outsourcing-Plänen immer offener gegenüber mit dem Ziel, Kosten zu senken. Künftige Zusammenschlüsse und Akquisitionen im Bankensektor werden Aufträge für IT-Dienstleister schaffen – insbesondere für Prozess- und IT-Consulting sowie für Systemintegration. Auch die Optimierung von Business-Modellen oder eine strategische Umorientierung von Banken sollten die Nachfrage nach IT-Consulting erhöhen.
Die hochkomplexen IT-Systeme vieler deutscher Banken erleichtern eine weitere Automatisierung und Modernisie-rung von Geschäftsprozessen. Dieses Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Nach wie vor sind sich deutsche Banken laut Aussagen wichtiger Entscheider bewusst, dass gute, flexible und solide IT-Lösungen ein wichtiges Erfolgskriterium darstellen, um dem nationalen und internationalen Wettbewerb stand zu halten.
Mehr Informationen zur Studie “Banking 2003 Germany” unter http://www.pac-online.de

Nadia Adnane

Nadia Adnane

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