J2EE-Anwendungen in SAP NetWeaver einbinden

Feature | 14. Juni 2006 von admin 0

Integration mit SAP NetWeaver Exchange Infrastructure (SAP NetWeaver XI)

Integration mit SAP NetWeaver Exchange Infrastructure (SAP NetWeaver XI)

In einer J2EE-Architektur entwickelte Anwendungen werden nahezu von allen IT-Systemen unterstützt. Entwickler sind so in der Lage, nur eine einzige Version einer Anwendung für verschiedene Plattformen zu schreiben. Portiert ein Unternehmen vorhandene Anwendungen auf die SAP-J2EE-Plattform, so schafft es sich eine standardisierte Arbeitsumgebung für alle Anwendungen. Das Unternehmen spart dadurch nicht nur Zeit und Kosten, sondern profitiert zudem von einer zentralen Benutzerverwaltung als auch von einer effizienteren Integration der Anwendungen in die vorhandene SAP-Landschaft. Damit eine J2EE-Anwendung auf SAP NetWeaver erfolgreich arbeitet, sind fünf Schritte bei der Integration zu beachten.

Schritt 1: Die Anwendung auf die J2EE Engine portieren

Zunächst einmal sollte die betreffende Anwendung in Hinsicht auf ihre Umgebung, Architektur und Konformität mit den J2EE-Standards bewertet werden, um so Risiken und Kosten einer Migration zu ermitteln. Zur Vorbereitung der Migration ist ein Test erforderlich, bei dem alle relevanten Aspekte der Anwendung daraufhin geprüft werden, ob sie funktional sind. Vom Ergebnis hängt die Gestaltung des Tests nach der Einführung ab.
SAP unterstützt die Migration mit mehreren Werkzeugen, gebündelt im J2EE Migration Kit. Diese vereinfachen die Migration auf die SAP-J2EE-Plattform und schützen die Investitionen derjenigen Unternehmen, die ihre bestehenden Lösungen bereits erfolgreich auf die SAP-Plattform übertragen haben. Darüber hinaus eignen sich die Werkzeuge besonders für große Anwendungen, da sie wichtige Migrationsschritte beschleunigen und fehleranfällige manuelle Arbeiten überflüssig machen. Die Basis für das Migration Kit bildet der SAP NetWeaver Application Server (SAP NetWeaver AS).
Innerhalb des SAP NetWeaver AS steht dem Anwender die SAP J2EE Engine zur Verfügung. Mit ihr lassen sich die J2EE-Anwendungen in einer SAP-Umgebung realisieren. Die Engine implementiert den J2EE-Standard, den SAP mit wichtigen Elementen wie dem SAP Java Connector, oder der datenbankunabhängigen Java Persistence sowie mit Web Dynpro ausgestattet hat, mit dessen Hilfe sich benutzerfreundliche Web-Frontends entwickeln lassen.

Schritt 2: Die Anwendung in SAP NetWeaver Portal integrieren

Einzelne Web-Anwendungen können dank SAP NetWeaver Portal als iView in das Portal integriert werden. Der Anwender ist somit in der Lage, sich diese Anwendungen von einer Seite im Portal aus anzeigen zu lassen und in Kombination mit anderen iViews aus anderen Anwendungen zu nutzen. Integrierbar sind verschiedene Typen von iViews aus gemischten Informationsquellen. Java iViews können beispielsweise Content-Elemente sein, die in Java Server Pages (JSP) oder Java geschrieben und auf der Java Runtime ausgeführt werden. Unternehmen sind auch imstande, eigene iViews in Java oder JSP zu entwickeln. Mit Hilfe von iViews lassen sich beispielsweise bestehende Internet- und Intranet-Seiten über ihre URL einbinden. In diesem Fall läuft die Anwendung auf demselben oder einem anderen Anwendungsserver, das iView liefert eine Art Container zum Schutz des Inhalts.
Java iViews basieren auf der HTMLb-Technologie (HTML Business for Java) und geben den Anwendern nützliche Hilfsmittel für die Integration mit den Services des SAP NetWeaver Portal an die Hand. Ihre Verwendung ist ratsam, wenn eine Anwendung mit SAP NetWeaver Portal als hauptsächliche Zielplattform von Grund auf neu entwickelt wird. Soll eine bestehende Anwendung auf das Portal migriert werden, besteht die häufigste Schwierigkeit darin, wie sich das existierende Navigations-Framework auf die Portalnavigation abbilden und gegebenenfalls ersetzen lässt. Leider gibt es für dieses Problem keinen allgemein gültigen Ansatz, da sich verschiedene Szenarien für die Implementierung der Navigation in der ursprünglichen Anwendung umsetzen lassen.
Einige Unternehmen möchten Anwendungen nicht nur auf SAP NetWeaver Portal betreiben, sondern auch im “Standalone”-Modus unterstützen. Da SAP NetWeaver Portal beispielsweise für die Verwaltung von Navigation und Header zuständig ist, sollten iViews, Seiten, Arbeitsbereiche und Rollen zu einem Content-Paket zusammengestellt werden. Java iViews dienen quasi als Rahmen für die Anwendungskomponenten. Auf diese Weise fügen die Java iViews bestimmte Parameter dynamisch während der Laufzeit zur URL hinzu und liefern damit relevante Kontextinformationen, beispielsweise zum jeweiligen optischen Erscheinungsbild für das SAP NetWeaver Portal. Solche Content-Pakete zu konfigurieren setzt keine Java- oder sonstige Programmierkenntnisse voraus, lediglich Grundwissen im Bereich Geschäftsanalyse. Die Zugriffsberechtigung für die Pakete lässt sich über die Standard-Portalfunktionalität steuern.

Schritt 3: Auf das SAP-Erscheinungsbild abstimmen

EPAM Systems

EPAM Systems

Die Unterstützung der Formate entpuppt sich als Herausforderung, wenn eine ursprünglich für eine andere Plattform konzipierte Anwendung portiert werden soll. Diese Situation verkompliziert sich, sofern die Anwendung ein verändertes Erscheinungsbild des Portals unterstützen muss, beispielsweise in einer anderen Farbe.
SAP verwendet bei allen internetfähigen Technologien konsistent dasselbe optische Erscheinungsbild sowie dieselben Formate. Entsprechend sehen mit HTMLb oder Web Dynpro erstellte Anwendungen gleich aus. Die Herausforderung der einheitlichen Gestaltung des Erscheinungsbildes lässt sich nur mit großem Programmieraufwand lösen. Zur Unterstützung dieses Vorgangs lassen sich Stylesheets auf Client- und Serverseite implementieren. Die Performance der clientseitigen Lösung hängt allerdings stark von den Merkmalen des Client-Rechners ab. Daher bevorzugt beispielsweise der SAP-Entwicklungspartner EPAM Systems eine serverseitige Lösung, die sich besser skalieren lässt.
Der von EPAM Systems entwickelte serverseitige Ansatz hält sich bei der Implementierung an folgende Vorgaben:

  • Die aktuelle Oberflächenerscheinung ist über das Portal-API automatisch abrufbar;
  • SAP-Standard und die benutzerdefinierte Oberflächengestaltung sollten differenziert werden;
  • Für eine Standardgestaltung lassen sich vorgenerierte Cascading Style Sheets (CSS) verwenden. Zur Laufzeit greift die Anwendung dann auf die Formate der Oberflächenerscheinung zu.

Für die Implementierung dieser serverseitigen Lösung müssen die Entwickler zunächst eine Konvertierungsmatrix oder einen Styleguide aus dem anwendungsspezifischen Stylesheet für das SAP-Erscheinungsbild erstellen. Danach fügen sie den HTTP-Filter ein. Dieser verarbeitet die HTML-Ausgabedaten und ersetzt sie gegebenenfalls nach Maßgabe der zuvor definierten Matrix.

Schritt 4: Single Sign-On implementieren

Single Sign-On (SSO) ist eine zentrale Funktion von SAP NetWeaver Portal. Anwender können aufgrund dieser Funktion auf iViews zugreifen, ohne dass sie mehrfach ihre Authentifizierungsdaten eingeben müssen. Alle integrierten Anwendungen verwenden dieselben Zugangslegitimationen.
SAP NetWeaver Portal unterstützt verschiedene Szenarien für Single Sign-On. Idealerweise sollten Portal und Backend-Systeme dieselben Benutzer-IDs verwenden. In einem solchen Fall wäre keine Benutzerzuordnung erforderlich: Der Portalserver wird einfach für SSO mit SAP-Anmeldetickets konfiguriert und die SAP-Lösungen akzeptieren und verifizieren lediglich diese Tickets.
In der Realität jedoch wird das SAP-Portal häufig als Integrationspunkt eingesetzt, um den Zugriff auf bereits vorhandene Backend-Systeme zu konsolidieren. Diese verwenden nämlich oft verschiedene Schemata für Benutzer-IDs und Authentifizierung. Dank einer Zuordnung der Anwender, die entweder auf dem SAP-Anmeldeticket für ein externes System, oder auf der Angabe von Benutzername und -kennwort für externe Anwendungen basiert, lassen sich für die Backend-Systeme auch andere IDs und Kennwörter festlegen.

Schritt 5: Integration der Benutzerverwaltung mit SAP

Die drei UME-Integrationsszenario

Die drei UME-Integrationsszenario

Anwendungen, die in die Umgebung des SAP Web Application Server migriert werden sollen, haben oft große Sicherheitsdatenbanken. Diese enthalten Benutzer-Kennwort-Kombinationen und Zuordnungen von Benutzern zu unterschiedlichen Gruppen oder Rollen. Wird die User Management Engine (UME) als primärer Mechanismus für eine zentrale Benutzerverwaltung verwendet, stellt sich für ein Unternehmen die Frage, ob vorhandene Datenbanken wieder verwendet oder in eine UME überführt werden sollen. Hierfür stehen drei UME-Integrationsszenarien zur Auswahl, je nach dem, welches Modell für das jeweilige Geschäftsszenario oder die jeweilige Anwendungslandschaft des Unternehmens am sinnvollsten ist. Generell reduziert der Einsatz der SAP-UME die Wartungskosten erheblich, da sich SAP-Portalbenutzerdaten in der J2EE-Anwendung wieder verwenden lassen.

Igor Nys

Igor Nys

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