Jeder Handgriff sitzt

Feature | 4. Oktober 2005 von admin 0

Beispiel-Workflow

Beispiel-Workflow

Die Vernetzung der Datenwelten macht auch vor der Zeitwirtschaft nicht halt: Kaum ein Unternehmen verzichtet heute auf die Nutzung seiner MTM-Vorgabezeiten im PPS-System. Vor diesem Hintergrund entstand die zertifizierte SAP-TiCon-Schnittstelle. Mit dieser entfallen die manuelle Pflege und die aufwändige Übertragung der aktualisierten Daten aus MTM-Analysen zu SAP R/3. Die Schnittstelle bietet speziell für diese Aufgabe eine Vielzahl von Funktionen: Aus dem SAP-Arbeitsvorgang (AVO) heraus lässt sich eine leicht bedienbare Suchmaske öffnen, die den Anwender bei der Auswahl eines TiCon-Prozessbausteins unterstützt. Per Mausklick wird dann für diesen Baustein die Referenz zum AVO hergestellt. Die in TiCon ermittelten Zeiten und andere optionale Daten wie Beschreibungstexte werden dem SAP-Arbeitsvorgang übergeben, zugleich wird die Möglichkeit der manuellen Zeiteingabe im SAP-AVO deaktiviert.
Bei der Auswahl eines Prozessbausteins wird das TiCon-interne Berechtigungskonzept berücksichtigt: Es können nur Bausteine zur Referenzierung ausgewählt werden, auf die der Anwender laut TiCon-Logik mindestens Lesezugriff hat. Änderungen von Zeiten und Texten in TiCon werden – wie oft und wann immer gewünscht – via Batch-Input-Mappen nach SAP übertragen. Aufgrund der implementierten Verwendungsprüfung dürfen TiCon-Bausteine mit SAP-Referenzen nicht gelöscht werden. Sollte dies doch einmal erforderlich sein, lässt sich die Referenz bei Bedarf wieder auflösen.

Österreicher als Vorreiter

Systemkomponenten

Systemkomponenten

Die erste Implementierung einer SAP-TiCon-Schnittstelle erfolgte im österreichischen Unternehmen Egston Eggenburger System Elektronik GesmbH. Das Unternehmen produziert induktive Bauelemente, Kabelsysteme und Stecknetzgeräte sowie Automotivbauteile in Österreich und Tschechien, seit Ende 2004 auch induktive Bauelemente in China. Vor der Umstellung auf SAP R/3 Release 4.6 arbeitete Egston mit der MTM-Software ANA/ZEBA-DATA und einer Schnittstellenkopplung an das PPS-System Diaprod. 2003 fiel die Entscheidung, das PPS-System Diaprod abzulösen, da das Produkt nicht mehr gewartet werden konnte. Mit dem Umstieg zur SAP R/3-Software wurde auch die Einführung der neuen MTM-Software TiCon realisiert – allerdings noch ohne die Schnittstelle, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht zertifiziert war. Überzeugt hat TiCon durch seine einfache, windows-orientierte Anwendung, Client-Server-Technologie mit relationaler Datenbank und Mehrsprachfähigkeit. Gerade letzteres war für Egston im Hinblick auf die internationale Ausrichtung ein wichtiges Argument.
Die Umstellung auf die SAP R/3-Lösung startete im Jahr 2003, der Echtbetrieb wurde zum Jahresbeginn 2004 aufgenommen. Anfangs wurden die Zeitwirtschaftsdaten in SAP teilweise noch manuell ein- beziehungsweise nachgepflegt. Dieser Aufwand war Grund genug, ergänzend die noch fehlende und in der Zwischenzeit zertifizierte SAP-TiCon-Schnittstelle zu implementieren. An dieser Aufgabe arbeitete das Dresdner MTM-Softwarehaus gemeinsam mit der Münchner Firma DMC; beide Unternehmen hatten bereits bei der Zertifizierung der Schnittstelle für das MTM-Softwarehaus kooperiert. Bei Egston wirkte der Produktionsleiter Karl Heinz Steindl als Ansprechpartner für die TiCon-Schnittstelle mit. Im Lauf der Implementierung mussten nur geringfügige Probleme wie die Mehrfachzuordnung der Stücklistenpositionen verbessert werden. Insgesamt nahm die Einführung nur wenig Zeit in Anspruch, innerhalb von drei Monaten lief der Datenaustausch zwischen TiCon und der SAP-Produktionsplanungs-Komponente PP.

In der Praxis bewährt

Der Echtbetrieb mit der MTM-Software TiCon und der Schnittstelle zu SAP läuft nun seit Anfang des Jahres 2005. Der Produktionsleiter Karl Heinz Steindl ist auch nach mehreren Monaten in der Alltagspraxis äußerst zufrieden mit der Lösung: “Seit der Implementierung sind keine Probleme aufgetreten. Es funktioniert tadellos”. In den Zeitwirtschafts-Daten in SAP PP sind neben dem Referenzierungs-Code auch die Zeiten und die Änderungsinformationen der Prozessbausteine hinterlegt. Die Schnittstelle selbst kommuniziert über RFC-Technologie mit einem in C++ programmierten RFC-Server. Das Update läuft über das Erstellen und automatische Abarbeiten von Batch-Input-Mappen.
Änderungen von MTM-Analysen werden ohne Reibungsverluste auf dem Datenbestand im SAP abgebildet. Bei Egston läuft dazu täglich ein Nachtjob mit durchschnittlich 24.000 Analysen – “und er läuft absolut stabil. Dabei ändert sich der Datenbestand regelmäßig. Jeden Tag gibt es Veränderungen,” so Karl Heinz Steindl. “Wir bekommen jeden Tag drei neue Produkte und ändern mindestens drei bestehende Produkte aus unserem umfangreichen Programm.” Genutzt wird die Software von 42 Anwendern in Österreich und Tschechien. Im Rückblick schätzt Steindl: “Die hohe Umsetzungsgeschwindigkeit bei der TiCon-Einführung und die problemlose Datenübernahme haben gezeigt, dass das MTM-Softwarehaus und DMC München zuverlässige Partner mit Handschlagqualität sind.”

Handgriffe mit Folgen

Dank der Implementierung der Schnittstelle ergänzen sich die Funktionalitäten beider Software-Welten solide und sicher: die Planung und Steuerung von SAP auf der einen, die Prozessbausteinentwicklung und -verwendung von MTM auf der anderen Seite. Mit der MTM-Methode arbeitet Egston bereits seit 1991. Ständig werden Produktionsprozesse bewertet und verbessert, ebenso werden bei der Einführung von neuen Produkten und Bauteilen die zugrundeliegenden Prozesse analysiert. “Wenn wir für ein neues Teil in TiCon die Vorgabezeiten in der Montage festgelegt haben,” so Karl Heinz Steindl, “können wir augenblicklich über die Schnittstelle die Verbindung zu SAP herstellen. Dort werden die neuen Vorgabezeiten automatisch hinterlegt und alle damit einhergehenden Veränderungen abgeglichen. Damit pflegen wir die neuen Daten in einem einzigen System ein.”
Das gleiche gilt für die Anpassung bestehender Daten, beispielsweise wenn zwei Bauteile durch eins ersetzt werden: “Wir ändern die Daten in TiCon und speichern sie ab. Ein automatischer Job überträgt die Daten in SAP und hinterlegt dort die neuen Zeiten”, erläutert Steindl. “Gleich danach liegt die neue Laufkarte, auf der die neuen Arbeitsinhalte als Text beschrieben sind, für die Montage bereit.”

Eine gewinnbringende Verbindung

Wie sinnvoll diese Schnittstellen-Verbindung ist, zeigt sich am Beispiel der Wickelmaschinen: Der Arbeiter an einer solchen Maschine muss jeden Spulenkörper aus einer Palette entnehmen, die schräg neben ihm steht. Nach einer Umgestaltung anhand der MTM-Methode steht die Palette nun direkt in Griffhöhe vor dem Arbeitstisch, damit wurde der Arbeitsvorgang deutlich verkürzt. “Ohne die Schnittstelle”, betont Steindl, “hätte diese Änderung zur Folge, dass bei allen Wickelgütern – und das sind mehrere tausend in unserer Produktion – die Vorgabezeiten manuell eingegeben werden müssten.” Durch die Schnittstelle können die MTM-Analyse-Daten sofort auf alle Datenbestände in SAP übertragen werden. “Da macht die Schnittstelle richtig Sinn, weil die vielen neuen Varianten mit einem Klick abgeglichen werden,” weiß Karl Heinz Steindl aus seiner Erfahrung. Die Kosteneinsparungen bei so einem Job sind enorm. “8 Tage”, schätzt Steindl, “hätte die manuelle Datenpflege sicher gedauert”. Der tatsächliche Gewinn der Schnittstelle lässt sich jedoch kaum in Zahlen ausdrücken, schließlich ermöglicht sie Egston die sofortige Berücksichtigung von Prozessverbesserungen und damit ein höheres Maß an Flexibilität und Marktfähigkeit.

Janette Junghanns

Janette Junghanns

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