Jenseits von Gutenberg

Feature | 29. Oktober 2003 von admin 0

Ob sich Gutenberg wohl auf der Graph Expo in Chicago wohl gefühlt hätte? Bestimmt hätte er die großen Druckmaschinen von Heidelberg, MAN Roland, Kodak und Xerox bestaunt. Wahrscheinlich wären ihm auch die Vorteile von CIM (Computer Integrated Manufacturing – computerintegrierte Fertigung) plausibel erschienen. Als Vordenker und Erfinder hätte er sich wahrscheinlich aber auch die Frage gestellt, warum so viele Unternehmen die im Bereich der Druckindustrie inzwischen vorhandene IT-Technologie nicht nutzen. Denn die Vorteile sowohl für das Unternehmen als auch für die Kunden sind offensichtlich.
Im offiziellen Messeführer, der auf besonders sehenswerte Bereiche, Produkte und Technologien der Ausstellung aufmerksam machte, findet sich kein Hinweis auf eine Business-Management-Software. Eine zwar kleine, doch wachsende Gruppe von Lösungsanbietern war allerdings auf der Expo vertreten, darunter Firmen wie DiMS!, EFI, Printcafé Software – und natürlich SAP mit mySAP All-in-One. SAP bietet zusammen mit seinem Partner Syskoplan Consulting Inc. PRINT.IT an, eine spezielle bereichsübergreifende Lösung, die für die Druck- und Verpackungsindustrie entwickelt wurde.

Trends in der Branche

Erfolg in der Druckindustrie beruht nicht nur allein auf Kostenreduktion und Ertragssteigerung. Es geht darum, den Kunden einen zusätzlichen Wert zu bieten. Die vollständige Automatisierung des Druckprozesses geht über den eigentlichen Druckvorgang hinaus und integriert beide Enden der Lieferkette, den Lieferanten wie auch den Kunden. Die Vorteile integrierter Lieferantensysteme umfassen die Lagerbestandsverwaltung, den Just-in-Time-Einkauf und reduzierte Lagerhaltungskosten. Die Integration von Kunden und Lieferanten wird zum neuen Standard. Durch die Integration in beide Richtungen bietet eine Webschnittstelle den Kunden und Lieferanten 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche Zugriff auf Dienste und Anwendungen. Da diese Integration in beide Richtungen erfolgt, lassen sich auch die Websites der Kunden und Lieferanten miteinander verknüpfen, und dadurch lässt sich eine Einbindung in deren Liefersystem verwirklichen.

Automatisierung und Innovation

Richard Butterworth, stellvertretender Geschäftsführer und Leiter der Finanzabteilung von IPC Communications in St. Joseph, Michigan (www.ipcprintservices.com), und David L. Spinelli, Leiter der Finanzabteilung von ANRO Printing/Direct Mail (www.ANRO.com), haben sich mit Patricia E. Nagle, Geschäftsführerin der nordamerikanischen Niederlassung von Syskoplan Consulting Incorporated http://www.syskoplan.de), getroffen, um sich über die Trends im Bereich der Unternehmensverwaltung für die Druckindustrie sowie ihre kürzliche Entscheidung zur Implementierung von PRINT.IT zu unterhalten.
Syskoplan verfügt über 20 Jahre Erfahrung mit SAP als ISV, VAR und Produktentwickler. Das Unternehmen ist seit 1996 in den USA ansässig und bietet Beratungsdienste für SAP-Kunden. Die jüngste Entscheidung des Unternehmens, sich mit einer umfassenden Lösung auf dem Druck- und Verpackungsmarkt zu präsentieren, resultiert aus der langjährigen Erfahrung in dieser Branche. Nagle kommentiert: „Unser Vorteil liegt darin, dass wir die SAP-Softwareplattform genau kennen und über Erfahrung in diesem Industriebereich verfügen. Wir wissen, was die Kunden für ihre Geschäftsabläufe benötigen. Dabei verbinden wir mySAP All-in-One mit unseren Kenntnissen über betriebliche Anforderungen. PRINT.IT ist gegenwärtig die einzige umfassende Lösung, die auf diesen Industriebereich zugeschnitten ist.”

Isolierte Automatisierungen

Noch bis vor kurzem haben sich bei Druckereien die Investitionen auf den Druckprozess konzentriert. David Spinelli von ANRO erläutert: „Unsere Produktion ist auf technisch hohem Niveau. Wir haben neue Produktionstechnologien eingeführt, doch in anderen Bereichen, wie dem Finanz- und Personalwesen, dem Marketing und Customer Relation Management, besteht noch Nachholbedarf. Bei der Produktion mussten wir äußerst flexibel sein, so dass wir in der Vergangenheit diesen Bereich im Fokus hatten. Jetzt müssen wir jedoch in den Kunden-Support investieren.”
Sowohl Spinelli als auch Butterworth geben an, dass sich die Druckindustrie gewandelt habe. So kommentiert Spinelli: „Vor zwei Jahren gab es auf der Graph Expo nicht ein einziges Druckverwaltungssystem. Deshalb wurden die Geschäftsprozesse in den Unternehmen, wenn überhaupt, mit veralteter oder selbst entwickelter Software verwaltet. Es gab ja keine Alternativen. In den letzten beiden Jahren tauchten dann Tools und Lösungen auf, die Druckereien bei der Angebotserstellung und Kostenrechnung unterstützen. Es fehlten jedoch weiterhin vollständig integrierte Lösungen, die eine Verwaltung organisationsübergreifender Geschäftsprozesse bieten.”
Der Mangel an Lösungen und Neuerungen führte zu isolierten Automatisierungen in der Druckindustrie: ein Produktionssystem, ein Auftragsverwaltungssystem, ein Buchhaltungspaket und ein Lohn- und Gehaltsabrechnungssystem. Spinelli merkt an, dass sein Unternehmen diverse Anwendungen entwickelte, um einzelne Kundenanforderungen zu verwalten. Bei den Kunden kam dies sehr gut an. Diese Systeme waren jedoch nicht mit den Back-End-Systemen im Unternehmen verbunden, was bei den Mitarbeitern auf wenig Gegenliebe stieß.
Butterworth berichtet, dass IPC drei Jahre lang vergeblich auf der Suche nach einem integrierten Business-Management-System war. Anders als IPC suchte ANRO nicht nach einem vollständig integrierten System, sondern nur nach einem Ersatz für die vorhandenen Systeme. „Doch was wir bei SAP und Syskoplan sahen, hat uns sofort die Augen geöffnet. Seit zehn Jahren hatten wir ein solches System auf der Wunschliste.”

Sofortiger Nutzen und Investitionen in die Zukunft

Butterworth erwartet sich konkrete Vorteile. „Die Verkürzung des Auftragszyklus’ um nur einen Tag mag für Branchenfremde unbedeutend klingen. Für uns ist es jedoch eine entscheidende Verbesserung.” Er schätzt die integrierten Funktionen zur Berichterstellung, in denen Informationen aus allen Bereichen des Unternehmens zusammengefasst werden. Außer diesen direkten Vorteilen sieht Butterworth noch einen weiteren Pluspunkt. „Unsere Kunden sehen, dass wir in unsere Zukunft investieren und damit auch in ihre Zukunft. Dies gilt nicht nur für die Druckprozesse, wie es von den Kunden selbstverständlich erwartet wird, sondern auch für alle anderen Geschäftsabläufe, wie Angebotserstellung, Auftragsverwaltung und Fakturierung.”
Spinelli erwartet, dass das neue System einen aktiven Beitrag zur Kundenpflege leistet. Wie Butterworth sieht auch er indirekte Vorteile. „Wenn mich ein Kunde nach einem Auftrag fragt, kann ich sofort sagen ,Wurde heute Morgen versendet’ oder ,Wird gerade gedruckt und morgen früh um 9.00 Uhr versendet’.” In Zukunft möchten Butterworth und Spinelli den Kunden Self-Service-Dienste bieten. Spinelli will beispielsweise den Auftragsprozess transparent machen, so dass ein Kunde jederzeit eine Website aufrufen und den Auftragsstatus abfragen kann.

Anforderungen und Dienste aufeinander abstimmen

Nagle merkt an, dass die Kunden von den Druckdienstanbietern erwarten, dass nicht wertschöpfende Prozesse reduziert oder automatisiert werden. Sie wünschen integrierte Online-Preisfindungsschemen und elektronische Ausschreibungen (RFP – Request for Proposal). Auf der Wunschliste stehen ausgereiftere Portale und vor allem eine Integration.
Nagle empfiehlt den Druckereien, mit ihren Kunden zu sprechen, um deren Probleme zu diagnostizieren. Sollen Fehler reduziert, die Umschlagzeit verkürzt, die Qualität gesteigert oder minutengenaue Statusberichte erstellt werden? Wenn einer dieser Punkte ein Problem darstellt, bedeutet dies im Allgemeinen, dass keine entsprechende Lösung bereitsteht. Was würde wohl geschehen, wenn die Druckerei das Problem durch einen neuen Self-Service, ein neues Portal oder einen integrierten Prozess lösen könnte? Wie wäre es, wenn die Kundenzufriedenheit gesteigert und gleichzeitig Lagerbestand und Ausschüsse reduziert werden könnten?
Es ist Zeit, mit dem Träumen aufzuhören und mit der Planung zu beginnen. Druckereien sollten über eine integrierte Lösung nachdenken, die Folgendes bietet:

  • Vertrieb, Prognose und Customer Relationship Management
  • Projektverwaltung und -planung
  • Fertigungs- und Produktionsbereichsdaten
  • Buchhaltung, Kostenrechnung und Berichterstellung
  • Vollständige Integration in die mySAP Business Suite

Weitere Informationen:

www.syskoplan.de
www.sap.com/smb

Brenda Mackay

Brenda Mackay

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