Kabel Deutschland migriert auf SAP ERP

Feature | 16. Januar 2008 von Sanjay Khanna 0

Das neue Hauptbuch mit der Konzernkonsolidierung von SAP Strategic Enterprise Management – Business Consolidation System (SAP SEM-BCS) und das zugehörige Berichtswesen erleichtern Abschlüsse nach unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards.

Mit mehr als neun Millionen angeschlossenen Haushalten in 13 Bundesländern ist die Kabel Deutschland GmbH (KDG) der führende Kabelnetzbetreiber in Deutschland. Das Unternehmen ist für die Vermarktung von Kabelanschlüssen, für die Errichtung und den Betrieb moderner Hausnetze sowie für den kompletten Service rund um den Kabelanschluss verantwortlich. Im März 2003 verkaufte die Deutsche Telekom Kabel Deutschland an ein Investorenkonsortium.

Seitdem verfolgt das Unternehmen eine strategische Neuausrichtung: Kabel Deutschland ist inzwischen nicht nur ein reiner Infrastrukturanbieter, sondern ein Triple-Play-Dienstleister, der seine Kunden mit digitalen TV- und Radioprogrammen, mit Breitband-Internet und Telefonie versorgt – alles über den Kabelanschluss.

Attraktiv für internationale Finanzmärkte

Um das Unternehmen für internationale Finanzmärkte attraktiv zu machen, kamen die Investoren mit der Forderung auf die Geschäftsführung zu, künftig nach drei maßgeblichen Rechnungslegungsstandards zu bilanzieren. Neben dem deutschen HGB-Standard sollte das Unternehmen in der Lage sein, in Zukunft zusätzlich nach US-GAAP sowie den International Financial Reporting Standards (IFRS) abzuschließen.

Hinzu kommen noch zwei weitere Faktoren, die für einen erhöhten Aufwand bei der Bilanzierung sorgen: Kabel Deutschland unterteilt die Abschlüsse zusätzlich nach den Produktgruppen Kabelanschluss, digitale TV- und Radioprogramme, Internet und Telefonie. Darüber hinaus bilanziert das Unternehmen sowohl nach einem verschobenen Geschäftsjahr als auch nach dem Kalenderjahr. Neben einem flexiblen neuen Hauptbuch für den Konzernabschluss war also auch ein Berichtswesen erforderlich, das die verschiedenen internationalen Abschlüsse bedient.

Bislang hatte Kabel Deutschland mit einer heterogenen Systemlandschaft gearbeitet, mit der die neuen Anforderungen nicht zu bewältigen waren. So mussten beispielsweise Informationen zur Segmentierung teilweise nachträglich angereichert werden. Aus diesem Grund entschloss sich Kabel Deutschland von SAP R/3 auf SAP ERP zu migrieren.

Herzstück des Projekts war das neue Hauptbuch in SAP ERP mit der Konzernkonsolidierung SAP Strategic Enterprise Management – Business Consolidation System (SAP SEM-BCS). “Unser Ziel war, die Abschlüsse zu beschleunigen – nützlich sowohl aus Sicht des Markts als auch für unsere eigenen Geschäftsinteressen”, sagt Christiane Palm, bei Kabel Deutschland für die Finanz- und Verwaltungs-IT zuständig.

“Um uns gegen den Wettbewerb abzuheben, galt es, für künftige Projekte fundiertes Wissen rund um SAP ERP 6.0 zu sammeln und aus Prozess-Sicht den Grundstein für Flexibilität zu legen.”

Schritt für Schritt zu mehr Sicherheit

Für Max Schaifers, Geschäftsführer im Bereich System Integration & Technology bei Accenture und für das SAP-Geschäft in Deutschland verantwortlich, ist das die einzig vernünftige Strategie. “Ein Unternehmen leistungsfähiger zu machen, ist ein schrittweiser Prozess. Mit dem Upgrade müssen daher nicht gleich alle neuen Funktionalitäten eingeführt und umgesetzt werden. Vielmehr bietet das Upgrade eine hervorragende Möglichkeit, im ersten Schritt Systemlandschaft, Prozesse und Anwendungen zu harmonisieren.”

Für das Migrationsprojekt bediente sich Kabel Deutschland der Rapid Upgrade Solution von Accenture, die auch das Upgrade Analysis Tool for SAP umfasst. Kabel Deutschland verfügte damit über eine optimale Informationsbasis, um dringende Anforderungen zu priorisieren, den Fahrplan festzulegen, die Behebung bekannter Risiken anzugehen und geplante Erweiterungen der Funktionalität auf ein tragfähiges Fundament zu stellen.

Der Startschuss für die Migration fiel im Sommer 2006. Um Risiken zu entschärfen und für einen möglichst effizienten Upgrade-Prozess zu sorgen, entschloss sich Kabel Deutschland, nicht auf einmal, sondern Schritt für Schritt von SAP R/3 4.6c auf SAP ERP 6.0 zu migrieren. Besonders wichtig war den Verantwortlichen, dass während der Migration die Ausfallzeiten möglichst gering blieben und die Sicherheitsstandards gewahrt wurden.

Folgerichtig führten Kabel Deutschland und Accenture zunächst eine sorgfältige Risikoanalyse durch und entwarfen umfangreiche Testszenarien. Ausfallzeiten wurden skizziert, ihre Auswirkungen auf das Geschäft abgeschätzt und Notfallpläne gemacht. Sowohl an der Analyse als auch an den Tests und naturgemäß an den mit funktionellen Änderungen verbundenen Schulungen waren die Endanwender beteiligt. Die entsprechende technische Umsetzung in SAP NetWeaver führten die Accenture-Spezialisten durch.

Ein rein technisches Upgrade bildete die Grundlage für erweiterte Funktionalität. Dieser Umstieg brachte für die rund 1.000 Anwender kaum Veränderungen gegenüber dem bis dato genutzten SAP R/3 und war daher bereits nach drei Monaten abgeschlossen. Danach arbeiteten die Anwender wie gewohnt in ihrer SAP-Umgebung weiter.

Quantensprung neues Hauptbuch

Den eigentlichen Quantensprung brachte die Umstellung auf die neue Hauptbuch-Funktionalität von SAP ERP. So wurden die parallelen Hauptbücher für die Bilanzierungsstandards HGB, US-GAAP und IFRS aufgebaut. Dabei profitierte Kabel Deutschland von der Schnelligkeit und Flexibilität des neuen Hauptbuchs von SAP ERP: Es stellt kundenindividuelle Bücher als eine Art Baukasten zur Verfügung, die der Anwender nach seinen Bedürfnissen spezifiziert.

Ebenfalls eingerichtet wurde ein Online-Belegsplit sowie die Echtzeitintegration der SAP-ERP-Funktionalitäten für Finanzwesen und Controlling. Schließlich definierte das Team die kundenspezifischen Felder des neuen Hauptbuchs, die beispielsweise die Informationen für die einzelnen Produktsegmente von Kabel Deutschland abbilden.

Parallel zur Konzernkonsolidierung wurde auch das integrierte Berichtswesen mit SAP SEM-BCS/BW vorangetrieben. Das alte Konzernreporting war komplex, da die Daten aus unterschiedlichen Systemen stammten. Aus diesem Grund war der Abstimmungsaufwand hoch und parallele oder segmentierte Berichte nicht möglich.

Insgesamt nahmen Kabel Deutschland und Accenture in sieben Bereichen des “klassischen” SAP R/3 Modifikationen vor: Finanzwesen (FI), Controlling (CO), Materialwirtschaft (MM), Projektmanagement (PM), Vertrieb (SD), Personalwesen (HR) und Unternehmenskonsolidierung (EC-CS) – flankiert von Arbeiten an 15 Schnittstellen und Änderungen an mehr als 900 Berichten.

Bilanzierung mit Transparenz und Zeitersparnis

Bis Weihnachten 2006 wurde das neue Hauptbuch in einer Entwicklungsumgebung aufgebaut, im darauf folgenden Frühjahr getestet und am 1. April 2007 in Betrieb genommen. Kabel Deutschland erstellt derzeit die ersten Bilanzen mit der neuen Lösung – mit merklich verringertem Aufwand.

Mit Informationen zur Rechnungslegungsvorschrift, zu Segmentierung oder Geschäftsjahresvariante werden die Belege über den Online-Split weitgehend automatisiert in die vorgesehenen Bücher übertragen. Kabel Deutschland erhält so eine transparente, jederzeit abgestimmte Sichtweise auf das Rechnungswesen. Die Analyse der Daten hat sich damit erheblich vereinfacht, auch die Buchungsqualität ist verbessert.

“Umfang und Zeitrahmen des Projekts erforderten eine konzentrierte Zusammenarbeit der Teams von Kabel Deutschland und Accenture”, resümiert Christiane Palm. “Es galt nicht nur, die eigentliche technische Implementierung im Blick zu halten, sondern auch die Funktion der SAP-Plattform als Grundlage unseres künftigen geschäftlichen Erfolgs.”

“Es hat sich bezahlt gemacht, schrittweise vorzugehen”, fügt Max Schaifers hinzu. “Zusätzlich zu seinen unmittelbaren Auswirkungen ist das Upgrade auf SAP ERP 6.0 ein entscheidender Schritt hin zu einer Service-orientierten Architektur. Darauf aufbauend können Unternehmen neue Strategien erarbeiten und umsetzen, die sie langfristig flexibler und erfolgreicher machen.” Kabel Deutschland wertet das Upgrade als Erfolg – und wartet nur noch auf den richtigen Zeitpunkt, auch die geplanten Erweiterungen umzusetzen.

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