Soccer team in a huddle

Kein Wandel ohne Scheitern

4. März 2016 von Michael Nuesslein 0

Wie können Deutschland und Europa bei der Digitalisierung eine Führungsrolle übernehmen? Und wie lassen sich Innovationen auf den globalisierten Märkten erfolgreich etablieren? Für Hasso Plattner, den SAP-Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzenden, steht fest, dass vor allem ein gesellschaftliches Umdenken notwendig ist: „Wer nicht scheitern darf, der wird nichts Neues wagen und keine Innovationen vorantreiben“, so Hasso. Auch seien Unternehmer in Deutschland und Europa oft schlecht angesehen. Doch ohne Menschen, die bereit seien, Risiken einzugehen, und die den Willen hätten, Unternehmen zu gründen, funktioniere die Gesellschaft nicht.

SAP und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hatten zum Kongress für Innovative Zukunftspolitik nach Berlin eingeladen. Anlass war die Veröffentlichung einer Studie, die vom ZEW im Auftrag der SAP erarbeitet wurde. Darin werden Herausforderungen und Maßnahmen für Politik und Unternehmen identifiziert, die die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im digitalen Transformationsprozess erhalten und stärken sollen. Neben dem SAP-Mitgründer diskutierten auch Hartmut Jenner, der Vorstandsvorsitzende des Weltmarktführers für Reinigungsgeräte Kärcher, Lufthansa-Finanzvorstand Simone Menne, SAP-Finanzvorstand Luka Mucic sowie der parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jens Spahn, darüber, wie Deutschland und Europa bei der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft in eine Spitzenposition zu bringen sind.

Datenschutz und Weiterbildung

HassoInnovation_Article

„Wer nicht scheitern darf, der wird nichts Neues wagen und keine Innovationen vorantreiben.“ – Hasso Plattner

Deutlichen Handlungsbedarf sahen die Teilnehmer unter anderem beim Datenschutz, der Steuergesetzgebung, in der Start-Up-Finanzierung und in der digitalen Weiterbildung. Vor allem bei Unternehmensgründungen und beim Venture Capital seien andere Länder weit voraus. Neben der projektgebundenen Förderung sieht daher Luka Mucic in der steuerlichen Förderung von Forschung ein geeignetes Instrument zur Stärkung der Innovationskraft von Unternehmen.

Kärcher-Chef Hartmut Jenner hob die Herausforderungen und Strategien in der Digitalisierung für Familienunternehmen hervor. Familienunternehmen verfügten zwar oft über langjährige Erfahrung und Knowhow in der industriellen Produktion, sehen sich jedoch aufgrund globaler digitaler Beschleunigungsprozesse mit neuen Wettbewerbern konfrontiert. Die größten Herausforderungen, so Jenner, bestünden darin, die über Jahrzehnte homogen gewachsenen Strukturen zu überdenken, aufzubrechen und eine digitale Strategie umzusetzen.

Von der Digitalisierung ebenfalls betroffen sind auch Global Player wie die Lufthansa AG. Die Konkurrenz von Billigfliegern und völlig veränderte Kundenwünsche erforderten eine immer schnellere Anpassung an die Märkte. Finanzvorstand Simone Menne sieht gerade in ihrer Branche Hürden für die schnelle Umsetzung neuer Ideen: „Auch wenn Innovationen dringend notwendig sind tut man sich im Vergleich zu anderen Branchen in der Luftfahrtindustrie extrem schwer, einen Start-Up-Charakter in die Organisation zu bringen. Es besteht hier wenig Raum für Experimente“, sagte Menne. Das Unternehmen reagiere auf dieses Dilemma mit der Eröffnung des „Lufthansa Innovation Hub“ in Berlin, wo in Koproduktion von Lufthansa-Mitarbeitern und Start-Ups an einem organisationsexternen Ort neue Ideen entstehen sollen.

Bildungsministerin Prof. Johanna Wanka plädierte dafür, sich auf die Stärken in Deutschland zu besinnen und an diesen zu feilen. Die wesentlichen Handlungsfelder sieht sie deshalb in der Förderung der Digitalisierung der traditionellen Wertschöpfung, der Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle im B2B-Bereich und der Stärkung der Innovationskraft für kleine und mittelständische Unternehmen sowie in der kontinuierlichen Weiterbildung der Fachkräfte. Um zu hohe Ausgaben für moderne Hardware bei immer kürzeren Innovationszyklen zu vermeiden, sollten, so Wanka, Bildungsinhalte verstärkt über Schul-Clouds und MOOCs (Massive Open Online Courses) transportiert werden. Die Verankerung des Fachs Informatik in den Lehrplänen und die Vermittlung der Logik von Programmiersprachen bereits im frühen Kindesalter stünden außerdem ganz oben auf ihrer Agenda, so die Ministerin.

Die Digitalisierung der Wirtschaft ist eine Realität, der sich alle stellen müssen, waren sich die Teilnehmer einig. Und nur mit einer engeren Kooperation von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft seien die Herausforderungen zu meistern, würden sich einzigartige Möglichkeiten zum Wohle aller ergeben.

Tags: , ,

Leave a Reply