Keine Chance für Datenprobleme

Feature | 9. Januar 2006 von admin 0

Portrait Weyerhaeuser

Portrait Weyerhaeuser

“Daten sind wertvoll. Wer ihre Qualität nicht garantiert, muss negative Auswirkungen auf den Unternehmenswert hinnehmen”, ist sich Christopher Guinotte, bei Weyerhaeuser für den Bereich Unternehmensinformationen verantwortlich, sicher. “Daten sollten daher wie ein Wirtschaftsgut behandelt und bewertet werden. Nur dann fühlen sich alle Beteiligten auch für diese Daten verantwortlich.” Weyerhaeuser will seine Datenerfassung und -verwaltung optimieren und führt derzeit vor diesem Hintergrund ein umfassendes Projekt im Bereich Enterprise Data Management durch. Sämtliche Unternehmensdaten sollen mit Hilfe eines verbesserten Datenmanagements künftig aus einer konsolidierten Quelle stammen. Zu diesem Zweck steht bei Weyerhaeuser auch SAP NetWeaver Master Data Management auf dem Prüfstand. Für andere Geschäftsprozesse setzt das Unternehmen bereits auf SAP R/3 und SAP NetWeaver Portal. Anlässlich einer Konferenz im SAP-Umfeld stand Guinotte SAP INFO online in einem Interview Rede und Antwort.

Welche Daten sind für Weyerhaeuser wichtig?

Guinotte: Wir erfassen und verwalten eine Vielzahl geographischer Daten sowie die “üblichen” Daten über Beschäftigte, Finanzen, Lieferanten, Kunden, Materialen und Produkte.

Welche Vorteile erwarten Sie von einer Konsolidierung der Daten?

Guinotte: Wann immer ein Unternehmen aus der Flut seiner Daten Äpfel mit Äpfeln vergleicht, wird es profitieren. Im Umkehrschluss wird es immer dann Probleme geben, wenn das Unternehmen fälschlicher Weise Daten miteinander vergleicht, die identisch erscheinen, es aber nicht sind. Ein simples Beispiel: Unsere Papierfabriken müssen die Nettokosten für Holzlieferungen berechnen. Früher haben einige unserer Papierfabriken die Transportkosten in die Rechnung mit einbezogen, andere nicht. Beim Vergleich der Nettokosten gab es also für die Lieferung an dasselbe Distributionszentrum je nach Fabrik abweichende Werte. Stammen die Daten aus einer einzigen Quelle, verwenden die Anwender dieselben Kostenparameter. Somit lässt sich der Nettogewinn objektiv ermitteln und der Konzern ist in der Lage, die Betriebsergebnisse der Fabriken zu vergleichen.

Darüber hinaus führen zentral erfasste und verwaltete Daten zu Kostensenkungen und zu einer verbesserten betrieblichen Praxis. Beispielsweise fällt die Berichterstattung an die Führungskräfte einheitlicher aus. Diese verbesserte Kommunikation erleichtert die Entscheidungsfindung, auf Veränderungen kann schneller reagiert werden, die Wettbewerbsfähigkeit steigt. Außerdem profitiert der Kundendienst von einer erhöhten Reaktionsfähigkeit und der Möglichkeit, Probleme rascher zu lösen.

Welche Gefahren birgt hingegen ein schlechtes Datenmanagement?

Guinotte: Ein Beispiel: Die USA und Kanada bezeichnen bestimmte Gütestufen der gleichen Holzart recht unterschiedlich. Wir mussten etwa unsere Bezeichnung für “zwei Mal vier Zedernholz” mit der Bestimmung des US-Handelsministeriums in Einklang bringen. Hätten wir das nicht getan, wären hohe Bußgelder fällig geworden.

Weyerhaeuser evaluiert derzeit SAP NetWeaver Master Data Management. Für welche Merkmale interessieren Sie sich besonders?

Guinotte: Wir suchen ein Produkt, das es uns erlaubt Daten flexibel zu modellieren. Auch muss es uns die Möglichkeit bieten, finanzrechtliche Bestimmungen problemlos zu erfüllen und zu kontrollieren. Unsere Entwickler müssen es leicht mit dem Produkt haben. Wir würden es beispielsweise als großen Nachteil ansehen, wenn die Entwickler beträchtliche Zeit dafür benötigten, eine simple Schnittstelle einzurichten.

Was waren bislang die größten Hürden der “Data Management Roadmap”?

Guinotte: Am schwierigsten war es, die einzelnen Fabriken davon zu überzeugen, dass Daten in Zukunft auf Unternehmensebene zentral verwaltet werden und nicht mehr auf Betriebsebene. Kontrovers wurde auch die Frage diskutiert, wer künftig Datenänderungen genehmigt – der Leiter eines Geschäftsbereichs oder jemand anderes. Schwierigkeiten bereiten Daten, die spezifisch für einen Geschäftsbereich sind, beispielsweise Lieferinformationen. Oder: Wenn die Geschäftsbereiche Holz und Papier denselben Kunden haben, wer bestimmt dann darüber, wie die Lieferinformationen innerhalb der Datenverwaltungssysteme klassifiziert werden? Andere Entscheidungen hingegen waren unproblematisch: Die Kreditwürdigkeit der Kunden beispielsweise beurteilt zentral unsere Finanzabteilung. Eine weitere Herausforderung war das hohe Maß an Flexibilität, das für ein solches Projekt notwendig ist. So hatten wir beispielsweise mit einzelnen Betrieben Vereinbarungen über die Klassifikation von Daten getroffen, die jedoch von den Betrieben später wieder abgeändert wurden.

Was ist Ihrer Ansicht nach wichtig für Projekte im Bereich “Unternehmensdaten”?

Guinotte: Der CEO des Unternehmens sollte hinter dem Projekt stehen. Die meisten meiner Kollegen vertreten die Meinung, Projekte zum Stammdatenmanagement sollten vom Finanzvorstand getrieben werden. Meiner Ansicht nach sollte es jedoch noch höher angesiedelt sein.

Wie war das bei Weyerhaeuser?

Guinotte: Bei Weyerhaeuser hatten wir Rückendeckung von allen Führungskräften. Ich kann noch weiter gehen: Letztendlich sollte die Unterstützung von sämtlichen Betrieben und Bereichen des gesamten Unternehmens kommen. Darin liegt der eigentliche Schlüssel zum Erfolg.

Stehen bei Ihnen weitere SAP-Projekte an?

Guinotte: Im Moment führen wir gerade mySAP Supply Chain Management ein.

Sarah Z. Sleeper

Sarah Z. Sleeper

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