Soccer team in a huddle

Könnten digitale Lieferantennetzwerke einen Cyber-Krieg entfachen?

Feature | 11. August 2016 von Kai Goerlich 47

Da die vernetzte Gesellschaft bereits Realität ist, ist damit zu rechnen, dass es strategische Wirtschaftskämpfe geben wird bei denen Lieferketten, Konkurrenten oder strategische Märkte angegriffen werden.

Cyberwar, die dunkle Seite der vernetzten Gesellschaft, ist bereits Wirklichkeit und es gibt eine neue Kriegsfront. Die USA zum Beispiel nutzt diese neue Technik im Kampf gegen Feinde wie den Islamischen Staat. Natürlich ist dies nur einer von vielen Angriffen dieser Art. Nach Einschätzung des Weltwirtschaftsforums bedienen sich auch China, Russland, Israel, USA, Iran und Nordkorea dieser Praktiken.

Jeder Militärstratege weiß: Der einfachste Weg, eine Nation zu destabilisieren, ist ihre Wirtschaft zu zerstören. Finanzmärkte funktionieren nur dann, wenn die Menschen Vertrauen haben können. Finanzkrisen werden durch Unsicherheit ausgelöst. Und diese Unsicherheit kann absichtlich erzeugt werden – durch Währungsmanipulation, Preisveränderungen bei Rohstoffen wie Öl, Gas, Mineralien und Lebensmitteln oder durch Destabilisierung des Welthandels. Aber diese Herangehensweise könnte auch nach hinten losgehen. Nach Angaben des Weltwirtschaftsforums ist dies bereits in der Ukraine und in Georgien geschehen.

Wenn Cyber-Krieg, Cyber-Kriminalität und eine zunehmend vernetzte Gesellschaft bereits Realität sind, ist damit zu rechnen, dass es strategische Wirtschaftskämpfe geben wird bei denen Lieferketten, Konkurrenten oder strategische Märkte angegriffen werden.

Die digitalisierte Lieferkette

Um die gesamte Lieferkette eines Landes oder einer Region zu zerstören, sind zwei Dinge notwendig:

  • eine vollständig digitalisierte Versorgungskette
  • Lücken im Netzwerk, die anfällig für Cyber-Attacken sind

Der Angriff selbst muss großangelegt sein, mit vielen perfekt koordinierten, gleichzeitigen Hacks. Allerdings ist zu beachten, dass ein solcher Ansatz zu offensichtlich sein könnte, selbst wenn der Angriff mit äußerster Sorgfalt getarnt wird.

Während die Digitalisierung, Netzwerke und zunehmende wirtschaftliche Komplexität Cyber-Angriffe immer wahrscheinlicher machen, könnte die Komplexität des Ganzen paradoxerweise eine der besten Verteidigungsmaßnahmen sein. Ricardo Hausmann und César A. Hidalgo schreiben in ihrem Bruch Atlas der wirtschaftlichen Komplexität, dass Komplexität zukünftiges wirtschaftliches Wachstum vorantreibt. Und ehrgeizige Länder werden diese Komplexität unweigerlich erhöhen, da sie zunehmend vom Welthandel abhängig sind.

Da heute die meisten Produkte weltweit produziert werden, kann eine Lieferkette Auswirkungen auf mehrere Länder haben. In den letzten zehn Jahren haben die globalen Güter-, Kapital- und Datenflüsse die weltweite Wirtschaftsleistung um zehn Prozent erhöht. Dies entsprach 2014 einem Wert von 7,8 Billionen Dollar. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie von McKinsey & Company zur globalen Vernetzung der Wirtschaft.

Manche Länder sind stärker vernetzt als andere, darunter China, die USA, Großbritannien und Russland. Die meisten aller bekannten Cyber-Krieg-Länder sind hochgradig vernetzt, was nicht verwunderlich ist. Für einen gezielten Angriff auf eine komplette Lieferkette sind jedoch umfangreiche Ressourcen erforderlich, und nur wenige Ländern oder Organisationen können sich eine so umfangreiche Investition leisten.

Natürlich hängt der Erfolg auch davon ab, wie groß das Risiko unkontrollierbarer wirtschaftlicher Variablen ist – im stets dichter werdenden digitalen Spinnennetz. In Friedenszeiten ist ein großangelegter Angriff vielleicht nicht machbar, könnte aber als Waffe dienen, um die Volkswirtschaften kleinerer Länder zu destabilisieren.


Für eine stetige Verbesserung der Inhalte auf unserer Webseite sap.com/security führen wir eine Umfrage durch (ca. 5 min). Über Ihre Unterstützung freuen wir uns!


Die Vorteile kollektiven Verhaltens

Cyber-Kriminalität hat nahezu epidemische Ausmaße erreicht. IBM-CEO Virginia „Ginni“ Rometty sagte letztes Jahr vorher, dass Cyber-Kriminalität weltweit zur größten Bedrohung für Unternehmen werden wird. Während der tatsächliche Verlust schwer abzuschätzen ist, gehen die britische Großbank Lloyds und The Wall Street Journal davon aus, dass die jährlichen Kosten zwischen 100 und 400 Milliarden US-Dollar liegen.

Aber diese Vernetzung kann die Unternehmen auch vor diesen Bedrohungen schützen. Ein als Kollektiv operierender Schwarm schützt das gesamte Netzwerk vor Feinden und macht es ihnen schwer, ein einzelnes Opfer herauszugreifen. In größeren Lieferantennetzwerken könnte durch gemeinsame Anstrengungen ein höheres Maß an Sicherheit erreicht werden.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, welche Auswirkungen die Digitalisierung der Logistikkette hat, lesen Sie den Beitrag Live Business: Creating Digital Supply Networks.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Digitalist Magazine.

Weitere Informationen:

PwC-Studie: Stärkster Anstieg an Cyberattacken seit 10 Jahren

Prognosen 2016, Teil 1: Fachkräftemangel, Cybersicherheit und Cognitive Computing

Cyberspionage: Die Angriffsszenarien

Mehr zum Thema Sicherheit

Tags: , , ,

Leave a Reply