Konzerne operativ auf Kurs bringen

Feature | 19. Oktober 2004 von admin 0

International tätige Konzerne betrachten die Konsequenzen ihrer strategischen und operativen Entscheidungen immer mehr im Hinblick auf den gesamten Weltwirtschaftsraum. Statt in Landesgesellschaften zu denken, wird der Konzern wie ein einheitliches “virtuelles” Unternehmen behandelt, das aus der Gesamtheit aller zugehörigen Einzelfirmen besteht. Eine effektive Konzern-Deckungsbeitragsrechnung stellt den Verantwortlichen die relevanten Zahlen zur operativen Konzern-Erlös- und Gewinnsteuerung zeitnah bereit.

Mit dem SAP Business Information Warehouse (SAP BW), einem Bestandteil der offenen Integrationsplattform SAP NetWeaver, und SAP Strategic Enterprise Management Business Planning and Simulation (SAP SEM-BPS), einem Bestandteil von mySAP ERP Financials, lassen sich die betriebswirtschaftlichen Anforderungen einer Konzern-Deckungsbeitragsrechnung flexibel und leistungsstark umsetzen. Im Vergleich zur Ergebnisrechnung im Controlling des SAP R/3 (SAP R/3 CO-PA) bietet das Zusammenwirken von SAP BW und SAP SEM-BPS einige Vorteile.

Datenhaltung in InfoCubes

Datenwürfel in SAP BW

Datenwürfel in SAP BW

Mit dem SAP Business Information Warehouse (SAP BW) lassen sich Daten aus SAP-Lösungen oder Nicht-SAP-Systemen in gleicher Weise zentral zusammenführen. Datenstrukturen, Datenbeschaffung und Datenhaltung werden in SAP BW flexibel an den jeweils vorliegenden Kundenanforderungen ausgerichtet und umgesetzt. Es lassen sich etwa Auswertungsmerkmale und Kennzahlen definieren. Diese werden Datenwürfeln (InfoCubes) zugeordnet, und in diesen die jeweils relevanten Daten gespeichert. Auf diese Weise sind Stammdaten nicht doppelt vorhanden.

Mit Hilfe des SAP BW lassen sich auch Prozesse definieren. Um Konzerndaten zusammen zu führen, sind beispielsweise zwei Stufen möglich. Zunächst werden die Daten aus dem Quellsystem in eine Eingangsschicht, einem Datenwürfel, in detaillierter Struktur je Artikel, Artikelgruppe, Kunde, Kundengruppe, Vertriebsweg, Land, Region und Gesellschaft übernommen. Nach dem Übertrag aus der Eingangsschicht in eine zweite Schicht, einem weiteren Datenwürfel, werden die Daten konzerngerecht für die jeweilige betriebswirtschaftliche Anwendung aufgearbeitet und verdichtet. Auf diese Weise entsteht eine Datenbasis, die wenn nötig mehreren Rechenzwecken (für verschiedene Anwendungen) dient. Daten aus SAP-fremden Systemen lassen sich ebenso einbinden.

Architekturmodell im SAP BW

Architekturmodell im SAP BW

Absatzmengen, Erlöse und Kosten liegen bei Konzernen in der Regel zunächst in verschiedenen Vorsystemen vor. Die Ergebnisrechnung von SAP R/3, SAP R/3 CO-PA, war im Gegensatz zum SAP BW in erster Linie als Deckungsbeitragsrechnung auf der Basis der Vertriebskomponente (SD) von SAP R/3 ausgerichtet. Datenstrukturen und Datenhaltung sind in SAP R/3 weitestgehend vorgegeben. Daten aus SAP-fremden Vorsystemen lassen sich zwar in SAP R/3 CO-PA einbinden, doch die Last der einzuspielenden Daten ist in SAP R/3 erheblich und nimmt beim Monatsabschluss häufig eine ganze Nacht lang die SAP-R/3-Systemressourcen in Anspruch. In SAP BW wird eine ähnliche Datenmenge in weniger als einer Stunde geladen.
Die Ausführungszeiten für Berichte sind in SAP BW wesentlich geringer als in SAP R/3, und die SAP-BW-Berichtsdaten werden direkt in Excel dargestellt. Ein Download der Berichtsdaten wie in SAP R/3 ist daher nicht erforderlich. Die Anwender definieren die Berichte, indem sie mit der “Drag and Drop”-Funktionalität den Zeilen und Spalten der Excel-Tabelle Auswertungsmerkmale und Kennzahlen zuordnen.

Datenaufbereitung mit SAP SEM-BPS

In der Praxis müssen immer wieder einmal Daten – etwa spezifische Konzernpositionen – ergänzend manuell erfasst werden (Top entries). Dabei hilft SAP SEM-BPS. Mit der Anwendung lassen sich Daten in SAP BW erfassen oder vorhandene Daten in SAP BW bearbeiten. In SAP R/3 konnten manuelle Positionen mit einer fest definierten Transaktion erfasst werden. Diese Transaktion war problematisch, da stets alle Auswertungsbegriffe und Kennzahlen zur Erfassung angezeigt wurden und häufig Erfassungsfehler auftraten. SAP SEM-BPS erlaubt es, kundenspezifische Erfassungsmasken zu definieren, in denen nur der zur Bearbeitung erforderlich Ausschnitt der Auswertungsbegriffe und Kennzahlen angezeigt wird. Diese Erfassungsmasken lassen sich zudem via Intranet oder Internet zur dezentralen Erfassung bereitstellen. Darüber hinaus bietet SAP SEM-BPS die Möglichkeit, Validierungen und Plausibilitätsprüfungen zu definieren, um Erfassungsfehler zu verhindern.
In der Praxis der Deckungsbeitragsrechnung müssen Konzernpositionen beispielsweise auf die Merkmale Region und Produktgruppe verrechnet werden. Auch andere Gemeinkosten sind auf die Auswertungsebenen zu verrechnen. SAP SEM-BPS stellt Funktionen zur Durchführung von Umlagen und Verrechnungen bereit. Die Verteilungsfunktionen lassen sich auch für einige in der Praxis auftretende Sonderfälle verwenden. Gutschriften beispielsweise werden nicht immer der Artikelnummer und Produktgruppe zugeordnet und sind daher mit der “Dummy-Artikelnummer” versehen. Es ist nun möglich, diese Gutschriften proportional zum Umsatz auf die Produktgruppen zu verteilen, um sich ein vollständiges Bild auf Produktgruppenebene zu verschaffen.

Planungsprozesse auf einer integrierten Plattform

Im Rahmen des Planungsprozesses müssen in der Regel in den Einzelunternehmen des Konzerns die Plandaten erfasst werden. In SAP SEM-BPS stehen dazu Plandatenerfassungsmasken zur Verfügung, die sich kundenspezifisch definieren lassen. Die Plandaten werden “bottom up” auf die Konzern-Ebene aggregiert und in der Konzernzentrale mit der strategischen Planung abgestimmt. Weltweit Produktverantwortliche stimmen sich mit den Verantwortlichen für die Regionen ab. Geänderte Planwerte werden “top down” an die Einzelunternehmen zur Anpassung verteilt. SAP SEM-BPS stellt darüber hinaus die erforderlichen Planungsfunktionen bereit, um die Jahresplanwerte auf die Monatswerte zu verteilen (Saisonierung).
Während in SAP R/3 jede Anwendung wie die Kostenstellenrechnung, die Ergebnisrechnung, das Projektmanagement und andere eigene Planungsstrukturen und -Funktionen hatten, stehen in SAP SEM-BPS für alle Planungsbereiche die gleichen Methoden und Funktionalitäten zur Verfügung. Ferner kann ein Planungsbereich auch auf die Daten eines anderen Planungsbereichs zugreifen. Auf diese Weise lassen sich zur Planung der Gewinne und Verluste beispielsweise Daten der Erlösplanung, die Bestandteil der Deckungsbeitragsplanung sind, verwenden, oder die GuV-Planung um eine Bilanzplanung ergänzen. Aus der Planung der Forderungen lässt sich eine Liquiditäts- und Cash Flow-Planung ableiten. SAP SEM-BPS bietet eine integrierte Plattform für alle finanzwirtschaftlichen Planungen, die in der Praxis auf verschiedene Planungssysteme und Excel-basierte Planungsheets verteilt sind.
Neben den systemtechnischen Gegebenheiten macht es eine konsolidierte und konsistente Konzern-Deckungsbeitragsrechnung notwendig, dass alle Konzernunternehmen gewisse Standards verwenden und einhalten. Beispielsweise müssen die Zeilen des Deckungsbeitragsschemas die gleiche inhaltliche Ausprägung haben – so muss etwa über alle Einzelunternehmen festgelegt sein, ob die Transportkosten zu den Erlösschmälerungen oder zu den Gemeinkosten zählen.

Internationale Unternehmen richten ihre Organisation zunehmend durch die Definition weltweiter Produkt- und regionaler Vertriebsverantwortlichkeiten international aus. Mit einer Konzern-Deckungsbeitragsrechnung lassen sich die Konsequenzen der Erlös- und Gewinnstrukturen von Konzern-Entscheidungen transparent darstellen. Zusätzlich zu einer eindimensionalen Profit-Center- oder Spartenergebnisrechnung besteht die Möglichkeit, die Konzern-Deckungsbeitragsrechnung auch für Produkte, Produktgruppen, Kunden, Kundengruppen, Vertriebswege, Länder und Regionen durchzuführen.

Dipl.-Kfm Nicolas Pradel

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