IT als Hoffnungsträger?

Feature | 16. April 2009 von Chetan Jain 0

Die IT-Industrie und die Wirtschaftskrise Bisher galt die IT-Industrie als Fels in der Brandung auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die momentane Krise jedoch scheint die bisher erfolgsverwöhnte Branche mit voller Wucht zu treffen. Ist dies das Ende der goldenen Zeiten? Experten sagen “nein”!

Der britische Premierminister Gordon Brown sieht die derzeitige Finanzkrise vor allem auch als Vertrauenskrise. Sein Vergleich auf dem jüngsten Weltwirtschaftsforum kommt nicht von ungefähr. Immerhin stammt das Wort „Kredit“ ursprünglich von „credo“, dem lateinischen Wort für „Vertrauen“.

Es wird noch etwas zu dauern, bis die Entscheidungsträger weltweit wieder genügend Vertrauen in die Wirtschaftsmärkte haben.

Lange Zeit waren Leistungsfähigkeit und Wachstum die wichtigsten Verkaufsargumente der IT-Industrie. Doch die Wirtschaftskrise hat die Anforderungen ihrer Kunden verändert. Zwar steht bei ihnen noch immer Wachstum hoch oben auf der Wunschliste.

Oberste Priorität hat für viele Unternehmen aber mittlerweile, die Einnahmen stabil zu halten. Die neuen Schlagworte heißen deshalb Optimierung und Effizienz. IT-Dienstleister sind aufgefordert, den Unternehmen dabei zu helfen, ihre Kosten zu verwalten und verstecktes Geschäftspotential aufzuspüren.

Bestehende IT-Investitionen prüfen

Unternehmen realisieren langsam, aber sicher ihre Notlage. Sie stellen ihre bestehenden IT-Landschaften auf den Prüfstand, um laufende Ausgaben optimal auszuschöpfen. Statt in teure Neuentwicklungen zu investieren, lassen sich durch betriebsinternen Maßnahmen wie

  • einer optimierten Hardware-Nutzung
  • der Aktivierung ungenutzter Software
  • den Einsatz standardisierter Lösungen

beachtliche Vorteile erzielen. Da die Ressourcen knapp werden, sollten auch bisher wenig ausgelastete Lösungen genau unter die Lupe genommen werden. Ziel ist es, nützliche Hardware und Kapazitäten zu rationalisieren und freizusetzen.

Gefragt: Einfache Lösungen, schneller Nutzen

Unternehmen, die nach zusätzlichem IT-Support suchen, bevorzugen einfach zu implementierende Lösungen mit schneller Wertschöpfung.

Zum Beispiel arbeitet die Logistikbranche mit Lösungen für Supply Chain Management (Versorgungskettenverwaltung) effizienter. Shared Service Centers, die administrative Prozesse bündeln, bieten schnelle und sichtbare Kosteneinsparungen.

Business-Intelligence-Lösungen gewähren einen transparenten Blick auf den Geldeingang während Software zur Preisoptimierung Abweichungen aufdeckt und die möglichen Gewinne einer Neuausrichtung genau aufzeigt.

Kleine Projekte, konzentriert und risikoarm

Die Zeit der IT-„Megaprojekte“ ist seit der Dotcom-Blase vorbei. Das setzt sich auch in der aktuellen Krise weiter fort. Unternehmen entscheiden sich wieder verstärkt für kleinere, konzentrierte Projekte. Größere IT-Implementierungen werden durch kürzere Projektzeiträume und stufenweiser Zielsetzungen risikoärmer gestaltet.

Festpreisprojekte sind im Kommen, denn CIOs suchen nach berechenbaren Budgets und einer engen Abstimmung von Kosten und Ergebnissen. In der internen Ausrichtung von IT-Projekten wird dies immer wichtiger. Denn jeder ausgegebene Dollar wird auf Nutzen und Rendite geprüft.

Virtualisierung schafft Ressourcen

Technologien, die interne IT-Abteilungen entlasten, werden immer mehr an Bedeutung gewinnen. Unternehmen, die Outsourcing früher noch recht zögerlich gegenüberstanden, wechseln heute bereitwilliger zu diesem Modell.

Der Trend wird zukünftig dahin gehen, dass Firmen mehr Bereiche, die nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören, an Drittanbieter auslagern oder ihre administrativen Aufgaben in Shared Service Centers konsolidieren.

Geringere Unternehmensausgaben für Hardware verspricht die Virtualisierungstechnologie. Indem einzelne Serverressourcen über mehrere Umgebungen zusammengefasst, verwaltet und aufgeteilt werden, reduzieren sich Anzahl und Modelle der benötigten, physischen Server im Unternehmen.

Durch Cloud Computing verschwinden unternehmensinterne Server sogar gänzlich von der Oberfläche. Firmen mieten Platz auf virtuellen Servern an und greifen via Internet auf ihre in Datencentern betriebenen IT-Anwendungen zu. Die Kunden bezahlen nur für den tatsächlichen Verbrauch. Unternehmen können dadurch beträchtliche Kosten bei Personal und Betriebsanlagen wie Beleuchtung, Beheizung und Belüftung sparen.

Green IT, viele Vorteile inklusive

Diese Technologien unterstützen Unternehmen auch dabei, umweltbewusster zu sein. Die so genannte „Green IT“, in diesen Tagen weit mehr als nur ein Trend, ist sowohl auf geschäftlicher als auch ökologischer Ebene vorteilhaft.

Der effiziente Einsatz von Ressourcen reduziert den Kohlenstoffverbrauch eines Unternehmens und verbessert sein Firmenimage. Innovative Technologien zur Ressourcenverwaltung, wie zum Beispiel bei Transportsystemen, Produktionsstätten oder internen Einrichtungen, stellt ein großes Potential bei der Einsparung von CO2-Ausstoß und Betriebskosten dar.

Beliebt: SOA und SaaS

Effizienz, Flexibilität und Kontrolle – das sind drei gute Gründe für den Einsatz einer serviceorientierten Architektur (SOA). SOA verbindet heterogene Systeme und vereinfacht die Softwarelandschaft. Das fördert die schnelle Entwicklung und den Einsatz neuer Geschäftsprozesse.

Unternehmen können rasch auf wirtschaftliche Veränderungen und Herausforderungen reagieren und ihre Software an die aktuelle Geschäftslage anpassen.

Software as a Service (SaaS, Software als Dienstleistung) schreibt eine ähnliche Geschichte: Die Verkäufe wachsen rasant, der Aufwärtstrend hält an. Der größte Reiz bei diesem Modell sind die möglichen Einsparungen bei Hardware, Software und Betriebsanlagen.

Mit der Alternative, Software nach Bedarf zu nutzen und zu bezahlen (pay-as-you-go, Umlageverfahren), sind Unternehmen flexibel genug, ihre Investitionen an die aktuelle Geschäftslage anzupassen. Das gilt in Zeiten des Wachstums ebenso wie bei einem Geschäftsrückgang.

Der Kunde ist König

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist Kundenbindung für Unternehmen umso wichtiger. IT-Lösungen für Kundenservice und –beziehungen unterstützen dabei, einen starken Kundenstamm zu erhalten. So gewähren Werkzeuge für Verkaufsmanagement eine 360-Grad-Sicht auf den Kunden. Servicemitarbeiter können dadurch

  • fundierter Kundendialoge führen;
  • Möglichkeiten für Zusatzverkäufe und Cross Selling identifizieren;
  • ihre Ausgaben für maximalen Ertrag bestmöglich verwalten.

Außerdem verschaffen solche Lösungen den Mitarbeitern die Zeit, sich intensiv um das Wichtigste zu kümmern: die Kunden.

Vertrauen!

Das bringt uns zum Ausgangspunkt zurück – zur Frage nach „credo“ oder Kundenvertrauen. Gute Kundenbeziehungen sind auf Vertrauen aufgebaut und können sogar in den schwierigsten Geschäftsumfeldern nachhaltig sein. Wenn alle Stricke reißen, dann sind es bewährte Lösungen und seriöse Partner, die wirklich zählen.

Wenn die Krise überstanden ist, wird sich auch die IT-Branche gewandelt haben. Ebenso wie die restliche Geschäftswelt werden IT-Lieferanten ihre Kernangebote überprüfen und sich auf messbare und nutzbringende Lösungen konzentrieren. Es war nie von größerer Bedeutung, den Unterschied zwischen Technologieinvestitionen und –ausgaben zu verstehen.

Klar ist, dass die richtige Lösung zur richtigen Zeit Unternehmen dabei helfen kann, die Flaute zu überstehen – und dabei sogar erfolgreich zu sein.

Chetan Jain

ist Projektmanager bei SAP Consulting. Er hat mehr als 13 Jahre internationale Beratungs- und Branchenerfahrung auf verschiedenen Managementebenen. Seine Fachkenntnis reicht von Business Transformation über Verkaufs- und Marketingoptimierung bis hin zu groß angelegten Projekten zur Systemlieferung.

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