Die Krise nutzen

Feature | 16. März 2009 von Bernhard Krebs, SAP.info 0

Von links nach rechts: Oliver Tuszik, Volker Schmid, Willi Kaczorowski Foto: Bernhard Krebs

Teilnehmer der Podiumsdiskussion:

Volker Schmid (HP Deutschland), Michael Hammerstein (Geschäftsführer EMC Deutschland), Willi Kaczorowski (Leiter der Internet Business Solutions für den Öffentlichen Sektor von Cisco Deutschland), Robert Helgerth (Leiter Partner und Mittelstand Microsoft Deutschland), Oliver Tuszik (Leiter und Vorstandsvorsitzender von Computacenter) und von der Fachzeitschrift Computerwoche Herausgeber Christoph Witte als Moderator der Diskussion.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung Hewlett-Packard Deutschland lag damit bei der von Fink & Fuchs Public Relations AG organisierten Veranstaltung auf einer Linie mit anderen Top-Managern aus der IT, die im Kern allesamt empfahlen: In der Krise müssen Prozesse neu geordnet und in Zukunftstechnologien investiert werden.

Für Unternehmen gelte es nämlich jetzt, die Gegenwart zu meistern, indem sie ihre Produktivität steigern, sowie sich darauf vorzubereiten, was nach der Flaute kommt.

In Nuancen zuweilen unterschiedlicher Ansicht, war sich die Diskussionsrunde in vielen Aussagen bzw. Annahmen weitestgehend einig:

  • Während viele andere Branchen von einer tief greifenden Rezession ausgehen, spricht man in der IT gegenwärtig „nur“ von einem Rückgang des Wachstums. Aber: Jegliche Vorhersage vermisse ein hinreichend fundierte Basis. „Keiner weiß heute, was bis zum Ende des Jahres passieren wird“, so Michael Hammerstein. Und Oliver Tuszik fügt hinzu: „Auf Analysten wird im Moment häufig verzichtet, denn sie kosten viel, bringen aber aktuell wenig.“
  • Das Wachstum von IT-Unternehmen wird in absehbarer Zukunft vorrangig über Wettbewerbsverdrängung erfolgen. Für viele Unternehmen sei nach Meinung Schmids deshalb aktuell „der Druck bestimmend, auf Benchmark-Level zu kommen“.
  • Verschiedene Typen von Anwendern gibt es aktuell auf dem Markt – solche, die
  1. ihre IT-Budgets drastisch kürzen bzw. einfrieren;
  2. ihre Gesamt-Investitionen in die IT zwar stabil halten, allerdings intern die Gelder umverteilen auf Projekte, die die Produktivität sichern;
  3. verstärkt auf IT setzen um ihre Effizienz zu steigern und Kosten zu senken. Diese Anwender hätten erkannt, dass eine gut aufgestellte IT Wert steigernd sei. Robert Helgerth ist sich sicher: Viele Unternehmen werden die Krise nutzen, die eigenen Prozesse neu zu ordnen und in Zukunftstechnologien zu investieren, um sich so einen Vorteil im Wettbewerb zu verschaffen.
  • Fokus IT in Deutschland 1: Das Konjunkturpaket II der Bundesregierung ist generell eine begrüßenswerte Initiative, allerdings ist auch ein klares Zeichen nötig, dass man in IT investieren will. Laut Willi Kaczorowski fehlt noch das IT-Gesamtkonzept eines digitalen Deutschlands, das die Anforderungen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft bündle. Allerdings werde man damit wohl nicht vor der nächsten Legislaturperiode rechnen können.
  • Fokus IT in Deutschland 2: Vielfach hat die IT noch ein Image-Problem. Nicht zuletzt die Erinnerung an die geplatzte Dot-Com-Blase, die Diskussionen um die Datensicherheit sowie schlecht skalierte, immer komplexere und damit unübersichtlichere Systeme schaffen bei den Anwendern wenig Vertrauen. Tusziks Empfehlung: „Gerade, wenn IT immer komplexer wird, ist es wichtig, mit den Kunden zu reden.“
  • Schließlich: Die „Hire-and-fire“-Mentalität, die bis vor kurzem noch als Usus in der Branche galt, sei überholt. In der Rezession gute Leute zu entlassen, um sie dann nach der Flaute händeringend zu suchen, mache schlicht keinen Sinn.

IT-Investionen der Branchen

In einem analytischen Parforceritt durch die Branchen loteten die Diskussionsteilnehmer das IT-Potenzial der nächsten Monate aus:

  • Der Finanzindustrie geht es schlecht, allerdings scheint hier die IT vielfach den Ansatz um Kosten und Prozesse in den Griff zu bekommen.
  • Der angeschlagene Automobilsektor wird sich weiter zurück halten.
  • Der öffentliche Dienst hält auch wegen dem Konjunkturpaket noch interessante Projekte bereit. Gerade im Bildungswesen besteht enormer Nachholbedarf.
  • Der Handel ist eine der Branchen, die verstärkt in IT investiert.

IT-Themen des Jahres 2009

Konjunkturpaket II:

Programm der Bundesregierung, das die unter anderem durch die internationale Finanzkrise ausgelöste Rezession im Jahre 2009 abmildern soll und bis Ende 2010 rund 10 Milliarden Euro für Investitionen der Kommunen und Länder und 4 Milliarden für Bundesinvestitionen vorsieht.

„Der Trend geht eindeutig zur Standardisierung von IT-Landschaften“, so Schmid. Viele Unternehmer hätten begriffen, dass sich Kostenminderung und Effizienzsteigerung nur mit der Harmonisierung und Konsolidierung ihrer IT-Landschaft langfristig erreichen lasse. Die IT-Manager sehen sich zukünftig noch stärker in der Rolle des Beraters und Partners ihrer Kunden. „Unsere Aufgabe ist es den Unternehmen aufzuzeigen, welche Werte die IT schöpfen kann. Die Unternehmer, die das am besten hinbekommen, werden am Ende die Nase vorn haben“ ist sich Tuszik sicher.

Weitere Themen, die in den nächsten Monaten die IT bestimmen werden:

  • Virtualisierung hilft dabei, ihre vorhandenen Ressourcen effizienter einzusetzen. Die Unternehmen sparen zudem Energie und Kosten.
  • Security: Die Frage, wie Unternehmen mit ihren Daten umgehen wird eine wichtige Rolle spielen – für Anbieter und Anwender.
  • Web 2.0 und Collaboration: Das ortsunabhängige Zusammenarbeiten mit Teilnehmern aus der ganzen Welt spart Zeit und Geld.
  • Management-Services: „Von Unified Communications bis Telepräsenz, die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft“, meinte Helgerth.
  • Reform der Angebotsstrukturen – preislich passend, effizient und flexibel angepasst auf die Bedürfnisse der Kunden. Dazu Witte: „Warum sollen Anwender 2009 Geld für IT ausgeben? Dazu sind zuallererst tolle Produkte nötig.“

Die Herausforderungen für 2009 sind klar. Nun heißt es anpacken und zwar ein Stück weit gemeinsam. Und die Branche, war sich das Plenum einig, habe gelernt: Im Sinne der Coopetion (Dualität von Konkurrenz und Kooperation auf Märkten) kooperiere man, wo man es kann – und stehe im Wettbewerb, wo es sein muss.

Warum? Weil es die Kundensituation vielfach vorgibt.

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