Aus der Krise lernen

Feature | 26. Mai 2009 von Perry Manross 0

Südostasien - geografisches wie wirtschaftliches Kontrastprogramm (Foto: Skyline von Singapur)

Herr Datta, wenn man an die Wirtschaftslage in Südostasien denkt: Was ist das Charakteristische an dieser Region?

Ich denke, Vielfältigkeit ist hier das richtige Wort. Südostasien bietet sowohl in geografischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht ein wahres Kontrastprogramm:

Auf der einen Seite gibt es Singapur als eines der wohlhabensten Länder der Welt und das insbesondere im IT-Bereich im Aufmarsch ist. Und dann gibt es auf der anderen Seite solche Länder wie Laos und Kambodscha, wo man nur mit großer Mühe mal irgendwo einen PC zu sehen bekommt.

Auch in ihrer Politik unterscheiden sich die Staaten in Südostasien extrem. Während in Singapur stabile Verhältnisse herrschen, wechselt in Indonesien und Thailand die politische Führung oft.

Diese krassen Gegensätze schlagen sich auch auf den Verkauf von SAP-Lösungen und Produkten nieder. Da muss man als Unternehmen nicht nur flexibel reagieren können, sondern auch Fingerspitzengefühl zeigen.

Welchen Unterschied gibt es bei den südostasiatischen Unternehmen im Hinblick auf die Verwendung von IT?

Wegen seiner Vielfältigkeit kann man den typischen Wirtschaftssektor für Südostasien nur schwer festlegen. In Singapur gibt es viele Unternehmen, die sich auf IT spezialisiert haben.

In bevölkerungsreichen, aber schwach entwickelten Märkten wie Indonesien, den Philippinen und Thailand ist das Wirtschaftsleben eher auf den privaten Bereich beschränkt. Hier findet man oft Familienunternehmen, die ihr Geschäft schon über viele Generationen hinweg führen. Viele der jetzigen Besitzer haben einen Teil ihrer Ausbildung und Berufserfahrung im Ausland erworben. Sie haben Wirtschafts- und IT-Erfahrung mit nach Hause gebracht und verwerten diese in ihrem Unternehmen.

In Entwicklungsländern wie Kambodscha, Laos und Vietnam sieht das alles ganz anders aus. Die Unternehmen, die hier IT nutzen, beschränken sich eher auf Großkonzerne oder solche Unternehmen, die Güter wie Öl oder Gas verkaufen.

Welche Auswirkungen hat die Wirtschaftskrise in Südostasien?

Aus meiner Sicht gibt es hier keine Bankenkrise wie es anderswo der Fall ist. Die meisten Banken in Südostasien sind von der Krise nicht betroffen. Wir erkennen aber deutlich einen Verlust an Vertrauen.

Das Geld ist zwar da, aber die Banken wollen ganz genau darüber Bescheid wissen, wofür es ausgegeben wird, bevor sie einen Kredit vergeben. Die Geschäftsangelegenheiten müssen sehr stabil sein in Anbetracht der geringen Rendite. Und die Banken wollen ebenfalls ganz genau wissen, was passiert, wenn die Bilanz doch nicht so positiv ausfällt.

Nichtsdestotrotz machen Entwicklungsländer gerade eine schwere Zeit durch. Sie sind von ausländischen Investoren abhängig. Und die Investoren aus den westlichen Ländern machen jetzt nicht mehr so viel Geld locker wie früher. Um Investoren zu gewinnen müssen Staaten wie Kambodscha, Laos und Vietnam mehr politische und wirtschaftliche Transparenz vermitteln und Verantwortung zeigen. Die Unternehmen in diesen Ländern müssen feste Arbeitsabläufe etablieren und die Regierungen müssen gewährleisten, dass das Geld auch wirklich dort ankommt und für diese Zwecke verwendet wird.

So wie damals bei der Finanzkrise 1997 und 1998 werden für Asien auch heute schwere Zeiten anbrechen. Aber diese harten Zeiten werden auch einen kulturellen Wandel mit sich bringen und zu neuem Verantwortungsbewusstsein führen.

Hat der Abschwung die IT-Ausgaben beeinträchtigt?

Ja hat er. Zweifellos halten die Unternehmen Ausschau nach schnellen Kapitalerträgen. Sie differenzieren jetzt genauer zwischen Notwendigkeit und Rentabilität der Projekte. Ich denke, das ist der richtige Ansatz. Aber manche Firmen treffen ihre Entscheidungen wie auf einem Reißbrett. Ich denke nicht, dass das sehr klug ist. Wenn ein Unternehmen das tut, prägt das seinen Ruf, auch wenn es nur sagt, es sei ein Opfer der Krise – aber es steckt keine Strategie dahinter.

Stattdessen sollten die Unternehmen näher an ihre Kunden heranrücken. In Kundenbeziehungen zu investieren könnte für viele Unternehmen sehr wertvoll sein. Es ist sicher auch gewinnbringend, wenn Unternehmen über Business Intelligence hinaus investieren – insbesondere in solche Lösungen die dabei helfen, die Finanzen besser zu verwalten.

Während viele Unternehmen SAP ERP bereits implementiert haben, verwenden bisher nur wenige Firmen Lösungen für Enterprise Performance Management und Business Intelligence, die einen darauf aufmerksam machen, in welchen Bereichen das Geschäft gut läuft und welchen Bereichen man noch mehr Aufmerksamkeit schenken muss.

Welchen Ratschlag würden Sie Unternehmen in Südostasien geben, um gegen den wirtschaftlichen Abschwung anzukämpfen?

Ich denke, Unternehmen können weitaus mehr tun als einfach nur „zu kämpfen“. Sie können auch aus der Krise lernen.

Während viele multinationale Großkonzerne die Kosten quasi schematisch auf dem Reißbrett verwalten, machen in dieser Hinsicht einheimische Firmen einen Sprung nach vorn. In Indonesien, Malaysia, auf den Philippinen und in Thailand beträgt der Anteil einheimischer Firmen mehr als 90 Prozent. Die anhaltende Nachfrage nach einheimischen Gütern kann dazu genutzt werden die Ausgaben auf jene Dinge zu lenken, die die Großkonzerne zurückschrauben.

Einheimische Firmen können mehr in Forschung, Entwicklung und in solche Lösungen investieren, die ihren Vertrieb effizienter machen. Sie können sich mit den besten Einzelhändlern und Lieferanten ihrer Region vernetzen und somit ihre Versorgung optimieren. Auf diese Weise profitieren alle in kürzester Zeit und können ihren Marktanteil erhöhen, wenn die Krise wieder abflaut.

Wer diese Chance jetzt verpasst, der wird auch bei einem Aufschwung nicht dabei sein.

Über Krish Datta

Krish Datta wurde im Januar 2009 zum Regional Managing Director von SAP Südostasien berufen. Seine Erfahrungen mit SAP in dieser Region begannen schon 1995. Zuvor war Datta bereits als Industry Developer für Konsumgüter und Einzelhandel, Produkt-Manager, Partner-Manager und Country Manager tätig.

Tags:

Leave a Reply