KSW Microtec: RFID-Transponder weltweit

Feature | 12. März 2008 von Ute Halm 0

Kreditkarten von American Express sind damit ausgestattet, ebenso die Tickets der Fußball-Weltmeisterschaft 2006: Die zuverlässigen RFID-Chips (Radio Frequency Identification) der KSW Microtec AG besitzen weltweit einen guten Ruf. Auch auf den Flughäfen von Hong Kong und Las Vegas oder in der Moskauer U-Bahn finden sich die Komponenten des Dresdner Technologieunternehmens.

KSW Microtec produziert monatlich mehrere Millionen Transponder, die Informationen berührungslos und ohne Sichtkontakt übertragen. Sie dienen zur Kennzeichnung von Arzneimitteln oder helfen, den Standort sowie Zustand von Transportgütern zu bestimmen und zu überwachen. Mit seinen ausgeklügelten Entwicklungen nimmt das Unternehmen eine Vorreiterrolle in der schnell wachsenden RFID-Branche ein.

KSW konzipierte zum Beispiel den VarioSens, ein flexibles RFID-Etikett mit Temperatursensorik, das empfindliche und leicht verderbliche Güter überwacht, etwa Blutkonserven, Impfstoffe oder Lebensmittel. Seine Produktpalette sowie die patentrechtlich geschützten Eigenentwicklungen fertigt das Unternehmen auf einer Reinraumfläche von insgesamt 3.000 Quadratmetern.

Arbeitsabläufe auf dem Prüfstand


Das 1994 von drei Wissenschaftlern der Universität Dresden gegründete Unternehmen machte sich zunächst daran, RFID-Komponenten zu verbessern und weiterzuentwickeln. Die Produkte waren so erfolgreich, dass sich der Schwerpunkt von KSW Microtec rasch auch auf Großproduktionen ausdehnte. Für die reibungslose Fertigung mussten daher immer größere Datenmengen miteinander verknüpft werden – vom Auftragseingang über Warenplanung bis zur Liquiditätsprüfung. Gleichzeitig galt es, die Qualität der produzierten Transponder sicherzustellen.

Das war bislang recht aufwändig, da die Unternehmenssoftware lediglich die kaufmännischen Prozesse abdeckte und die Daten in verschiedenen Systemen verwaltet wurden. Um auf die notwendigen Informationen zuzugreifen, benötigte KSW Microtec verschiedene Hilfsmittel, darunter mehrere manuell geführte Excel-Tabellen, die beispielsweise die gefertigten Stückzahlen oder Fehlerkosten auflisteten.

Die produzierte Stückzahl eines Artikels korrekt zu ermitteln, war angesichts der heterogenen IT-Landschaft teilweise sehr umständlich. Fertigungsaufträge wurden zunächst auf Papier erfasst, bevor Sachbearbeiter in der Logistik die Daten in die Software eingaben. Dieses Vorgehen kostete viel Zeit und führte leicht zu Fehlern.

Den Unternehmern wurde daher schnell klar, dass mit zunehmendem Wachstum auch sämtliche Geschäftsprozesse auf dem Prüfstand stehen. Als Herstellerunternehmen muss KSW seine gesamte Produktion und die damit verbundenen Kosten transparent abbilden – und dafür benötigt es eine durchgängige Unternehmenssoftware.

In 90 Tagen mit SAP produktiv


“Wir wollten ein System, dass uns per Knopfdruck berechnet, wie rentabel ein Auftrag, ein Produkt, eine Warengruppe oder ein Kunde ist. Zeitaufwändige Nachkalkulationen sollten entfallen. Und wir wollten unsere Prozesse so abbilden, dass wir zu jeder Zeit Zwischenauswertungen vornehmen können“, berichtet Michael Schäfer, Leiter Einkauf und Logistik bei der KSW Microtec AG.

Die passende Lösung war schnell gefunden. Zusammen mit dem Implementierungspartner PlanOrg, den KSW aus früheren Projekten schon gut kannte, entschied sich das Unternehmen für SAP Business One mit der von SAP zertifizierten Fertigungssoftware BX der Variatec AG. Innerhalb von nur 90 Tagen hatte Deutschlands größter Hersteller für RFID-Komponenten seine Abläufe in Warenwirtschaft und Produktion auf die SAP-Mittelstandsanwendung umgestellt. Anfang 2008 nahm die Lösung den Produktivbetrieb auf.

Heute reicht es aus, die Daten einmal einzugeben, dann stehen sie unternehmensweit zur Verfügung. Per Knopfdruck lässt sich ermitteln, wie viele Transponder das Unternehmen aktuell produziert und wann welcher Transponder an welchen Kunden ausgeliefert wurde. Jeder Mitarbeiter greift entsprechend seiner Rolle im Unternehmen auf die erforderlichen Daten zu und wertet sie mit den integrierten Analysefunktionen aus.

Wie in einem Baukastensystem sind die einzelnen Arbeitsschritte aufeinander abgestimmt: Geht eine Bestellung ein, legt die SAP-Anwendung automatisch einen Fertigungsauftrag an. Daraufhin wird eine produktbezogene Stückliste generiert, aus der sich spezifische Produktionsvorschriften ableiten lassen.

Im nächsten Schritt erstellt die Lösung Materialausgabelisten, so dass die Mitarbeiter im Lager umgehend alles Notwendige für die Produktion bereitstellen. Anschließend geht der Auftrag an die Fertigung, wo die produzierten Inlays verbucht werden.

Hohe Qualität ist Trumpf

Die neue Lösung erleichtert außerdem die Qualitätssicherung. Die Chargen der verwendeten Materialien und die Qualität der Transponder sind exakt erfasst und jederzeit abrufbar. Die einzelnen Bestandteile der Transponder lassen sich auf diese Weise jederzeit bis zum Herstellungsdatum und ihrer Zusammensetzung zurückverfolgen.

Die durchgängigen Daten erlauben es KSW außerdem, bestimmte Materialbestände für einen Auftrag zu reservieren. Mit der bisherigen Lösung war eine solche vorausschauende Planung nicht möglich.

Zusätzliches Plus für die Mitarbeiter

Neben Warenwirtschaft, Lager, Produktion und dem kaufmännischen Bereich profitieren auch die Mitarbeiter selbst von der neuen Software. Im internen Vergütungssystem führte KSW die Zielvorgaben für Mitarbeiter in der Fertigung bislang per Hand. Die Daten mussten anschließend zeitaufwändig in Excel-Tabellen übertragen und ausgewertet werden.

Heute hat KSW Erfassungswerkzeuge für die produzierten Stückzahlen an den einzelnen Maschinen installiert, die mit dem IT-System verbunden sind. Die Mitarbeiter haben damit stets die aktuelle Leistung und das angestrebte Tagesziel vor Augen. Das motiviert sie und macht den Weg frei für weitere kreative Produktentwicklungen.

“Unsere Neuerungen zahlen sich aus: Wir greifen jederzeit auf transparente und unternehmensweit verfügbare Daten zu. So können wir rasch nachvollziehen, welche Chargen von Rohmaterialien für das jeweilige Endprodukt verwendet wurden“, resümiert Michael Schäfer. Nach dem erfolgreichen Produktivstart der SAP-Business-One-Lösung will KSW Microtec im nächsten Schritt die Lieferantenbewertung in das neue System integrieren.

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