Badewannen aus Andalusien

Feature | 23. September 2009 von admin 0

Badausstattungen von Cosentino aus Spanien (Foto: Duravit)

Badausstattungen von Cosentino aus Spanien (Foto: Duravit)

Von den Vorzügen einer integrierten Systemlandschaft braucht man Alberto Quevedo nicht erst zu überzeugen. Der junge CIO von Cosentino, einem international präsenten Hersteller von Küchen- und Badoberflächen, lebt darin: „Wir schwören auf Vernetzung und haben alle Abläufe automatisiert“, schwärmt er. Von der Planung über Produktion und Vertrieb bis zur Auslieferung sind alle Geschäftsprozesse über SAP-Lösungen verknüpft.

Cosentino verarbeitet Naturstein wie Quarz oder Granit. Eine Eigenentwicklung ist der patentierte „Silestone“, ein porenfreies, antibakterielles Quarzkomposit. In den zehn Jahren vor dem Konjunktureinbruch wuchs das Unternehmen jeweils zweistellig und expandierte in die ganze Welt. Fabriken, Lager, Verteilzentren und Geschäfte stehen auf vier Kontinenten. Neben Europa sind die USA der wichtigste Absatzmarkt, aber auch Kunden aus Dubai oder Australien ordern gerne.

Weltweites Logistiknetz im Griff

Produziert wird in der andalusischen Provinz Almeria – drei Fabriken stellen Silestone her, eine bearbeitet Marmor, eine weitere entwickelt Spezialprodukte. Aus Andalusien geht es in die europäischen Verteilzentren. Darüber hinaus gibt es Verarbeitungsbetriebe in den USA, Mexiko, Brasilien, Großbritannien und Schweden. Für Nachschub an Naturstein sorgen 14 Minen in Südspanien. In Brasilien baut Cosentino zudem Granit ab. Zuletzt vergrößerte der Konzern sein Lagernetz in China, um den vielversprechenden Markt dort zu bedienen.

An den europäischen Standorten wird bereits mit SAP NetWeaver Business Warehouse (SAP BW), SAP Customer Relationship Management (SAP CRM) und SAP ERP Human Capital Management (SAP HCM) gearbeitet. Die übrigen Vertriebsländer sollen bald folgen.

Dialog mit der Maschine

Als erstes spanisches Unternehmen führte Cosentino vor zwei Jahren SAP Manufacturing Integration & Intelligence (SAP MII) ein. Die Middleware verbindet die Produktionsanlagen mit den kaufmännischen Systemen (Geschäftsprozesse, Stammdaten). Informationen zu Aufträgen, Material, Kosten und Erzeugnisqualität liegen in Echtzeit vor. Dadurch kann das Unternehmen Ideen schneller in Produkte und Prozesse umsetzen, Kundenwünsche leichter erfüllen und sofort auf Nachfrageschwankungen reagieren. Quevedo: „SAP MII automatisiert den Datenaustausch zwischen dem ERP-System und der Werkshalle. Über diesen Kanal können wir also mit den Maschinen sprechen.“

Früher mussten die Arbeiter die Anlagen mit unzähligen Daten von Hand füttern. „Dabei waren sie quasi blind“, beschreibt der IT-Chef die Situation. Heute zeigt SAP Advanced Planning & Optimization (SAP APO) die Aufträge aus der Planungsabteilung am Bildschirm an; so weiß der Maschinist schon bei Schichtbeginn, wie sein Tagewerk aussieht. Mit dem APO-Lösungspaket wollen die Spanier ihre gesamte Planung optimieren.

Prozesse, Prozesse

Planen ist gut, Kontrolle besser, dachte sich der CIO und führt überdies SAP NetWeaver Business Process Management (BPM) ein. Mit der Prozessverwaltungssoftware kann Cosentino Planung, Entwurf, Konstruktion, Fertigung, Instandhaltung und Nachverfolgung synchronisieren. Der Konzern ist gerade dabei, seine Arbeitsabläufe systematisch zu erfassen und informationstechnisch zu unterstützen. Im SAP NetWeaver Visual Composer braucht Quevedo dazu keine einzige Zeile Programmcode zu schreiben.

Die Modellierungsumgebung begeistert ihn: „Damit können wir Funktionen schnell und einfach entwickeln. Am Bildschirm lassen sich mehrere SAP-Anwendungen wie BW oder CRM gleichzeitig anzeigen und somit ganze Prozessketten mit allen Querverbindungen überschauen.“ Besonders schätzt der IT-Leiter die serviceorientierte Architektur der SAP-Software: „In der SOA brauche ich das Rad nicht immer wieder zu erfinden, sondern kann neue Prozesse abbilden, indem ich die Verarbeitungslogik über Webservices rekombiniere. Der Programmieraufwand sinkt dadurch beträchtlich.“

Nah am Kunden

Bewährt hat sich auch das vor einem Jahr im spanischen Werk eingeführte SAP CRM. „Unser Service ist besser geworden. Wir wissen jetzt genau, was unser Vertrieb macht, und verwerten mehr Informationen aus dem Marktumfeld“, so Quevedo. Durch Analyse der Kundenbesuche spüre man zusätzliche Absatzchancen auf. „Vorher erhielten wir solche Hinweise nur sporadisch. Nun kann ich dem Vorstand jederzeit aktuelle Informationen liefern, die seine unternehmerischen Entscheidungen stützen.“

SAP integriert bei Cosentino nicht nur den internen Vertriebsprozess vom Angebot bis zur Fakturierung und wacht über Termine. Die Plattform NetWeaver ermöglicht auch den Datenaustausch mit Lieferanten und Kunden. In die serviceorientierte Architektur des Systems lassen sich Partnerlösungen wie diejenige von Saperion zur elektronischen Bearbeitung des Rechnungseingangs leicht einbinden.

Premiumservice

Als nächstes plant Quevedo den Anschluss der Außendienstmitarbeiter. Über Mobilgeräte können diese bald von unterwegs auf SAP CRM zugreifen, Kundendaten abrufen und eingeben sowie ihre Touren planen. Zur Serviceverbesserung im Callcenter will der CIO außerdem Kundenanfragen mit der IP-Lösung SAP Business Communications Management bündeln. Dank Rufnummererkennung kann der Bearbeiter die gesamte Kundenhistorie abrufen und detailliert Auskunft geben. Die Wartezeiten werden kürzer, die Anfragen schneller geklärt.

„Die Kollegen stöhnen manchmal, wenn ich wieder mit einer neuen Lösung komme“, gesteht Quevedo mit einem Augenzwinkern. „Ich weiß aber, dass sie stolz darauf sind, mit der neuesten Technik zu arbeiten und in der Branche zu den Vorreitern zu gehören.“

Firmenporträt

Aus Naturstein und Quarz fertigt Cosentino Oberflächen für Küche und Bad. Dazu verarbeitet der spanische Konzern  vor allem den Kunststein „Silestone“, ein intern entwickeltes Quarzkomposit. Produziert wird am Firmensitz in Cantoria in der andalusischen Provinz Almeria. Cosentino unterhält ein weltweites Niederlassungsnetz.

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