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Kuhglockenromantik trifft auf Digitalisierung

21. September 2016 von John Ward 16

Immer mehr Konsumenten wollen wissen, woher ihr Essen kommt und wie es produziert wird. Für mehr Transparenz sorgt bei Emmi nun eine branchenspezifische Lösung für die Milchindustrie. Damit kann die größte Molkerei der Schweiz nun genau sagen, woher die Milch kommt – aus welcher Region, von welchem Hof, oder sogar von welcher Kuh.

Die Milchwirtschaft in der Schweiz scheint so alt wie die Alpen selbst. Seit vielen Generationen treiben die Bauern ihre Kühe im Frühjahr auf die Bergweiden und im Herbst wieder zurück ins Tal. Jeden September feiern die Milchbauern ein traditionelles Fest, das Almabtrieb oder „Désalpe“ genannt wird. Die Milchkühe werden mit Blumenkronen und Kuhglocken geschmückt und von den alpinen Viehweiden zurück ins Tal gebracht, um dort zu überwintern.

Eines steht jedoch fest: Das Milchgeschäft in der Schweiz floriert. Mehr als eine halbe Million Kühe produzieren rund 3,4 Millionen Tonnen Milch jährlich. Und während die Kühe in dieser ländlichen Idylle friedlich auf der Wiese grasen, steht der digitale Wandel schon vor der Tür. Moderne Softwarelösungen und eine neue Generation von Verbrauchern verändern die Milchindustrie.

Die Schweiz und Emmi sind Vorreiter bei der Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln

Heinz Hodel kann uns Einiges über den bevorstehenden Wandel erzählen. „Ich denke in den nächsten drei bis fünf Jahren wird auch unsere Branche mit dem digitalen Wandel konfrontiert werden“, erläutert Hodel. Er muss es wissen, denn Hodel ist der CIO der Emmi Gruppe und Emmi ist der größte Milchverarbeiter in der Schweiz.

Als internationales Unternehmen mit Sitz in Luzern, exportiert Emmi seine Produkte in rund 60 Länder weltweit. Allein in der Schweiz betreibt Emmi 25 Produktionsbetriebe. Darunter sechs große Verarbeitungszentren, die aus Rohmilch jede Menge Produkte fertigen – von Sahne und Butter über Eiskrem und Käse bis hin zu Joghurt- und Milchdrinks.

Emmi war das erste Unternehmen weltweit, das eine neue, branchenspezifische Lösung für die Milchindustrie eingeführt hat. Die Lösung wird von der SAP und ihrem Partner, der msg systems ag, bereitgestellt.

Mit diesem Schritt wollte Emmi seine Geschäftssysteme in den Produktionsstätten der Schweiz aufrüsten, um Systeme zu verbinden, Prozesse zu straffen und die Kernprozesse in der Milchverarbeitung effizienter zu gestalten.

Emmi kann nun unterschiedliche Milchlieferungen aufgrund ihres Fett-, Protein- und Laktose-Anteils besser verfolgen und verwalten. So kann das Unternehmen einfacher bestimmen, für welche Produkte sich die Rohmilch am besten eignet – also beispielsweise für Butter, Mozzarella oder Emmi Joghurtdrinks. „Wenn unsere Verarbeitungsanlagen mit den gleichen Prozessen arbeiten, können wir mehr aus unserer Milch rausholen“, erklärt Hodel.

Was genau essen wir eigentlich und woher kommt es?

Nicht nur die Effizienz wird gesteigert: Die Rückverfolgbarkeit der Produkte erfüllt ebenfalls die wachsenden Erwartungen der Kunden, und ermöglicht eine höhere Transparenz bei der Lebensmittelversorgung.

Ein Artikel der Internetplattform Food Safety News zitierte Anfang des Jahres Dr. David Acheson, ehemaliger Chief Medical Officer beim Dienst für Lebensmittelsicherheit und -kontrolle des Landwirtschaftsministeriums der Vereinigten Staaten (USDA) und beim Zentrum für Lebensmittelsicherheit und angewandte Ernährung der amerikanischen Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA).

„Verbraucher schätzen Transparenz auf den Etiketten mehr als alles andere“, so Dr. Acheson. „Was essen sie, woher kommen die Zutaten?“ Acheson glaubt, dass sich die Konsumenten ebenfalls einen Einblick in den Herstellungsprozess wünschen.

Hodel stimmt dem zu. Und sowohl die Schweiz als auch Emmi sind ihrer Zeit voraus. (Die Schweiz gehört zu einem der wenigen Länder, die für ihre vorbildliche Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln geschätzt werden.)

„Kunden möchten mehr und mehr Transparenz beim Lebensmittelkauf, und dazu gehören auch Milchprodukte“, betont Hodel. „In naher Zukunft können wir den Verbrauchern zeigen, woher die Milch kommt – aus welcher Region, von welchem Hof, oder sogar von welcher Kuh.“

Daten via SAP HANA sind die Antwort

Allerdings hängt die Qualität der Informationen davon ab, wie gut Emmi die verfügbaren Daten verarbeiten kann. Das Datenmanagement, betont Acheson, sei die größte Herausforderung für Lebensmittelunternehmen. „Es ist egal, ob ein Unternehmen auf zehn oder 1000 Lieferanten zurückgreift. Der Informationsfluss bleibt trotzdem konstant und muss analysiert werden“, erklärt Acheson.

Und auch hier ergreift Emmi die Initiative. Hodel hat ein Auge auf die In-Memory-Technologie und auf die SAP-HANA-Datenbank geworfen. Sie sollen für deutlich schnellere Datenanalysen sorgen.

Die Kuhglocken-Romantik soll bleiben, 3D-Druck, IoT und Drohnen kommen

Hodel zufolge hält die Digitalisierung langsam Einzug in die großen Molkereibetriebe der Schweiz. Und die branchenspezifischen Lösungen sind erst der Anfang. „In den nächsten Jahren wird die Milchindustrie von der zukunftsweisenden Technologie profitieren“, sagt Hodel voraus. „Das können Roboter, der 3D-Druck, das Internet der Dinge oder sogar Drohnen sein.“

Das hört sich alles schön und gut an –  solange die Schweizer Kühe weiterhin ihre Glocken und Blumenkronen tragen dürfen.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf SAP Business Trends.

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