Kunststoffgerechte Planungsprozesse

Feature | 7. März 2007 von admin 0

Porträt

Porträt

„Für die Herstellung unserer Produkte nutzen wir vornehmlich das Extrusionsverfahren, das enorme Anforderungen mit sich bringt“, erklärt Hans-Henning Wagner, Leiter der Materialwirtschaft bei der SIMONA AG. Vor allem das Umrüsten und die komplizierte Reinigung der Werkzeuge bei einem Materialwechsel bringen somit erhöhten Arbeitsaufwand mit sich. Um diesen zu reduzieren, fasst SIMONA ähnliche Fertigungsaufträge in so genannten Kampagnen zusammen. Zur Planung des komplexen Produktionsablaufs betrieben die Spezialisten für thermoplastische Kunststoffe deshalb früher eine eigenentwickelte Softwarelösung. „Die Beplanung der einzelnen Maschinen war zwar mit diesem System optimal möglich, doch leider hatte es nicht im notwendigen Maß Schnittstellen zu unseren anderen betrieblichen Prozessen. Es war eine Insellösung“, bringt IT-Leiter Peter Schantz die Probleme auf den Punkt.
„Schon im Jahr 2000 war uns bewusst, dass nicht alle Prozesse optimal laufen. Mit dem Konzept „Logistik 2010“ haben wir damals die notwendigen Veränderungen auf operativer Ebene angeschoben. Wir suchten im Gesamtkonzern nach Optimierungspotenzialen mit dem Ziel, den Umsatz innerhalb von zehn Jahren bei gleich bleibenden Ressourcen zu verdoppeln“, so Jochen Feldmann, Finanzvorstand der SIMONA AG.

Standardisierte Basisprozesse für internationalen Rollout

Ein Ergebnis der durchgeführten Untersuchungen: Die SIMONA verfügte nicht über eine IT-Landschaft, die mit durchgängigen und abteilungsübergreifenden Prozessen die internationale Aufstellung und ehrgeizigen Entwicklungspläne des Konzerns unterstützte. Die heterogene und durch Medienbrüche gekennzeichnete alte IT-Landschaft verursachte einen hohen zusätzlichen Kommunikationsaufwand. Neben der selbst entwickelten Produktionssoftware wurde beispielsweise beim Rechnungswesen und in der Materialwirtschaft die Standardsoftware MAS90 von IBM verwendet, Vertrieb und Logistik arbeiteten wiederum mit Eigenentwicklungen. Punktuell kamen MS-Office-Produkte hinzu. Zudem waren die Tochterunternehmen und weltweiten Standorte nicht durch eine einheitliche Lösung mit der Konzernzentrale verbunden. So waren Informationen für die Mitarbeiter der SIMONA bei Bedarf nicht schnell verfügbar.
„Unser logisches Ziel war es daher, diese Struktur zu ersetzen und eine integrierte IT-Lösung für das gesamte Unternehmen zu schaffen“, beschreibt IT-Leiter Schantz die Aufgabenstellung. Die Wunschliste: Ein zeitnahes Controlling – auch bei den Töchtern – sollte ermöglicht, das Tagesgeschäft erleichtert und die für jeden Mitarbeiter wichtigen Informationen vorgehalten werden. Für SIMONA war zudem wesentlich, dass die einzuführende ERP-Lösung ihre branchenspezifischen Bedürfnisse und Prozesse unterstützt.
Denn es galt, mit der Einführung sämtliche ERP-Prozesse entlang der Wertschöpfungskette zu standardisieren, damit sie sich künftig problemlos international auf bestehende und neue Geschäftseinheiten übertragen lassen. Nicht zuletzt sollte der gewohnte Standard in der Produktionsplanung gehalten werden. „Wir brauchten daher für unsere neue ERP-Software Experten, die sich in der Kunststoffindustrie auskennen und unsere speziellen Prozesse verstehen“, erklärt Schantz. „Deswegen haben wir uns für die SYCOR GmbH und ihr auf SAP-Standardsoftware aufsetzendes Branchentemplate sycor plastics entschieden.“

Mehr Transparenz und Komfort

In mehreren Schritten hat SIMONA auf die neue Software umgestellt. Bis zum Jahresbeginn 2005 wurden zunächst die Module Rechnungswesen, Controlling, Einkauf und Materialwirtschaft erfolgreich eingeführt. „Außerdem ersetzten wir parallel das bestehende Archiv durch eine FileNet-Lösung und richteten entsprechende Schnittstellen zu SAP ein“, erläutert Frank Riechel, Projektleiter der SYCOR GmbH. Im zweiten Teilprojekt implementierten die Teams dann bis Anfang 2006 das sycor-Planungscockpit zur Produktionsplanung und -steuerung sowie die Module Verkauf, Lagerverwaltung und Produktion. Zu diesem Zeitpunkt sorgte sycor auch dafür, dass die neue Lagerhaltungssoftware der SIMONA mit SAP kommuniziert. Somit konnten die Projektmitarbeiter sicherstellen, dass mit der neuen Lösung alle Prozesse der Kunststoffspezialisten aus Kirn entlang der gesamten Wertschöpfungskette unterstützt werden.
„Die neu gewonnene Transparenz ermöglicht es uns, viel sauberer zu planen und Entscheidungen zu treffen. Eine Nachkalkulation ist jetzt problemlos möglich, da wir alle Informationen zum Material und Werkzeug vorliegen haben“, bilanziert Hans-Henning Wagner. Einen weiteren positiven Effekt sieht er bei dem Planungscockpit. Hier ist es gelungen, den individuellen Komfort der Mitarbeiter in der Produktionsplanung und -steuerung zu steigern. Wagner: „Die Bedienung erfolgt intuitiv durch die Mitarbeiter, da sie das Layout benutzerspezifisch an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen. Sie erfassen auf diese Weise mit einem Blick die Produktionssituation und können Kampagnen und Reihenfolgen schneller und einfacher planen. Zusätzlich ist es ihnen möglich, ohne Medienbrüche auf den spezifischen Kundenauftrag oder die aktuelle Bedarfs- und Bestandssituation zuzugreifen.“

Termintreue trotz Komplexität

„Besonders stolz sind wir auf die termingerechte Einführung, trotz der Komplexität des Projekts. Wir haben damit die Basis für unsere Wachstumspläne geschaffen und unsere IT unterstützt nun optimal die Strategie der SIMONA“, freut sich Peter Schantz. Doch er weiß, dass noch eine Menge zu tun ist. „In der kommenden Zeit werden wir interne Schulungen durchführen und unsere Prozesse stetig weiter optimieren. Zurzeit arbeiten bei uns mehr als 400 Anwender mit der neuen Lösung – Tendenz steigend. Schließlich steht auch noch das dritte und letzte Teilprojekt an, der Rollout von SAP auf unsere Tochtergesellschaften, mit dem wir unseren Internationalisierungskurs fortsetzen.“
Dass die SIMONA AG bereits auf dem richtigen Weg ist, belegen die Zahlen: Seit dem Jahr 2003 blickt das Unternehmen auf jährliche Zuwachsraten von durchschnittlich zehn Prozent zurück – und hat im Jahr 2005 mit seinen weltweit 1000 Mitarbeitern einen Umsatz von 230,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Trotz steigender Rohstoffpreise und starkem internationalen Wettbewerb ist SIMONA zuversichtlich, diese Marke und die ehrgeizigen Ziele aus dem „Logistik 2010“-Programm noch zu übertreffen.

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