Leistung messen und Lieferanten bewerten

Feature | 29. Oktober 2008 von Sundar Chandrasekaran 0

Das Auto ist in der Werkstatt, aber der Mechaniker kann es nicht reparieren, weil er auf die Ersatzteile vom Hersteller wartet. Für den Kunden ist das frustrierend. Für den Mechaniker und seinen Lieferanten heißt das im schlimmsten Fall ein verlorenes Geschäft und ein beschädigter Ruf.

Dieses klassische Beispiel einer ineffizienten Lieferkette zeigt, welche Folgen eine mangelhafte Leistung des Zwischenhändlers haben kann. Betroffen davon ist nicht nur der Kunde, sondern jeder, der in diese Kette eingebunden ist.

In jeder Branche sind nicht verfügbare Teile oft das Resultat eines sich ständig ändernden Lagerbestands. Unzureichende Kommunikation und damit ein mangelhafter Austausch von Informationen zwischen den beteiligten Unternehmen spielen dabei eine große Rolle.

Beim Kauf von Waren über einen Zwischenhändler gilt es deshalb, die Kommunikation mit diesem zu pflegen, seine Leistungen zu bewerten und ihm regelmäßig Feedback zu geben. Das ist besonders wichtig bei Branchen, die mit Ersatzteilen handeln – wie die Automobil-, Luft- und Raumfahrt- sowie High-Tech-Industrie.

Typische Herausforderungen, denen sich der Ersatzteilemarkt stellen muss:

  • Um Produktionskosten zu sparen, ist der Einkauf oft zentralisiert. In zentral organisierten Einkaufsabteilungen liegt der Fokus auf der Produktion. Da bleiben mitunter Potenziale des Ersatzteile-orientierten Geschäfts ungenutzt, wie beständige Ertragsströme und hohe Gewinnspannen.
  • Bei der Integration der Lieferanten fehlen vielfach noch die Taten, die den Worten folgen sollen. Prozesse orientieren sich noch immer an Technologien und nicht umgekehrt.
  • Nicht alle Lieferanten befinden sich auf demselben technologischen Niveau. Unternehmen müssen deshalb verschiedene Datensammlungsmethoden für unterschiedliche Lieferanten nutzen.
  • Bei vielen Interaktionen zwischen Kunden und Lieferanten mangelt es an einer einheitlichen Datenquelle, einer „einzigen Quelle der Wahrheit“. Sie brauchen eine zuverlässige Quelle von Informationen, die alle Beteiligten nutzen.

Freier Informationsfluss

Aber wo soll man beginnen? Eine enge Zusammenarbeit mit Lieferanten ist ein guter Anfangspunkt. Ein nahtloser Informationsfluss entlang der Lieferkette hilft allen Beteiligten, abgestimmt zu arbeiten. Die Zusammenarbeit sollte dabei über regelmäßige Bestellungen hinausgehen: Werden Nachfrage- und Prognosedaten getrennt verwaltet, haben Lieferanten bessere Möglichkeiten, plötzliche Nachfrageschwankungen zu meistern.

Transparenz ermöglicht es, Schwankungen frühzeitig zu erkennen. Unternehmen können somit Lieferanten vorzeitig warnen und ihnen die Möglichkeit geben, die Auswirkungen auf ihre eigenen Lieferketten zu mindern.

Gleiches Technologie-Niveau

Da die von Lieferfirmen eingesetzte Technologie variiert, müssen die für den Informationsaustausch genutzten Kanäle flexibel und dialogfähig sein, um mit Web-Portalen, EDI-Schnittstellen, E-Mail-Benachrichtigungen und anderen gängigen Formaten kommunizieren zu können. Erhalten Lieferanten mehrere Datenansichten, ist es wichtig, dass diese alle auf einer einzigen Datenbasis beruhen. So werden Datenkonsistenz und -genauigkeit sichergestellt.

Die richtigen Kennzahlen verwenden

Viele Ersatzteilunternehmen bewerten ihre Lieferanten nach allgemeinen Kriterien – eine gebräuchliche Praxis auch in anderen Branchen. Aufgrund der speziellen Natur des Ersatzteilgeschäfts wäre es für die Unternehmen allerdings besser, fünf bis zehn aussagekräftige Kennzahlen festzulegen.

Ein Schlüsselkriterium in der Ersatzteilbranche ist zum Beispiel die Verfügbarkeit. Solche wichtigen, detaillierten Leistungsindikatoren drohen unterzugehen, wenn sie nur in generellere Kriterien eingebettet sind.

Der richtige Weg: Unternehmen sollen bestimmen, welche Bewertungskriterien entscheidend für ihr Geschäft sind. Für das eine Unternehmen mag das die Pünktlichkeit und Genauigkeit der Vorab-Versandbenachrichtigungen durch ihre Lieferanten sein. Für ein anderes ist wichtig, wie verlässlich die Lieferanten ihre Verpflichtungen erfüllen, und ob Ersatzteile zu früh, pünktlich oder zu spät geliefert werden.

Kennzahlen müssen skalierbar und anpassungsfähig sein. Auf diese Weise können Unternehmen ihre Lieferanten je nach Art der Geschäftsverbindung nach ganz individuellen Kriterien bewerten. Die Kennzahl „Versanddiskrepanzen“ zum Beispiel könnte auf einer Kombination aus Lieferanten- und Standortinformationen basieren. So ist es in der Folge möglich, die Leistung von Lieferanten beim Versand verschiedener Einzelteile über viele Standorte zu berechnen.

Solche Leistungsmaßstäbe können als verlässliche Quelle quantitativer Daten dienen, die alle Parteien in Echtzeit einsehen können. Die Datentransparenz wird dadurch gefördert, Konflikte über die ausgewerteten Kennzahlen werden reduziert. Und Lieferanten sind in der Lage, ihre eigenen Leistungen zu berechnen.

Manuelle Eingriffe werden in so genannten Audit-Logs festgehalten, um den Lösungsprozess zu beschleunigen. Kennzahlenberichte sollten automatisiert und zum Download zur Verfügung stehen – mit Drill-down-Details und Funktionen wie einer automatischen Alarmmeldung, wenn die Leistung unter einen definierten Grenzwert fällt.

Datensichtbarkeit ermöglicht strategische Lieferanten-Entscheidungen

SAP bietet im Rahmen der Lösung SAP Service and Asset Management ein Werkzeug für die Bewertung von Lieferantenleistungen, das die Anforderungen der Ersatzteilbranche adressiert: Unternehmen können maßgefertigte Bewertungskriterien für individuelle Zulieferer definieren und eine konsolidierte Wertungsliste für einen festgelegten Reporting-Zeitraum abrufen.

Eine gewichtete Punkteverteilung ermöglicht es, die Bewertungen für strategische Lieferantenentscheidungen zu nutzen. Außerdem sorgen die Standardberichte für transparente Berechnungen der allgemeinen Wertungslisten und der detaillierten Berichte. Zu guter Letzt können betriebsinterne Analytiker und Nutzer der Lieferfirma auf dieselbe Information zugreifen.

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