Logistik vom Hersteller bis zum Soldaten

Feature | 13. Dezember 2004 von admin 0

Das AMC ist neben seinem Hauptquartier in Ft. Belvoir, Virginia, mit Außenstellen in rund 40 US-Bundesstaaten und mehr als 39 Ländern weltweit vertreten. Mit zirka 50.000 Mitarbeitern, modernster Technologie und effizienten Logistikkettenprozessen stellt das AMC sicher, dass die Truppen alles haben, was sie brauchen: Von Helmen über Hubschrauber bis hin zu Elektrokabeln und Essen. Im Zuge ihrer Modernisierung arbeitet die US Army im Projekt Single Army Logistics Enterprise (SALE) darauf hin, ihre Logistik mit SAP-Software auf eine einheitliche Basis zu stellen. Die Implementierung von SALE hat auf nationaler Ebene bereits begonnen – mit Pilotprojekten im Communications and Electronics Command (CECOM) des Armeedepots Tobyhanna, Pennsylvania, im AMC-Hauptquartier und beim Defense Finance and Accounting Service (DFAS) in Indianapolis.

Drei fortlaufende Projekte

Der ursprüngliche Impuls für SALE kam Mitte der neunziger Jahre. Damals stand AMC vor der Aufgabe, “best-of-breed”-Technologien für die Logistik und weitere Unternehmensprozesse zu implementieren. Heute ist AMC mitten darin, sein Logistiksystem zu einem integrierten Versorgungssystem auszubauen. Bis 2007 will die Army das gewaltige Projekt unter Dach und Fach bringen. “Wir beabsichtigen unsere Unternehmensprozesse von der Fabrik bis zum Schützengraben horizontal und vertikal zu integrieren”, skizziert Ronald Lewis, AMC-Delegierter G-3 für Unternehmensintegration, das Vorhaben.
Zurzeit sind drei Projekte im Gang, die SALE als Basis dienen. Das Programm zu Modernisierung der Logistik (LMP) umfasst alle festen Wartungs- und Versorgungsinstallationen. Das Global Combat Support System Army (GCSS Army) ist die Verbindung zu den Truppen im Feld. Im Product Lifecycle Management Plus (PLM+) sind als einziger Quelle die Masterdaten gesammelt. Diese dienen der Web-zentrierten Technologie von SAP NetWeaver als Basis für die Kommunikation mit den Originalersatzteilherstellern (OEMs) und anderen wichtigen externen und internen Teilnehmern der Versorgungskette. Jedes dieser Projekte wird nach seinem Abschluss wesentlich zur Bewältigung spezifischer Aufgaben innerhalb von SALE beitragen. Dazu zählen etwa die Planung der Versorgungskette, der Vertrieb, die Budgetierung oder das Finanzwesen. Für SAP entschied sich die US Army nach Aussage von Lewis aufgrund von Empfehlungen verschiedener Systemintegratoren, die der US-Regierung die SAP-ERP-Lösung als diejenige mit dem höchsten zu erwartenden Gegenwert nahe gebracht hatten.

LMP gibt die Richtung vor

Das LMP-Projekt ist laut Lewis am weitesten fortgeschritten. Als Pilot für rund 4.500 Anwender im Juli 2003 gestartet wird die Lösung derzeit landesweit für ungefähr 15.000 Anwender ausgerollt. Es wird bald die bisherige Standardlösung für den Güterverkehr, das Commodity Command Standard System (CCSS) der AMC ersetzen, das Inventarkontrolle, Reparatur- und Kaufentscheidungen, Planung und Budgetierung unterstützt. Ebenso wird es das Standard-Depotsystem (SDS) ablösen, das die Depotwartung, Grundstücksverwaltung, Munitionsverwaltung, Einrichtungsverwaltung und Finanzmanagementfunktionen unterstützt.
Nicht, dass CCSS und SDS nicht funktioniert hätten, betont Lewis. Doch die älteren Lösungen entsprechen nicht den neuen Maßstäben der Armee, die ein Höchstmaß an Effizienz und Effektivität fordern. Die Armee soll kosteneffizienter und beweglicher sein und gleichzeitig leichter zu unterhalten. “Vom technischen Standpunkt betrachtet, operieren die alten Lösungen mit Technologie, die 25 Jahre alt ist, und Prozessen, die 30 Jahre alt sind”, beschreibt Lewis. “Die Anwender erhielten vielfach überholte Anzeigen, mussten sich mehrfach einloggen und arbeiteten im Gegenzug mit Informationen, die weder unmittelbar verfügbar noch aktuell waren. Zudem war die Datenhaltung redundant, ohne Standards, schlecht gepflegt und viele wichtige Berichte standen nur als Papierausdruck zur Verfügung.”
Das wird sich mit LMP grundlegend ändern. Die LMP-Lösung besteht im Kern aus SAP R/3 und beinhaltet Module für den Vertrieb (Sales and Distribution, SD), das Materialmanagement (MM), die Produktionsplanung (PP) und das Finanzwesen (FI). Diesen Modulen angegliedert sind SAP Strategic Enterprise Management (SAP SEM), der SAP Advanced Planner and Optimizer (SAP APO), das SAP Business Information Warehouse (SAP BW) und SAP Asset and Work Management. Die Erwartungen der US Army an dieses Paket sind hoch: “LMP wird bei der Versorgungskette mit Hilfe diverser Prognose-Werkzeuge die Planung der Nachfrage verbessern. Mit seiner Hilfe werden wir auch die monatliche Terminplanung und Durchführung dieses Planes optimieren”, so Lewis.
“Bei den Wartungsprozessen bietet LMP den Verantwortlichen für die diversen Teilbereiche und den zugeordneten Projektleitern erweiterte Möglichkeiten und Übersichten. Sie können besser Mannstunden und Geldströme überwachen, die für Reparaturen anfallen. Das Programm erstellt detaillierte Voraussagen über Projekte, die über ein Haushaltsjahr hinweg teilfinanziert sind. Darüber hinaus ermöglicht es eine engere Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen für Teilbereiche, den Projektleitern und den Reparatureinrichtungen”, erläutert Lewis.

SALE im Visier

Am Ende wird SALE alle festen Basen der Armee umfassen, einschließlich der Depots, Arsenale und Akquisitionszentren. Darüber hinaus ist SALE auf allen Ebenen der Armee-Hierarchie gültig, über Korps, Divisionen, Brigaden und Bataillone, bis hin zu einzelnen Truppenteilen. Viele Legacy-Anwendungen werden zu diesem Zeitpunkt ebenfalls auf SAP migriert sein. Das PLM+-System, ist für Lewis der Schlüssel in Hinblick auf Daten- und Informationsverwaltung. mySAP Product Lifecycle Management (mySAP PLM) und SAP NetWeaver dienen hierfür sowohl der Verwaltung taktischer Daten, als auch der Verwaltung der Produkte und Fabrikate. Mit der Umstellung auf SAP, so Lewis, gelingt der Army ein Riesenschritt in Richtung Echtzeitinformationen sowie den zugehörigen Analysemöglichkeiten, die wiederum eine rasche Reaktion erlauben.

“Die SAP-Software liefert uns wirkungsvolle Integrationsmöglichkeiten, sowohl auf nationaler Ebene wie auch im Feld, so dass alle unsere Geschäftsprozesse auf die Verwaltung der Hauptdaten zentralisiert sind,” erklärt Lewis weiter. “Wir erhalten optimierte Missionsfähigkeiten im gesamten Unternehmen.” Ist SALE erst einmal produktiv, profitiert die Army beispielsweise auch von kürzeren Antwortzeiten bei Leistungsanalysen zur Entscheidungsfindung, hat die Verwaltung der Waffensysteme optimiert und ihre Inventurunterlagen konsolidiert. Darüber hinaus rechnet Lewis mit folgenden Nutzeffekten:

  • <sum> Verbesserung der pünktlichen Bereitstellung und Kundenzufriedenheit
  • <sum> Bessere Einsicht in globale Assets und finanzielle Daten
  • <sum> Eine beweglichere Logistik-Infrastruktur
  • <sum> Eine größere Effizienz bei Systemoperationen und Verbesserungen der Wartbarkeit, Anpassungsfähigkeit und Skalierbarkeit der Lösung
  • <sum> Kosteneffizienz.

Lewis betont, dass die Army bei der Änderung der Software sehr sorgfältig vorgeht und sich zudem die Führung stark engagiert – wichtige Erfolgsfaktoren für das Projekt. Die Army hält darüber hinaus engen Kontakt mit den anderen Waffengattungen des amerikanischen Militärs, bei denen teils ebenfalls SAP-Implementierungen durchgeführt werden, etwa bei der US-Luftwaffe und der Marine. Als Teil der Implementierung hat die US Army einen Prozess entwickelt, mit dem sich alle künftigen Investitionen in Technologie überwachen lassen. Damit will die Army ihrer Verpflichtung nachkommen, auch künftig für schlankere Logistiksysteme zu sorgen, die noch bis weit in die Zukunft ihre Dienste tun. “Wir versuchen, unsere IT-Investitionen auf umsichtigere Weise zu messen als in der Vergangenheit”, schließt Lewis.

Sarah Z. Sleeper

Sarah Z. Sleeper

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