Enterprise 2.0: Chancen und Risiken

Feature | 26. April 2010 von Christiane Stagge 0

Die Lufthansa AG setzt auf Twitter

Die Lufthansa AG setzt auf Twitter

Facebook, Twitter, StudiVZ – fast jedes größere Unternehmen ist inzwischen Mitglied auf einer Social Media Plattform. Der Grund dafür: Firmen wollen dort sein, wo ihre Kunden sind. Facebook hat mittlerweile rund 400 Millionen aktive Mitglieder, weltweit gibt es etwa 130 Millionen Blogs. Facebook und Twitter waren 2009 die Webseiten mit dem meisten Zuwachs an Reichweite. Die Kommunikation über das Internet wird weiter wachsen. Deshalb nutzen viele Firmen Social Media Plattformen, um ihre Produkte zu vermarkten, neue Kunden zu gewinnen und bestehende Kunden an sich zu binden.

Keine allgemeine Rezeptur

Auf dem Web 2.0-Kongress diskutierten verschiedenen Unternehmen über ihre Web 2.0-Strategie. Fazit: Auch wenn an Twitter, Facebook und Co. heute mittlerweile keiner mehr vorbeikommt, gibt es kein einheitliches Web 2.0-Erfolgsrezept. Jedes Unternehmen müsse seinen eigenen Weg  finden. Fest steht: Social Media Plattformen sind eine ideale Möglichkeit, sich darüber informieren, was die Zielgruppe treibt, wonach sie sucht und was sie will.

Doch bevor sich ein Unternehmen bei Facebook oder Twitter anmeldet,  sollte es vorher folgende Fragen klären: Was beziehungsweise wen will ich mit meinem Social Media Konzept erreichen? Soll der Social Media Account eher die Kundensicht oder Unternehmenssicht abbilden? Welchen Umgangston wähle ich (Duzen oder Siezen)?

Ein Unternehmen, das auf Social Media Plattformen aktiv ist, kann dadurch nicht nur sein Image verbessern, sondern auch den Erfolg seiner Kampagne messen, Kunden näher an sich binden und neue Käuferschichten finden.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie Lufthansa, Coca Cola und Dr. Oetker das Web 2.0 nutzen

Web20-Award

Lufthansa: Gewinner des Web 2.0-Awards auf dem Web 2.0-Kongress in Frankfurt/Main. (Foto: Christiane Stagge)

Ein voller Erfolg: Das eigene Haus online weihnachtlich schmücken.

Ein voller Erfolg: Das eigene Haus virtuell schmücken.

Lufthansa: Twitter als Support-Kanal

Neben Facebook, Xing und anderen Plattformen hat die Lufthansa AG vor allem Twitter für sich entdeckt: Das Luftfahrtunternehmen nutzt die Microblogging-Community, um über aktuelle Preise zu informieren und Hilfestellungen bei Probleme wie Streiks oder Wetterchaos zu geben. Wie Marcus Casey, Leiter E-Commerce und Mobile von der Lufthansa AG anhand von Zahlen belegte, steigen bei Unregelmäßigkeiten im Flugverkehr die Zugriffe auf Twitter. Als  kürzlich die Aschewolke über Europa für Flugausfälle sorgte, habe man Twitter erfolgreich als Informationskanal und Supportkanal einsetzen können, der Hilfestellung im Einzelfall auf die Tweets gab – und sogar aktuellere Informationen bieten konnte als manche Lufthansa-Hotline. Twitter diene für das Luftfahrtunternehmen daher als Dialogmedium und Informationskanal, aber auch als Trend- und Stimmungsbarometer.

Coca Cola: Freikarten für Fußballfans

CocaCola startete zur EM 2008 im SchülerVZ eine ganz besondere Aktion: SchülerVZ-Mitglieder konnten Freikarten für ein Fußballspiel gewinnen. Voraussetzung: Jeweils zwei Fußballfans von zwei miteinander konkurrierenden Mannschaften (beispielsweise FC Bayern – HSV) mussten sich zusammenfinden, um über den Fan Fair Generator zwei Freitickets zu gewinnen. Diese Aktion zählte bis zu 60.000 Teilnehmer. Insgesamt haben sich 54.000 Fanpaare gefunden.

Dass zu Weihnachten der CocaCola Xmas-Truck durch die deutschen Städte fährt, ist  bekannt. Sehr erfolgreich war auch die Weihnachts-Aktion auf Youtube und SchülerVZ, auf der Nutzer virtuell ihre Häuser oder Wohnungen mit Weihnachtsbeleuchtung bestücken konnten.  Die Aktion zählte über 1,5 Millionen Visits. Rund 210.000 Häuser wurden „dekoriert“.

Dr. Oetker: Individualität zählt

Dr. Oetker ist führender Hersteller von Backartikeln, Backmischungen und Fertigpizzen. Der Lebensmittelhersteller setzt auf eine eigene Online-Community: der Rezeptwiese. Auf der Rezeptwiese tummeln sich mittlerweile rund 15.000 Mitglieder, die sich bislang schon  45.000 Rezepte ausgetauscht haben. Über den immensen Erfolg und der hohen Reichweite von Facebook sei sich Dr. Oetker durchaus im Klaren, so Martin Stodolka, Leiter Marketing Kundenbindung. Da Dr. Oetker jedoch andere Rezepturen und Produkte in Deutschland verkaufe als beispielsweise in der Türkei, setze das Unternehmen auf Individualität und eigene Online-Communities. Auch über eine iPhone App können Hobbyköche mittlerweile Rezepte nachkochen.

Fazit: Vieles noch zu kompliziert

Entscheidet sich ein Unternehmen dazu, Facebook oder Twitter einzusetzen, muss es nicht nur im Vorfeld klären, was es damit erreichen will. Auch die internen Rahmenbedingungen müssen geklärt werden: Welcher Mitarbeiter soll welche Inhalte bloggen? Wo gibt es Restriktionen? Wie kann man Blogs, Webseiteninhalte und Twitterprofile am sinnvollsten miteinander verknüpfen?

Rolf Schmidt-Holz, CEO von Sony Music Entertainment empfiehlt, Mitarbeiter, die bloggen oder twittern sollen, nicht allzu viele Restriktionen aufzuerlegen, damit sie motiviert bleiben. Viele Enterprise 2.0-Plattformen seien jedoch noch zu kompliziert. Ähnlich wie beim iPhone zähle auch hier einfache Bedienung und Übersichtlichkeit.

Coca_Cola_SchülerVZ

Coca Cola brachte Fußballfans auf SchülerVZ zusammen

Tags: , ,

Leave a Reply