M2M: Erst Business Cases bringen das Geschäftvolumen

7. Mai 2013 von Andreas Schmitz 0

Foto: Nataliya Hora - Fotolia

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Sensoren kosten wenig, Hardware auch, dazu wird die drahtlose Datenübetragung immer schneller: Beste Voraussetzungen also, um Maschinen mit Maschinen sprechen zu lassen. Der Überzeugung ist Evan Schultz, Director Global Solutions Partners bei SAP. Von 2010 bis 2015 soll laut aktueller Prognosen nicht nur der Umsatz im M2M-Bereich von 2,7 auf 7,7 Milliarden US-Dollar wachsen, auch die umgesetzte Datenmenge steigt im gleichen Zeitraum von 1,8 auf 7,8 Zetabyte. Da ist es nur logisch, dass Softwarekonzerne wie SAP an diesem Geschäft teilhaben wollen. Den Schlüssel sieht Schultz in SAP HANA, jener Technologie, die die Verarbeitung von Daten enorm beschleunigt und von Cloud-, Analytics-, Mobility- bis hin zu ERP-Anwendungen eingesetzt wird. Bedenkt man, dass etwa ein Mähdrescher von John Deere die Leistungsfähigkeit von acht PCs mitbringt, um sein Tagesgeschäft zu erledigen und die Ernte zu analysieren, ist das Thema M2M nicht mehr fern.

Dennoch: M2M ist nach Ansicht von Peter Friess, bei der Europäischen Kommission in Brüssel für Innovationsthemen zuständig, vor allem ein Stück Zukunftsmusik. „Vom Konzept her funktioniert es nicht“, meint Friess auf einer Konferenz des Münchener Kreises in München. „Es gibt keinen unique code – kein Standard, über den die Geräte miteinander sprechen können“. Ganz zu schweigen von einem global verbindlichen Standard. Entsprechend klappt es noch nicht mit dem Austausch der Daten, der Interoperabilität.

John Deere als M2M-Vorreiter

Lösungen, die aktuell auf den Weg gebracht werden, sind Einzellösungen. Ob John Deere zusammen mit SAP dafür sorgt, dass jede Landmaschine rechtzeitig in die Wartung kommt, einen Ölwechsel macht oder den Reifen wechseln lässt, oder der Einzelhändler REWE per Knopfdruck weiß, wo jeder einzelne Joghurtbecher gerade „steckt“ oder ein Feuchtigkeitssensor im Mutterboden der Topfpflanze auf dem Smartphone den Besitzer alarmiert, sobald die Erde zu trocken wird oder Konsumenten per „smart metering“ direkt per App erfahren, wie viel Energie die Waschmaschine, der Toaster oder eine Kaffeemaschine „fressen“: Die Lösungen sind sinnvoll, aber Einzellösungen.

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„Was noch fehlt, ist die End-to-End-Verknüpfung der Geräte“, bestätigt auch Stefan Ferber, für M2M bei Bosch Software Innovations zuständig, „die Software- und Steuerungshierarchien passen noch nicht zusammen.“ Programmierung und Maschinenbau sprechen also noch dürftig miteinander. Allerdings rüstet sich Bosch für den Weg in das so genannte Web 3.0. Nachdem sich im Web 2.0 Menschen miteinander vernetzen, sind nun die Maschinen dran. Entsprechend hat Bosch ein eigenes Systemhaus – das Bosch Software & Systems House – am Start, das sich um die „letzte Bastion, die embedded systems“ kümmern soll.

Dabei sieht Ferber einige Herausforderungen, die nicht nur in seiner Hand liegen. Neben technischen Unwägbarkeiten (auf dem Land etwa ist nicht gewährleistet, dass es einen schnellen DSL-Anschluss gibt) sind es eher organisatorische, die dem Director Communities und Partner Networks zu schaffen machen. Die Ideen für neue Lösungen könnten, so seine Erkenntnis, nicht Top-Down verordnet werden. Vielmehr ist ein Wechselspiel in der Governance von unten nach oben und von oben nach unten nötig. „Beide stehen auf einem Tennisplatz“, bemerkt Ferber. Ideen also sind gefragt, und neue Strukturen, die das zulassen. „Eine Start-Up-Kultur fehlt in Deutschland“, beklagt der Bosch-Mann.

BMW: Offene Plattform für neue Geschäftsmodelle

Die Menge an Geschäftsideen machen letztlich den Erfolg von M2M-Projekten aus. Das sieht auch Christoph Grote so. „Die Summe der Business Cases bringen das nötige Geschäftsvolumen, nicht ein einziger“, sagt der Geschäftsführer der BMW Forschung und Technik GmbH. Mit seiner „offenen Plattform“ schafft er es, vertikale Ziele aus einzelnen Branchen mit Geoinformationen zu verbinden und einen Mehrwert zu schaffen. Nicht nur im Automobilbereich, in dem sich beispielsweise allein dadurch, dass mehrere Autos auf dem gleichen Autobahnabschnitt stark herunterbremsen, durch Wimpernschlaganalyse herausfinden lässt, dass ein Stau wahrscheinlich ist und der nachfolgende Verkehr entsprechend informiert werden kann. Auch für den Agrarsektor, so Grote, seien Geoinformationen von Bedeutung. So ließen sich Ertragsinformationen mit dem jeweiligen Standort in Verbindung bringen. „Das kann sogar Bedeutung für den Terminhandel haben“, bemerkt Grote. Oder im Gesundheitsbereich: Wer allergisch auf bestimmte Pollen reagiert, nimmt im Idealfall schon kurz bevor der Pollenflug zunimmt ein entsprechendes Medikament ein. Auch hier lässt sich über eine Kopplung der Geo- und Wetterinformationen eine entsprechende Hilfestellung als Service zur Verfügung stellen.

Auch Peter Friess verspricht sich einiges von der Zukunft: Und er denkt dabei – Stichwort smart cities – an Abfall-Entsorgung, an Transportkonzepte oder den Energieverbrauch, an „smart home“, technische Unterstützung für ältere Menschen, so dass sie länger zu Hause wohnen können, oder aber an Katastrophenvorhersage – etwa von Erdbeben.

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