Soccer team in a huddle

“Ein funktionierendes Team entsteht nicht nach Schema F“

20. Oktober 2016 von Corinna Machmeier 1

Führungskräfte präsentieren ihre ganz persönliche Sicht auf die Leadership Principles der SAP. Gonzalo Benedit ist es wichtig, Vertrauen zu zeigen und Verantwortung zu übertragen.

Mit Vertrauen ist es in mancher Hinsicht wie mit einer Freundschaft: ein Geschenk, an das aber auch Verantwortung geknüpft ist”, sagt Gonzalo Benedit, Chief Operations Officer, SAP EMEA. In diesem Interview erklärt er, welche Führungsqualitäten ihn selbst in der Vergangenheit beeindruckt haben, und welche Eigenschaften Führungskräfte in der digitalen Zukunft brauchen.

Was war Ihre größte Herausforderung als Führungskraft?

Meine wahrscheinlich größte Herausforderung als Manager war der Weg zur Erkenntnis, dass ein funktionierendes Team nicht nach Schema F entsteht. Ich weiß, dass Talent ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines Jobkandidaten ist, aber im Grunde noch wichtiger ist der Wunsch, aktiv mitzuwirken und mit Elan an Aufgaben heranzutreten.

Mit der Zeit habe ich auch gelernt, wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen, um seine Mitarbeiter kennenzulernen und um zu verstehen, was sie antreibt. So kann ich ihre Stärken besser fördern. Denn im Gespräch kann ich nicht nur schon bald herausfinden, welches Wissen sie durch Erfahrung erworben haben, sondern auch erkennen, wo die  Fähigkeiten liegen, die in der Persönlichkeit verankert sind. Setzt man dort an, kann man über sich selbst hinauswachsen! Plötzlich habe ich bewusst erlebt, für welche Kollegen es förderlich war, sich jenseits ihrer Komfortzone zu bewegen. Oder wie jemand in einer neuen Rolle hervorragende Leistung brachte, obwohl dessen bisherige Aufgaben ganz andere waren.

Nicht immer ist es leicht, die Zeit zu finden, um sich auszutauschen, aber das ist der einzige Weg mit Erfolgsgarantie, um ein erfolgreiches Team aufzustellen. Mit einem solchen Team ist nichts unmöglich.

Wie schafft man Vertrauen?

Mit Vertrauen ist es in mancher Hinsicht wie mit einer Freundschaft: ein Geschenk, an das aber auch an Verantwortung geknüpft ist. An bestimmten Stellen Verantwortung abzugeben und an anderen zu übernehmen, schafft eine gesunde Vertrauensbasis. Eine direkte und offene Kommunikation auf Augenhöhe ist enorm wichtig. Sie beginnt bei einer klaren Rollenverteilung und einer ambitionierten aber realistischen Zielsetzung. Wenn man als Manager den Ideen, dem Feedback und den Fragen aus dem Team offen begegnet, kann man leicht ein Umfeld schaffen, in dem die Mitarbeiter darauf vertrauen, dass sie Unterstützung finden. Sie können sich darauf verlassen, dass ihre Führungskraft davon überzeugt ist, dass sie das Beste für sich selbst und ihre eigenen Teams tun.

Wie sollte Führung im digitalen Zeitalter aussehen?

Wir befinden uns mitten in der Vierten Industriellen Revolution. Eine Führungskraft sollte den Grundsatz vertreten: Wandel ist die einzige Konstante. Die Wahrheit ist doch, dass niemand vorhersagen kann, was in fünf, zehn oder zwanzig Jahren passieren wird. Im digitalen Zeitalter ändern sich die Dinge so schnell, dass ganze Industriezweige über Nacht vor einem Paradigmenwechsel stehen.

Offenheit und Wissbegier sind Eigenschaften, die eine großartige Führungskraft im digitalen Zeitalter auszeichnen.

Wir können nicht jeden neuen Trend, jede Innovation und jeden wirtschaftlichen Richtungswechsel vorhersehen, ganz zu schweigen von deren weitreichenden Implikationen. Glücklicherweise ist das jedoch nicht die Bemessungsgrundlage dafür, was gute Führung im digitalen Zeitalter ausmacht. Doch was ist es dann? Ich sage: Offenheit und Wissbegier Ideen gegenüber. Ich bin davon überzeugt, dass diese Eigenschaften eine großartige Führungskraft im digitalen Zeitalter auszeichnen. Innovation oder Untergang – es gibt keinen Mittelweg. Wir werden uns immer wieder selbst hinterfragen und uns darauf konzentrieren müssen, unseren Kunden echten Mehrwert zu liefern. SAP ist schon heute mit diesem Ansatz erfolgreich, weil wir unseren Kunden mit Empathie begegnen. Dennoch sollten wir dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren und es immer ins Zentrum unseres Handelns stellen. Sich agil auf neue Situationen einstellen zu können, ist essenziell. Führungskräfte sollten innerhalb der Organisation dort ansetzen, wo schnelles Handeln den entscheidenden Vorteil bringt.

Was tun Sie persönlich, um diese Führungskraft zu werden?

Als Führungskraft im digitalen Zeitalter habe ich persönlich vier Vorsätze:

  1. Jungen Kollegen etwas zutrauen: Bei SAP gibt es viele ausgezeichnete Programme, beispielsweise die „Sales and Presales Graduate Academy“, mit denen wir Nachwuchskräfte ins Unternehmen holen. Ich hatte immer wieder die Gelegenheit, mit vielen dieser Neukollegen zu sprechen. Ihre Leidenschaft, Energie und ihre Ideen sind immer wieder pure Inspiration für mich.
  2. Vielfalt wertschätzen: Diese Rechnung ist ganz einfach: je größer die Vielfalt an Persönlichkeiten, Kulturen und Erfahrungen ist, die man in sein Leben lässt, desto erfolgreicher wird man in seinem Planen und Handeln sein.
  3. Ein Mentor sein: Ich bin der Auffassung, dass Mentorship keineswegs eine Einbahnstraße ist, wo man seine Erfahrung an einen jüngeren Menschen weitergibt. Wenn ich in der Mentoren-Rolle bin, drehe ich den Spieß gerne um und frage nach Dingen, die ich noch nicht weiß.
  4. Fragen stellen: So einfach und doch nicht selbstverständlich. Gerade wenn wir erfolgreich waren, vergessen wir gerne, uns zu fragen, was wir noch besser machen können. Oft kennen wir selbst die Antwort nicht. Aber das möchten wir auf keinen Fall zeigen. Wie oben schon festgehalten kann niemand schon heute die Antworten auf alle zukünftigen Fragen haben. Was früher gut und richtig war, funktioniert vielleicht morgen schon nicht mehr. Traut euch also, Fragen zu stellen, probiert Dinge aus und habt keine Angst, Neuland zu betreten.

Wie unterstützen Sie Mitarbeiter dabei, Fähigkeiten und Kompetenzen für das digitale Zeitalter zu erwerben?

Wenn ich speziell die COO-Organisation betrachte, rate ich den Kollegen, so viel Zeit wie nur möglich mit dem Kunden zu verbringen. Dafür müssen wir zunächst eng mit anderen Bereich innerhalb der SAP zusammenarbeiten, um Erfolge zu replizieren, Anforderungen genau zu erfassen und Verbesserungspotenzial zu erkennen. Anschließend heißt es raus auf die Straßen und zum Kunden vor Ort.

Wir profitieren von der Vielfalt, weil wir aus einer Bandbreite an Erfahrungen und Wissen schöpfen können.

Es warten viele spannende Dinge auf uns da draußen. Je genauer wir die Welt unserer Kunden kennen, desto besser können wir sie dabei unterstützen, die Weichen zum Erfolg zu stellen. Darin sehe ich unsere Verantwortung. SAP hat Lösungen für eine Vielfalt an Branchen und es gibt viele Berührungspunkte zwischen den vielfältigsten Bereichen für jeden von uns. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Vielfalt eine der größten Chancen ist, zu lernen, sich weiterzuentwickeln und offen für Neues zu bleiben. Wir alle, auch unsere Kunden, stehen vor dem digitalen Wandel. Wir profitieren von der Vielfalt, weil wir aus einer Bandbreite an Erfahrungen und Wissen schöpfen können, und das stärkt unsere Position als strategischer Ratgeber am Markt.

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