Manfred Wolf: „Interne Revision muss sein“

Feature | 3. Oktober 2008 von Ian Alexander 0

Im Jahre 2007 erschienen, beschreibt das Buch kurz und bündig das System der internen Revision und schärft das Bewusstsein, wie wichtig eine gut geführte interne Revisionsabteilung für moderne Unternehmen ist. SAP.info sprach mit Manfred Wolf, Leiter der globalen Revision (Global Internal Audit Services) bei SAP, über die Rolle des internen Revisors in internationalen Unternehmen und die direkte Kommunikation mit der Vorstandsetage.

Herr Wolf, warum ist interne Revision bei SAP so wichtig?

Im globalen Markt von heute müssen alle Prozesse und Organisationsstrukturen, interne Kontrollmechanismen sowie Risiko- und Finanzmanagement externe Vorschriften erfüllen, die sich wiederum mit den internen Richtlinien decken.

Bei der SAP AG gibt es 20 bis 25 globale Richtlinien. Unsere Branche unterliegt strengen Auflagen und Vorschriften, die alle der etwa 50.000 Mitarbeiter bei SAP befolgen müssen. Das macht die Rolle der internen Revision so wichtig.

Henning Kagermann und der Vorsitzende des SAP-Prüfungsausschusses haben unser internes Revisionsteam bevollmächtigt, im gesamten Unternehmen zur Sicherstellung der Komplianz interne Revisionen durchzuführen.

Was ist das Besondere am „Handbuch der Revision“?

Wir verfügen über äußerst nützliche Daten und beste Informationen zu diesem Thema. Der Blick auf die SAP Roadmap macht es deutlich: Planung, Vorbereitung, Berichterstattung und Wiedervorlage – zwischen jeder dieser Phasen gibt es eine Qualitätsprüfung. Das Gute an der Sache ist seine Einfachheit. Zudem bieten uns die historischen Daten von SAP eine einzigartige Fülle an Informationen, Bestimmungen, Entwicklungen und Infrastrukturen, um Rückschlüsse zu ziehen.

Was hat Sie zu diesem Buch inspiriert?

Nachdem wir vor einigen Jahren die Global Internal Audit Services (GIAS) Roadmap erstellt hatten, stellten wir fest, dass eine Dokumentation des internen Revisionsprozesses nötig war. Schon bald war klar, dass hier ein Weg sinnvoll wäre, der auch eine Veröffentlichung möglich macht. Denn: Auf dem europäischen und deutschen Markt gibt es nur wenige Bücher, die sich mit den Eigenheiten und Prozessen interner Revision aus Sicht der Konzernrevision beschäftigen.

Unser eigentliches Ziel war es, ein Gerüst zu erstellen, mit dem wir kontinuierlich die Position der internen Revision für die Zukunft entwickeln können. Die Pflichten des internen Revisors haben sich geändert und werden sich auch weiterhin ändern – wir wollten dazu das A und O zu Papier bringen.

Wie schaffen Sie es, bei der Beurteilung des eigenen Unternehmens objektiv zu bleiben?

Der jährliche GIAS-Revisionsplan leitet sich in der Hauptsache von der Risikoeinschätzung ab, die bis hin zu den einzelnen Prüfobjekten durchgeführt wird – also auf der Ebene von Kunden, Abteilungen und Produkten. Vierteljährlich prüfen wir den Revisionsplan und die Kapazität und Verfügbarkeit jedes einzelnen Revisors. Während der Prüfungen agiert das SAP-Revisionsteam anhand von standardisierten Qualitätskontrollen.

Unabhängige Parteien beurteilen dabei nicht nur die Arbeit von SAP, sondern auch die Qualität und die Leistung eines jeden internen Revisors.

Was macht eine erfolgreiche interne Revisionsstrategie aus?

In erster Linie sind es die Menschen. Das erste interne Revisionsteam bestand aus acht Personen, die direkt an den kaufmännischen Geschäftsführer von SAP berichteten. Heute sind wir eine weltweit agierende Organisation innerhalb von SAP – mit 30 Mitarbeitern mit Berichtswegen aus Amerika, Europa und Singapur.

Die laufende Aufgabe des Managementteams ist es, nach geeigneten Kandidaten Ausschau zu halten. Im Hinblick auf unsere Personalentwicklung haben wir einen sehr transparenten Karriereweg geschaffen.

Sobald Kandidaten ausgewählt sind, beginnen diese als „Internal Auditor“; nach zwei Jahren werden sie in der Regel zu „Senior Auditor“ befördert und nach einem weiteren Jahr erfolgreicher Prüfungen können sie zum „Global Auditor“ aufsteigen. Diese Abteilungsstruktur ermöglicht es einem „Global Auditor“ in den USA, selbstsicher Details mit dem „Global Auditor“ in Singapur oder Deutschland zu besprechen und dabei betriebliche Kontinuität zu gewährleisten.

Warum ist der Prozess der internen Revision heute wichtiger als zum Beispiel noch vor zehn Jahren?

Die Komplexität der Vorschriften innerhalb des Unternehmens und die Erwartungen an die Manager und Organisationen in Bezug auf die Ordnungsmäßigkeit sind in den vergangenen Jahren exponentiell gestiegen. Das hängt nicht zuletzt mit dem Sarbanes-Oxley Act und dem weltweit höheren Bewusstsein für Wirtschaftskriminalität und Korruption zusammen.

Interne Revision ist zum Muss geworden, um ein verlässliches Umfeld für interne Kontrollen zu gewährleisten. Ohne diese kann es zu einem potenziellen Vertrauensverlust auf Gesellschafterebene kommen, den sich kein Unternehmen leisten kann. Und ohne es zu wissen, verlassen sich auch Kunden darauf, dass interne Revisoren die Produktentwicklung und Qualitätssicherung beurteilen und eine generell nachhaltige Funktionalität aller SAP-Software gewährleisten.

Was sind die schlimmsten Fehler, die Unternehmen bei der Einführung einer internen Revision machen können?

Manche Unternehmen machen Fehler in der organisatorischen Verankerung der Innenrevision. Ich kenne Fälle, in denen die Innenrevisoren an andere Vorstandsbereiche außer dem CEO berichten oder Abteilungen prüfen, die sie mit aufgebaut haben. Dadurch fehlt ihnen häufig die nötige Neutralität, Risiken beim Namen zu nennen.

Mehr über die Bedeutung des Revisors im Zeitalter von Globalisierung und virtueller Arbeitswelt lesen Sie in der aktuellen SAP Spectrum!

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