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Medizin mit wachsender Durchschlagskraft

10. März 2016 von Carmen Peter 0

Eine SAP-Veranstaltung zum Thema personalisierte Medizin zeigte, wie der Patient und sein genetisches Profil bei Prävention, Diagnostik und Behandlung zunehmend in den Vordergrund rückt, auch dank SAP-Technologie.

Vor einigen Jahren zeigte ein Museum den Besuchern ihrer Ausstellung anhand eines interaktiven Fragebogens, wie einzigartig sie sind. Schon nach wenigen Fragen zu Augen- und Haarfarbe oder Zungenrollen, die mit allen bisherigen Ausstellungsbesuchern verglichen wurden, war man ganz schnell nicht mehr einer von Tausenden, sondern der oder die Einzige mit dieser Merkmalskombination. Was dieses simple Beispiel verdeutlicht, lässt sich in der Medizin dank der Entschlüsselung des Erbguts und modernster Sequenziermethoden („Next-Generation Sequencing“) inzwischen sogar praktisch nutzen. Denn wie die Analyse der genetischen Parameter eines einzigen Patienten zeigt, ist jede Krankheit so einzigartig und individuell wie der Kranke selbst.

Diese Tatsache veranlasste das Heidelberger Unternehmen Molecular Health GmbH dazu, in Zusammenarbeit mit SAP und klinischen Instituten eine sogenannte „Treatment Decision Support Software“ zu entwickeln, die unter anderem im Rahmen des SAP-Pilotprogramms COPE (Corporate Oncology Program for Employees) krebskranken Mitarbeitern Zugang zu einer kostenfreien, genetischen Tumoranalyse und -auswertung ermöglicht. Anlässlich einer Veranstaltung zum Thema personalisierte Medizin stellten Dr. Alexander Picker und Dr. Rudolf Caspary von Molecular Health zusammen mit Dr. Werner Eberhardt und Michael Schaper (SAP P&I Personalized Medicine) sowie Sabine Patsch (SAP Global Health Management) das gemeinsame Projekt und Fortschritte bei der Zusammenarbeit vor.

Mit SAP HANA gegen Krebs

Die SAP befasst sich bereits seit über zwanzig Jahren mit Software im Bereich Gesundheitswesen, wie Michael Schaper, Vice President der P&I Industry Cloud – Healthcare betont. Lange lag der Schwerpunkt jedoch eher auf dem administrativen Bereich. Erst in den letzten Jahren fokussiert sich SAP zunehmend auch auf medizinische Anwendungen. Eine wachsende Flut an Informationen, die man als einzelner Mediziner nicht mehr überblicken kann und die Kostenexplosion im Gesundheitswesen einer alternden Bevölkerung zeigen den dringenden Bedarf an Lösungsansätzen. Erschwinglichere Analyseverfahren und technische Weiterentwicklungen eröffnen dabei neue Perspektiven. „Die Möglichkeiten, die die moderne Technologie schafft, sind schier endlos“, meint Schaper hoffnungsvoll.

Eine stetig verbesserte Datenanalyse, ein verstärkter Informationsaustausch zwischen Fachleuten, aber auch ein verbesserter Dialog mit immer mündigeren Patienten stehen dabei im Vordergrund. Die SAP HANA-basierte Plattform „SAP Foundation for Health“ versucht diese Aspekte zu vereinen. Mit ihr kann ein Arzt schnell auf eine Vielzahl Daten zugreifen, was eine genaue Bündelung und Gruppierung von Patienten ermöglicht und gleichzeitig unnötige Informationsverluste durch Lücken zwischen Systemen verhindert. Neben SAP haben sowohl Kunden als auch Partner die Möglichkeit, über Schnittstellen eigene Anwendungen als oberste Schicht auf der Plattform zu entwickeln, wie die prämierte App zur Patientenverwaltung „SAP Medical Research Insights“ oder die SAP-Diabetes-App zeigen. Dadurch ist nahezu alles denkbar, wie zum Beispiel eine App für Multiple-Sklerose-Kranke, deren Zustand man täglich von zu Hause abfragen könnte, um bei Problemen umgehend reagieren zu können. Bislang geht das nur durch regelmäßige Arztbesuche. In Zukunft wird jeder Mensch so vielleicht sogar seine eigene Krankenakte mobil verwalten können.

Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) nutzt die SAP Foundation for Health bereits im Rahmen der CancerLinQ Initiative, um dem Krebs, auch mit Hilfe von SAP HANA, die Stirn zu bieten. Dies gilt auch für die Zusammenarbeit mit Molecular Health, wo die individuelle Tumorauswertung mit Molecular Healths Software unter Verwendung von SAP HANA gezieltere, sicherere, effektivere Behandlungsmöglichkeiten erlauben soll. Denn „vieleTumorbehandlungen  könnten durch Genanalysen des Tumors eine verbesserte Wirkung zeigen“, so Dr. Alexander Picker.

75 Prozent der Tumorbehandlungen sind nicht effizient genug

Hauptgrund dafür ist Pickers Ansicht nach die Tatsache, dass Ärzte ihren Krebspatienten Therapien anhand allgemeiner Standards verordnen. Doch dafür ist die Erkrankung zu komplex und die individuellen Unterschiede zwischen Patienten sind zu wichtig, und so bleiben viele  Therapien hinter den Erwartungen zurück. Das war der Bewegrund für Molecular Health, eine Software zu konzipieren, die eine Vielzahl von Daten aus der Genanalyse des Patienten mit anderen gesundheitsbezogenen Daten bündelt und auswertet. Dadurch kann der Arzt genau sehen, welche genetischen Mutationen und Wechselwirkungen vorliegen, die bestimmte Medikamente möglicherweise unwirksam machen oder sogar schädlich werden lassen. Das verspricht eine erhöhte Genauigkeit der Behandlung von Anfang an, wie die Begriffe Präzisionsmedizin oder personalisierte Medizin unterstreichen.

Dafür werden zunächst gesunde und krankhaft veränderte Proben genetisch analysiert, wie Dr. Rudolf Caspary veranschaulicht. Ein Vorgang, der eine ungeheure Rechenkapazität erfordert und trotz der Verarbeitungsgeschwindigkeit von 500 MB pro Sekunde bisher noch sechs Tage in Anspruch nimmt. Ein Abgleich gesunder und veränderter Proben gibt so Aufschluss über alle vorliegenden Mutationen. Mit Hilfe von Molecular Healths Software unter Verwendung von SAP HANA wird  das Resultat anschließend automatisch mit allen aktuell und weltweit verfügbaren, relevanten biomedizinischen Informationen verglichen, interpretiert und so aufbereitet, dass ein Arzt diese verwenden kann. So ergibt sich ein detailliertes Bild darüber, welche bereits erfolgreich durchgeführten Behandlungen auf den vorliegenden Fall übertragbar sind und welche nicht. Diese Herangehensweise ist dem bisherigen Prinzip, bei dem nur wenige allgemeine, statistisch ermittelte Parameter auf den Patienten angewandt werden, weit überlegen. Im Zusammenspiel mit weiteren Gesundheitsdaten unterstützt die Software einen Arzt dabei, alle vorliegenden Informationen schließlich zu einem individuellen Behandlungsvorschlag zu komprimieren.

Es ist die gelungene Synthese aus Technologie, Medizin und persönlichem Engagement von Instituten und Firmen wie Molecular Health und SAP, die dazu führen soll, dass der Patient als Individuum weiter in den Vordergrund rückt. Angesichts der berechtigten Hoffnung auf verbesserte Heilungs- und Überlebenschancen, ist dieser Weg nur zu begrüßen.

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