Mehr Zeit für Analysen und die Unternehmenssteuerung

Feature | 13. Oktober 2003 von admin 0

Wachsende Passagierzahlen und begrenzte Start- und Landekapazitäten der Flughäfen kennzeichnen die zivile Luftfahrt. Die Schätzungen differieren, doch bezogen auf 1995 dürfte sich bis 2010 sowohl die Anzahl der transportierten Passagiere als auch das Frachtaufkommen nahezu verdoppeln. Die Folge: Große Flugzeuge sind gefragt. Airbus beispielsweise entwickelt deshalb den A380, das mit über 650 Plätzen größte Passagierflugzeug der Welt. Die Auslieferung des Typs A380 ist für das Jahr 2007 geplant, ein Erstflug soll 2005 stattfinden.
Diese Pläne haben auch Auswirkungen für die Aircabin GmbH. Das Tochterunternehmen der Airbus Deutschland GmbH ist Europas führender Hersteller von Flugzeuginnenausstattungen und Luftführungssystemen. Aircabin beliefert überwiegend Kunden aus der zivilen Luftfahrt. Die Produkte von Aircabin finden sich in allen Airbus-Flugzeugtypen, wie zum Beispiel im Single Aisle Programm die A318, A319, A320, A321 sowie die Long Range Programme A330 und A340. Im Geschäftsjahr 2002 hat das Unternehmen mit knapp 800 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 158 Millionen Euro erwirtschaftet.

Ausbau der Fertigung steigert Anforderungen an das Berichtswesen

Als Systemlieferant von Airbus entwickelt und produziert Aircabin nun auch die Kabinenausstattung für den Airbus A380. Weil dieses High-Tech-Flugzeug deutlich größer ist als bisherige Modelle, muss Aircabin die Produktionskapazitäten erweitern. “Um das höhere Auftragsvolumen wettbewerbsfähig abwickeln zu können, investieren wir in neue Hallen und in einen verbesserten Fertigungsprozess”, erklärt Peter Zehrer aus dem Bereich Information Systems bei Aircabin.
Doch damit alleine ist es nicht getan. Durch den A380-Großauftrag steigen auch die Anforderungen an das Berichtswesen. “Gerade in dieser Phase der Unternehmensexpansion benötigen wir ein durchgängiges und aktuelles Reporting auf Basis verlässlicher Daten. Nur so sind wir in der Lage, Geschäftsprozesse effizienter zu steuern und enge Lieferzeiten einzuhalten”, ergänzt Christoph Wieczorek aus dem Controlling von Aircabin.
Das bisherige Berichtswesen war dezentral organisiert und umfasste unter anderem die Bereiche Einkauf, Fertigung, Qualitätssicherung, Vertrieb, Entwicklung sowie Finance & Controlling. Mehrere Abteilungen waren am Reporting-Prozess beteiligt und lieferten entsprechende Daten. Diese Praxis war jedoch zeitaufwändig und erfüllte die gestiegenen Anforderungen nicht. Hinzu kommt, dass Aircabin stärker in den Airbus-Konzern eingebunden wird und damit die Reporting-Anforderungen zusätzlich steigen.

Leichte Integration und Investitionssicherheit

Aircabin suchte nach einer geeigneten Reporting-Lösung, die es allen relevanten Stellen ermöglicht, ihre Daten schnell und flexibel auszuwerten. “Für SAP BW sprach die leichte Integration mit dem vorhandenen SAP-R/3-System, das durchgängig die Daten für die Berichte zur Verfügung stellt”, erläutert Zehrer. Aircabin bedient sich seit 1998 – bis auf das Modul Human Resources – aller SAP-R/3-Komponenten und bildet mit der ERP-Lösung den kompletten Geschäftsprozess ab.
Bei IT-Entscheidungen legt Aircabin großen Wert auf Investitionssicherheit. “SAP BW war für uns auch deshalb erste Wahl, weil die Lösung sowohl strategisch als auch operativ langfristig tragfähig ist”, so Zehrer weiter. Ein weiteres Argument für SAP BW war der mitgelieferte Business Content. Er stellt vordefinierte Berichts- und Analyseszenarien sowie Standardextraktoren bereit. “Der Business Content ersparte es uns, eigene Extraktoren zu schreiben”, so Wieczorek, “dies beschleunigte und vereinfachte die Einführung von SAP BW.”
Die Implementierung von SAP BW startete im Dezember 2001. Aircabin verwendete dazu das Vorgehensmodell auf Basis des SAP Business Blueprints und begann mit den Daten aus dem Finanz- und Rechnungswesen. Entsprechende Berichte sind seit Juni 2002 verfügbar. Seit Februar 2003 werden zudem Daten aus der Materialwirtschaft und dem Qualitätsmanagement ausgewertet. Kompetente Beratung und Unterstützung während der gesamten Projektlaufzeit leistete die Firma eNovation GmbH, ein Beratungshaus, das sich auf den Bereich Business Intelligence sowie die Erstellung webbasierter Management Cockpits spezialisiert hat.

Wachsende Eigenverantwortung

SAP BW wird derzeit von Mitarbeitern aus dem Controlling sowie von allen Kostenstellenverantwortlichen genutzt. Rund 15 MS-Excel-erfahrene Key User arbeiten mit dem Business Explorer (BEx), dem Frontend von SAP BW. Etwa 45 Info User greifen über Web Reporting oder den BEx online auf Kostenstellenberichte zu, aufwändiges Ausdrucken und Verteilen entfällt. Ein Berechtigungskonzept stellt sicher, dass Anwender nur die sie betreffenden Daten erhalten. Die Unternehmensbereiche haben nun mehr Eigenverantwortung für ihre Zahlen, sie sind aber auch unabhängiger, da sie Berichte selbständig herausziehen und nutzen können.
SAP BW bildet alle Kostenstellen beziehungsweise Kostenträger ab und liefert die Strukturen für ein unternehmensweit gültiges Berichtswesen. Durch die Verlagerung des periodischen Reporting in SAP BW, etwa die monatliche Berichterstattung gegenüber der Geschäftsleitung und Airbus in Toulouse, findet in den einzelnen SAP-R/3-Komponenten nur noch das operative Reporting statt. Diese Trennung ist sinnvoll, damit permanente Datentransporte in das SAP BW entfallen, um ein operatives Reporting, beispielsweise bezüglich des augenblicklichen Produktionsstatus einer Liefereinheit, durchzuführen. Hiermit wird auch gewährleistet, dass die Performance des SAP R/3 unverändert bleibt. Zudem hat SAP BW die bisherige Access Datenbank abgelöst: Aircabin besitzt jetzt unternehmensweit eine einheitliche Datenbasis.
“Dank SAP BW sind unsere Daten heute tages-, wochen- und monatsaktuell im System”, bilanziert Christoph Wieczorek, “Auswertungen, die zuvor bis zu drei Wochen dauerten, liegen bereits drei Tage nach Ultimo vor.” Heute erstellt Aircabin mit SAP BW Berichte zu den Unternehmenskennzahlen Kostenträger- und Kostenstellenrechnung, Ergebnisrechnung, Bilanz, Finanzbuchhaltung sowie dem Einkauf. Standardberichte werden nur einmal erstellt und stehen dann auf Knopfdruck zur Verfügung. SAP BW hat auch die monatliche Berichterstattung an die Konzernzentrale in Toulouse beschleunigt und vereinfacht.

Mehr Zeit für Analysen

“Wir profitieren mit SAP BW vor allem von flexiblen Auswertungsmöglichkeiten und konsistenten Zahlen”, fährt Wieczorek fort, “die Controller verbringen jetzt weniger Zeit damit, Daten aus verschiedenen Quellen zu sammeln. Sie können somit die Schwerpunkte auf die Datenanalyse legen und verstärkt die Steuerung des Unternehmens unterstützen.” Ein weiterer Vorteil der neuen Reporting-Lösung: Mit SAP BW hat Aircabin notwendige Vorarbeiten geleistet, um die Befüllung der Konzern-Konsolidierungssysteme automatisiert durchzuführen.
Im April 2003 vollzog Aircabin den Release-Wechsel auf SAP BW 3.1. Der zusätzliche Business Content erlaubt künftig auch im Bestandscontrolling aussagekräftige Auswertungen auf Belegebene. Aircabin kann so darauf verzichten, das Logistikinformationssystems (LIS) in SAP R/3 zu verwenden, das nur eine Datenauswertung auf Merkmalebene erlaubt. Zudem baut Aircabin das Management Cockpit auf, das den Entscheidungsträgern anschaulich aufbereitete Daten liefert: Manager können sich zum Beispiel mit Ampelgrafiken schnell über die Unternehmensentwicklung informieren.

Unternehmen komplett abbilden

“Unser Ziel ist es, alle SAP-R/3-Komponenten in SAP BW abzubilden”, schildert Peter Zehrer, “im nächsten Schritt integrieren wir deshalb die SAP-R/3-Komponenten für Vertrieb, Produktionsplanung und Projektsystem in SAP BW.” Im dritten Quartal 2003 plant Aircabin, SAP BW auch für das Einkaufscontrolling verfügbar zu machen.
Die Zahl der Anwender wird deshalb weiter steigen: Bis Ende 2003 sollen rund 40 Key User mit SAP BW arbeiten. Zudem werden weitere Info User das Reporting-System nutzen. “Bis die neuen Pläne umgesetzt werden, sollen die Anwender Routine im Umgang mit SAP BW sammeln”, schließt Christoph Wieczorek ab, “je nach Komponente schulen wir die Anwender mit DemoCubes, Testsystemen und BEx-Einweisungen.”

Udo Kessler

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