Soccer team in a huddle

Mercedes-AMG und SAP geben gemeinsam Gas

10. August 2016 von Ann-Sofie Ruf 79

Um gutes Design zu entwickeln, ist ein tiefes Verständnis für die Anwender notwendig. In einem Innovationsprojekt entwickelte AMG deswegen mit SAP Design-Konzepte in Form von klickbaren Prototypen und Storyboards.

Mercedes-AMG ist die Sportwagen- und Performance-Marke von Mercedes-Benz, die für hervorragende Qualität, ausdrucksstarkes Design und Exklusivität bekannt ist. Aber Performance ist nicht nur ein Merkmal für Fahrzeuge und Motoren. Es ist Teil der Unternehmenskultur und ein Grundsatz für viele Mitarbeiter.

„AMG hat seine eigene Kultur, einen ‚inneren Antrieb‘ für Driving Performance bei AMG. Wir sind immer auf der Suche nach dem optimalen nächsten Schritt und stellen den Status quo infrage. Das ist typisch für uns und unser Alleinstellungsmerkmal. Jeder Mitarbeiter hat diese Haltung verinnerlicht, die AMG ausmacht“, erklärt Tobias Moers, Vorsitzender der Geschäftsführung von AMG.

Erweitertes Produktportfolio und erstklassige Qualität

Als Teil der Geschäftsstrategie möchte AMG sein Produktportfolio erheblich erweitern und gleichzeitig die erstklassigen Qualitätsstandards beibehalten, die das Unternehmen auszeichnen. Dadurch hat sich im Unternehmen Verschiedenes verändert. Unter anderem führte AMG eine neue Unternehmensstruktur ein und ermöglichte bereichsübergreifende Zusammenarbeit, damit jedes Mitglied eines multidisziplinären Teams dazulernen kann.

AMG erkannte jedoch, dass organisatorische Veränderungen nicht ausreichen. Die Standardsysteme, die zurzeit für die Planung und Dokumentation der Automobilfertigung verwendet werden, sind nicht auf die individuellen Anforderungen von AMG zugeschnitten. Das hat Führungskräfte, Koordinatoren und Techniker dazu veranlasst, unabhängig voneinander nach Alternativen zu suchen. Deshalb lagen auch die Informationen, die zum Planen und Koordinieren der Arbeit während des mehrstufigen Fertigungsprozesses nötig sind, nur bruchstückhaft vor und der Aufwand, diese zu speichern oder zu finden, war unverhältnismäßig hoch.

Daraufhin entschied sich AMG, gemeinsam mit SAP an einer individuellen Planungslösung zu arbeiten, die die Effizienz während des Herstellungsprozesses steigern und die neue Unternehmensstruktur unterstützen sollte.

„Bernd Leukert überzeugte mich davon, dass SAP die nötige Innovationskraft und die richtige Technologie besitzt, um eine benutzerfreundliche Software zu entwickeln“, erinnert sich Tobias Moers. So kam das SAP Design & Co-Innovation Center (DCC) ins Spiel und das Projekt mit Schwerpunkt Design begann.

Origami, Comics und Design

Um das Design für eine kundenindividuelle Lösung entwickeln zu können, ist ein tiefes Verständnis für die derzeitigen Prozesse und Herausforderungen der Endanwender notwendig. AMG war sich dessen bewusst und setzte sich mit dem SAP DCC zusammen, um einen umfassenden Rechercheplan auszuarbeiten.

Sie organisierten Workshops beim Kunden vor Ort und definierten verschiedene Nutzerrollen, um ein grobes Verständnis für den Planungsprozess in den Fachbereichen zu erhalten. Um die aktive Beteiligung zu erhöhen und die während der Sitzungen gesammelten Informationen besser strukturieren zu können, nutzte das DCC das sogenannte Businessorigami, eine Design-Methode zur Abbildung von Prozessen. Diese Workshops halfen den Beteiligten dabei, die Anforderungen und Aufgaben ihrer Kollegen nachzuvollziehen und ein Bewusstsein für verschiedene Planungsverfahren in den Teams zu schaffen.

„Der designorientierte Innovationsprozess im SAP AppHaus war ausschlaggebend dafür, dass wir die Beziehung zwischen unserem Unternehmen und SAP neu definiert haben“, so Dirk Zeller, IT-Consulting-Leiter bei AMG. „Die Workshop-Teilnehmer lernten so viel und – was noch viel wichtiger ist – sie entwickelten ein umfassendes Verständnis füreinander und das hilft ihnen wiederum bei ihrer täglichen Arbeit.”

Das DCC befragte außerdem mehrere Endanwender. Die Auswertungen ergaben, dass die Ursache für die Probleme in der Projektplanung nur zur Hälfte an der Software liegt. Der Rest waren organisatorische Herausforderungen, die jeder zu kennen schien, aber nie ansprach. Diese Erkenntnisse wurden in Form humorvoller Comics aufbereitet und waren schließlich ausschlaggebend für die Entwicklung einer neuen Software.

Mit einem partizipativen Design-Ansatz wollte das DCC mehr über die Ideen und Erwartungen der Endanwender an künftige Software erfahren. Einige hatten schon jahrelang mit statischen Lösungen gearbeitet und deshalb bereits ein genaues Bild vor Augen, wie eine Anwendung zur Projektplanung aussehen sollte.

„AMG hat sich wirklich vorbildlich für dieses Projekt engagiert. Von Beginn an stand der Anwender im Mittelpunkt und das sieht ein Designer bei Kunden nicht sehr oft. Wir mussten AMG nicht erst davon überzeugen, dass der Austausch mit den Benutzern der Software entscheidend ist. Wir haben immer an einem Strang gezogen“, erzählt Karen Detken vom DCC.

Im Laufe der Zusammenarbeit kristallisierte sich heraus, dass das Design der Anwendung eine Herausforderung darstellte und der gesamte Planungsprozess neu festgelegt und verbessert werden musste.

Agiles Design und Entwicklung durch Iterationen

„Design ist kein geradliniger Prozess, sondern man nähert sich dem Ergebnis in mehreren Runden. Je mehr Runden man dreht, umso besser wird das Endprodukt“, erklärt Thomas Biedermann vom DCC. Während der Erfassungsphase des Projekts wurden mit Konzeption, Ausarbeitung und Umsetzung die drei wichtigsten Stufen des Planungsprozesses definiert. Diese Unterscheidung half dabei, die Design-Phase im Projekt zu strukturieren.

Allerdings nützt das beste Design nichts, wenn die Implementierung nicht möglich ist. Deshalb zog das DCC SAP Custom Development hinzu, um gemeinsam eine umsetzbare Lösung zu finden.

„Wir konzentrierten uns zunächst auf die Konzeptionsphase des Planungsprozesses und erstellten unterschiedliche Rollen für alle Beteiligten. Gemeinsam mit dem Projektteam des Kunden, SAP-Designern und -Entwicklern legten wir zu Beginn der Planung die wichtigsten Ziele für die Rollen fest. Dann lag unser Schwerpunkt darauf, wie wir die Anwender am besten beim Erreichen dieser Ziele unterstützen können“, beschrieb Moritz Gekeler vom DCC die Vorgehensweise.

AMG, Custom Development und das DCC einigten sich auf eine schnelle iterative Design- und Entwicklungsphase. SAP entwickelte einmal wöchentlich Design-Konzepte in Form von klickbaren Prototypen und Storyboards, die Endanwender beim Kunden testeten. Deren Feedback floss in Design und Entwicklung ein und so erzielten die Innovationspartner immer bessere Ergebnisse. Bei jeder Iteration verstand der Kunde zunehmend, wie flexibel der Ablauf ist. Das kam auch bei Reinhard Beyer, dem IT-Chef bei AMG, sehr gut an. „Wir sollten für die Automobilfertigung auch die Methode des DCC verwenden“, bemerkte er. Im Gegenzug lernte SAP viel über den Planungsprozess zur Automobilherstellung.

Dieser Artikel erschein ursprünglich auf der Website SAP User Experience.

Tags: , , ,

Leave a Reply