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IT-Strategie bei Mercedes-AMG

Feature | 20. Oktober 2016 von Andreas Schmitz 45

AMG ist die Sportwagen- und Performance-Marke von Mercedes-Benz und verjüngt mit besonders sportlichen Fahrzeugen seit Jahren die Marke Mercedes-Benz. Die IT hat die Aufgabe, dieses Kerngeschäft zu unterstützen.

Als der Rennsportwagen im Jahr 1971 den Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen im belgischen Spa errang, waren die Experten überrascht. Die damals unbekannten Fahrer Hans Heyer und Clemens Schickentanz düpierten mit ihrem AMG 300 SEL 6.8 prominente Konkurrenten wie Niki Lauda, Hans-Joachim Stuck und Jochen Mass. Hans-Werner Aufrecht und Erhard Melcher machten aus einem gebrauchten, früher in Stuttgart zugelassenen dunkelblauen 6.3, einen knallroten „Obendrüber-Rennsportwagen“ mit 6.8 Litern, der den Racern in Spa unmissverständlich die Leistungsfähigkeit der drei Buchstaben „AMG“ demonstrierte.

1. Strategie Mercedes-AMG: Konzentration auf Kernkompetenzen Entwicklung und Vertrieb

Die Sportwagen- und Performance-Marke AMG aus dem schwäbischen Affalterbach konzentriert sich seit jeher auf Performance. Dass der Ansatz so falsch nicht sein kann, zeigen aktuelle Zahlen der 1.400 Mitarbeiter starken Tochter der Daimler AG, die im Jahr 2015 nach eigenen Angaben über 68.000 Fahrzeuge verkauft hat – von der vollständig in Eigenregie entwickelten GT-Baureihe bis hin zu hochmotorisierten Performance-Modellen von Mercedes-Benz. „Das Kerngeschäft von Mercedes-AMG sind Entwicklung und Vertrieb“, stellt Reinhard Breyer, CIO von Mercedes-AMG kürzlich auf dem SAP Automotive Forum in Stuttgart fest. Die Affalterbacher Ingenieure sind zu einem frühen Zeitpunkt in die Entwicklungsprozesse von Mercedes-Benz eingebunden. „AMG bringt besondere Anforderungen an Performance ein, speziell hinsichtlich des Fahrwerks, einer leistungsstarken Kühlung, der Fahrdynamik, Innenausstattung und Design sowie natürlich auch des Antriebs, also des Getriebes und dem Motor“, erläutert der Chef des IT-Consultings Dirk Zeller.

2. Route 601: Ende der Komplexität in der Entwicklung

Die IT hat die vorrangige Aufgabe, dieses Kerngeschäft optimal zu unterstützen. Für IT-Consultant Zeller ist hier etwa das Planungstool „Route 601“ hervorzuheben, wobei die Ziffer 601 auf die interne Werkskennzahl zurückgeht. Das als Plattform konzipierte Tool optimiert den Entwicklungsprozess eines Fahrzeugs. „Etwa drei Jahre dauert es, bis ein Wagen fertig gestellt ist“, erläutert Zeller – vom Design über die Entwicklung, den Einkauf, die Qualitätssicherung, die Logistik, die Produktion bis hin zum Marketing und Vertrieb. Nach einem Design-Thinking-Prozess zusammen mit SAP entstand die Idee, die Produktentwicklung in mehrere einzelne interdisziplinäre Teams aufzugliedern. So ist eine Mannschaft, die etwa auf Kühlungssysteme spezialisiert ist, für dieses Bauteil über alle Fahrzeuge hinweg verantwortlich, vom Design über die Entwicklung, den Einkauf, die Qualität, die Logistik bis hin zur Produktion. Route 601 sammelt die Informationen der einzelnen Teams und konsolidiert die aktuellen Status der laufenden Projekte.

3. Mercedes-AMG: Proof of Concept für SAP HANA für die Daimler-IT

Perspektivisch geht es Dirk Zeller darum, Verantwortlichen auf allen hierarchischen Ebenen Tools zur Verfügung zu stellen, die ihnen ermöglichen, Entscheidungen schneller und effizienter zu treffen. Dass die Plattform SAP HANA dabei eine entscheidende Rolle spielt, ist einer Initiative der Daimler IT zu verdanken, die SAP HANA für sehr interessant gehalten hat und auf der Suche nach einem Proof of Concept war. „AMG war aufgrund der prozessualen Struktur gut geeignet, denn als OEM decken wir die gesamte Prozesskette der Autoentwicklung ab“, erläutert Zeller – allerdings in kleinerem Maßstab als beim Mutterkonzern. Bereits seit 2014 hat Mercedes-AMG SAP ERP powered by HANA im Einsatz und auch ein Motorenprüfstand profitiert bereits von der In-Memory-Plattform von SAP.

4. SAP S/4HANA: Pre-Checks bereits abgeschlossen

„Bei SAP ERP powered by HANA haben wir einen Code-Check gemacht, der sehr gut auch auf SAP S/4HANA vorbereitet“, bemerkt Zeller, der gerade einen Pre-Check für SAP S/4HANA gemacht hat. Das Finanzwesen, die Beschaffung sowie die Logistik standen dabei im Mittelpunkt. Hinsichtlich der Finanzprozesse verlief dieser Vortest reibungslos, doch war das allein nicht ausschlaggebend. „Uns geht es nicht darum, eine rein technische Migration auf SAP S/4HANA zu machen, sondern die grundlegenden und kritischen Funktionen für die digitale Transformation reif zu machen“, erläutert Zeller den Ansatz für sein „IT-Kerngeschäft“ – und zwar gleichermaßen in der Logistik wie in der Beschaffung und dem Finanzwesen.

„Der Pre-Check hat uns gezeigt, dass wir auf das nächste Release von SAP S/4HANA warten müssen“, sagt Zeller, der besonders auf die logistische Funktionalitäten im digitalen Kern anspielt. Mit dem Release erwartet Zeller eine „Automotive Extension“, die erstmals auch lange Materialnummern möglich macht. Die Entscheidung für SAP S/4HANA ist längst gefallen, und erste Designs werden bereits für neue Geschäftsprozesse aufgesetzt. „Das bedeutet auch einen Rückbau von selbstentwickeltem Code“, erläutert Zeller, der mit dem Go-Live für SAP S/4HANA Anfang 2018 rechnet.

5. Personal und Reise: Commodity-IT über die Cloud

Als „Commodity“ bezeichnet CIO Breyer etwa Personalprozesse und die Reiskostenabrechnung. Hier heißt das Motto: Machen lassen. Dass es sich bei den Lösungen von SAP SuccessFactors und Concur um Cloud-Anwendungen handelt, kommt IT-Consulting-Chef Zeller gerade recht. Funktionale Services, wenig bis kein Integrationsaufwand, keine eigenen Erweiterungen, regelmäßige Innovationen: Das sind die Vorteile, die im Falle von Personalfunktionen wie Recruiting und Talentmanagement bereits im Laufe des Jahres zum Zuge kommen soll. Die Gehaltszahlungen werden dabei zunächst noch über das SAP ERP HCM abgewickelt. Und auch für die Zeiterfassung ist eine andere Lösung im Einsatz.

Auch der Rollout der Reisekostenlösung von Concur ist noch in diesem Jahr geplant. Herausforderungen für den Einsatz von Cloud-Lösungen im Konzernumfeld sieht Manager Zeller weniger in der technischen Umsetzung, sondern vielmehr darin, gesetzliche Rahmenbedingungen (Compliance) einzuhalten, Verträge konform zu den bestehenden Rahmenverträgen im Daimler-Konzern aufzusetzen und die regionalen Datenschutzbestimmungen zu erfüllen.

2018, so viel scheint sicher, wird SAP S/4HANA seine Kraft auf die Straße bringen. Zusammen mit der Cloud und Lösungen der SAP HANA Cloud Platform soll die Fahrt allerdings weniger an den „Obendrüber-Rennsportwagen“ als vielmehr an die aktuellen Siegerfahrzeuge des 24-Stunden-Rennens vom Nürburgring erinnern – die Mercedes AMG GT3.

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