Metallverarbeitung erfolgreich in IT geformt

Feature | 2. November 2006 von admin 0

Porträt

Porträt

Seit mehr als 100 Jahren setzt die Johannes Steiner GmbH & Co. KG auf ihre Expertise in den Fertigungshallen. Bei der Gründung im Jahre 1903 lieferte der Familienbetrieb hauptsächlich Kleinteile für die Uhrenindustrie. Seit 1935 vertreibt das Unternehmen im In- und Ausland Spulen für Nähmaschinen, die Kaltumformung von Stahl und Edelstahl gab der Entwicklung von Steiner wichtige Impulse. Den im wahrsten Sinne des Wortes “ausgefeilten” Metall verarbeitenden Produktionsprozessen ordnete das Traditionsunternehmen IT-seitig 1998 SAP R/3 zu, schöpfte jedoch das Potenzial des SAP-Standards nicht in allen Bereichen voll aus.
“Nach einer gewissen Betriebsphase kommen fast automatisch Forderungen nach organisatorischer Durchgängigkeit oder Vereinfachung in der Abwicklung von Geschäftsprozessen auf. So stand nach der Implementierung von SAP R/3 bald eine Migration auf mySAP ERP 2004 und Themen wie E-Business oder Archivierung zur Diskussion. In der Hauptsache war es jedoch unser Ziel, mit der Migration die Geschäftsprozesse durchgängig und ohne Medienbrüche abzubilden”, erzählt Ljubinka Zmijanjac, EDV-Verantwortliche bei Steiner.

Medienbrüche kein Dauerzustand

SAP R/3 bei Steiner

SAP R/3 bei Steiner

So fallen beispielsweise in der Fertigung naturgemäß Zwischenprodukte an, die Steiner auch heute noch an den unterschiedlichsten Stellen im Betrieb zwischenlagert – über die das Unternehmen früher jedoch ohne elektronische Unterstützung den Überblick behalten musste. Ebenso beim Versand der Endprodukte: “Trotz SAP R/3 wurden gedruckte Kommissionierlisten in einzelnen Arbeitsschritten abgearbeitet und abgeglichen, nach dem Verpacken folgten Wiegen und Drucken von Lieferscheinen, Etiketten sowie Adresslabels”, blickt Frau Zmijanjac auf die nicht-integrierte PC-Lösung zurück.
Eine Sisyphosarbeit angesichts der täglichen Produktion des Unternehmens. 40 Tonnen Stahl und Edelstahl formt Steiner an den Pressen um, zusätzliche fünf Tonnen verarbeitet der Betrieb an den Drehbänken. Am Ende jeden Tages gilt es rund 1,2 Millionen Überwurfmuttern aus Stahl, 40.000 Überwurfmuttern aus Edelstahl, 220.000 Schneidringe und 30.000 Nähmaschinenspulen in unzähligen Paketen zu kommissionieren, um die Kunden termingerecht mit Ware zu versorgen.

Der Weg zur papierlosen Auftragsabwicklung

Im Juni 2005 führte Steiner daher zusammen mit dem Beratungspartner ASS.TEC GmbH eine Bestandsaufnahme der SAP-Nutzung im Unternehmen durch. Hierbei wurden zahlreiche Geschäftsprozesse mit Optimierungspotenzial identifiziert, etwa in Lagerhaltung, Verpackung und Versand, beim Import, bei der Inventur, bei der Disposition und Beschaffung, der Erlöskontenfindung, der Bilanzierung oder im Personalwesen. Mit der Migration auf mySAP ERP 2004 im Juni 2006 setzten Steiner und ASS.TEC diese Geschäftsprozesse neu um. Mit dem Warehouse-Management der ERP-Lösung beispielsweise weiß Steiner nun zu jeder Zeit, an welchem Ort und in welcher Fertigungsstufe sich das Material eines bestimmten Fertigungsauftrags befindet. Die Materialdaten werden mit Barcode-Scannern erhoben, ein Plus an Prozesssicherheit.
Den Systembruch im Versand hat Steiner mit Hilfe der SAP-R/3-Verpackungsfunktionalität behoben. Die Materialien einer Lieferung verpackt Steiner heute systemgestützt in Behältnisse – Kartons, Gitterboxen, Säcke –, es entstehen so genannte Handling-Units. Für sie wird mit der “Nachrichtenfindung” von SAP R/3 das “passende” Verpackungslabel erstellt, ein Warenbegleitschein, der die wichtigsten Daten der Verpackungseinheit ebenfalls als Barcode enthält. Auch die nächste Stufe der Verpackung ist abgebildet, denn die Software erstellt auch Labels beim Verladen der Handling-Units auf Paletten. Ein nützliches “Abfallprodukt” der gesamten Verpackungsfunktionalität: Packlisten, die einige Länder wie Brasilien als Einfuhrpapier fordern, und die Steiner bislang mühsam per Hand erzeugte, liegen nun automatisch vor.
“Heute sparen wir uns viele der ehemals zeitintensiven Arbeitsschritte, zugleich wurde die Buchungsqualität erheblich verbessert” so Ljubinka Zmijanjac. Die Monitore an den Arbeitsplätzen im Versand zeigen die Aufträge an. Gewicht, Anzahl der Artikel, Art und Preis werden nun automatisch erfasst und den jeweiligen Druckern übermittelt. Damit sinkt auch die Fehlerquote drastisch.

Steigerung bei Produktivität und Rentabilität

Auch beim Importgeschäft profitiert Steiner von mySAP ERP. Mit der Verlagerung des Firmensitzes eines wichtigen Lieferanten von Deutschland nach Frankreich hatte Steiner plötzlich die Import-Wertgrenze überschritten, ab der eine INTRASTAT-Meldung erstellt werden muss. Im SAP-Standard lässt sich diese Meldung im Einkauf auf Knopfdruck erstellen. Ebenso disponierte Steiner bei der Beschaffung nicht in SAP. Fehlbestellungen, Unter- oder Überkapazität für manche Materialien waren die Folge. Die integrierte SAP-Lösung führte zu Effizienzsteigerungen.
Aktuell arbeiten bei der Johannes Steiner GmbH & Co. KG 20 Anwender mit mySAP ERP 2004. Sie profitieren vom Zugriff auf relevante Daten von der Fertigung bis in den Versand. “Wir haben deutlich an Transparenz und Datenqualität gewonnen und können Betriebsabläufe besser steuern, was zu schnelleren Arbeitsprozessen führt”, beschreibt Geschäftsführer Dino Steiner den Erfolg der Optimierung der ERP-Prozesse. “Neben qualitativen Verbesserungen wie Durchgängigkeit – und damit Prozesssicherheit – verzeichnen wir auch quantitative Effekte. Verkürzte Prozesszeiten oder raschere Reaktionen auf die Wünsche unserer Kunden summieren sich zu einer Produktivitäts- und Rentabilitätssteigerung zwischen 15 und 20 Prozent.” Das Unternehmen wird daher seine Optimierungsstrategie auch künftig verfolgen – etwa mit der permanenten Inventur in mySAP ERP, die eine aufwändige Zählung der Bestände überflüssig macht.

Volker A. Holzapfel

Volker A. Holzapfel

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