In jedem Leberkäs‘ steckt SAP

Feature | 23. Oktober 2009 von Christiane Stagge 0

Hinter jeder Mahlzeit steckt angepasste Software (Foto: Jupiterimages)

Moderne Bäcker und Metzger haben Abläufe vernetzt (Foto: Jupiterimages)

Mit bayerischer Gemütlichkeit und recht gehaltvoll ging es am 21. Oktober in der SAP-Geschäftsstelle München zu: Namhafte Brauereien, Bäckereien, Metzgereien und Feinkosthersteller aus Süddeutschland ließen sich Software vorführen, die speziell für die mittelständische Nahrungs- und Genussmittelindustrie konzipiert ist.

SAP im Mittelstand angekommen?

Knapp 50 Prozent des Mittelstands zieht SAP noch nicht in Erwägung. Und bei noch kleineren Firmen beträgt der Marktanteil von SAP sogar nur 10 Prozent. Immerhin hat sich in den letzten vier Jahren die Anzahl der mittelständischen SAP-Kunden  verdoppelt. Dies habe man vor allem dadurch erreicht, dass SAP-Ansprechpartner vor Ort für ihre Kunden da sind und dadurch Vertrauen schaffen. Egal ob Autobranche oder Nahrungs- und Genussmittelindustrie: Für fast jeden Bereich bietet SAP spezielle Lösungen. Auch in puncto Personal hat sich das Unternehmen verändert: Der Beraterstab besteht längst nicht mehr nur aus Informatikern, sondern auch aus Wirtschaftsexperten, die mit jahrelangen Branchenkenntnissen aufwarten können. Damit wurden Berater aus dem bestehenden Kundenstamm rekrutiert.

Hinter jedem Leberkäs‘ steckt SAP

Volker Wittmann war beispielsweise in der Unternehmensberatung von Weihenstephan tätig, bevor er Branchenmanager im Bereich Food bei der SAP wurde. Rund 250 Kunden aus der Nahrungs- und Genussmittelindustrie nutzen mittlerweile SAP. Die Metzgerei Moser aus Landsberg sei mit einer Filiale und einer Zentrale der „kleinste SAP-Anwender der Welt“. Ob Wareneinkauf, Stückzahlplanung oder Klassifizierung: „Hinter jedem Leberkäs, den Sie dort kaufen, steckt SAP“, sagt Wittmann.

Der Branchenmanager präsentierte die Produkte, die für die  mittelständische Nahrungs- und Genussmittelindustrie besonders geeignet sind: Neben SAP Business ByDesign und SAP Business One ist das vor allem SAP Business All-in-One für die Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Bei SAP Business ByDesign handelt es sich um eine Software für 25 Anwender, die über den Internetbrowser bedient wird und dessen Module sich je nach Bedarf für einen bestimmten Zeitraum mieten lassen. Die Anwendungen sind  jedoch stark standardisiert.

SAP-Screenshot-Kontaktdaten

Aufstieg: Von R/3 zu ERP

Anders ist es hingegen bei SAP Business One beziehungsweise SAP Business All-in-One, die sich je nach Branche individuell an die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens anpassen lassen. War beispielsweise früher noch umständliches und langfristiges Konfigurieren erforderlich, hat man bei SAP ERP beziehungsweise SAP All-in-One die Modelle schon vorgebaut. Dabei hat SAP versucht, Erfahrungswerte und Prozesse, die in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie regelmäßig auftreten – sogenannte „Best Practices“ – zu  verarbeiten und diese mit in die Software zu integrieren. So berücksichtigt SAP Business All-in-One in der Branchenlösung für die Nahrungs- und Genussmittelindustrie, dass Verpackungsregelungen, Zollwesen und Kennzeichnungspflichten eingehalten werden.

Besonders für Getränkehersteller interessant: Auch Pfand, Verbrauchsteuer, länderspezifische Biersteuer oder die Füllmengen nicht genormter Fässer lassen sich mit der Software abbilden. Sogar eine Waage kann man ähnlich wie einen Drucker an das System anbinden.

Der SAP GUI ist ebenfalls Bestandteil von SAP Business All-in-One für die Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Mit dessen Hilfe lassen sich Top-Ten-Listen anlegen, aus denen ersichtlich ist, welches Produkt der Kunde am häufigsten bestellt. Auch interaktive PDF-Formulare, beispielsweise für Kundenaufträge, lassen sich damit erstellen.

Die Finanzbuchhaltung kann ihre Daten in Echtzeit verarbeiten, parallele Rechnungslegung durchführen und den Tagesfinanzstatus- beziehungsweise Liquiditätsstatus einsehen.

Screenshot-SAP-Arbeitsvorrat

Die Implementierung der Software kann schon in weniger als 100 Tagen erfolgen. Wichtig ist, dass Unternehmen sich vorher genau darüber Gedanken machen, was sie integrieren wollen  und dies in einem Blue-Print beziehungsweise Pflichtenheft dokumentieren. Langes Warten, bis das System endlich produktiv ist, war gestern: Daten, die zuvor im Excel vorlagen, werden in das SAP-System eingespeist, so dass der Kunde sofort damit arbeiten kann.

Reizthema Enterprise Support

Auch die Punkte Wartung und Support wurden auf der Roadshow für Nahrungs- und Genussmittelindustrie angesprochen. SAP legt wert auf eine übersichtliche Preisstruktur und steht dazu, dass die Art und Weise, wie das Thema Enterprise Support kommuniziert wurde, vielleicht nicht die beste war. Man stehe jedoch zu der Entscheidung und lasse zusammen mit den SAP-Anwendergruppen Kennzahlen, sogenannte KPIs entwickeln, mit denen sich der Erfolg und Nutzwert von Enterprise Support messen lasse. Wenn die internen Untersuchungsergebnisse keinen messbaren Erfolg zeigen, wird die für 2010 geplante Preiserhöhung zunächst verschoben.

Immerhin sei die Wartungszeit jedoch um zwei Jahre verlängert worden, so dass sie insgesamt zehn Jahre läuft. Das biete kein anderes Softwareunternehmen – so die Meinung einiger Teilnehmer. Auch umständliche Releasewechsel werde es nicht mehr geben, sondern nur noch Upgrades in Form von Enhancement Packages.  Durch den Zukauf von BusinessObjects und deren Integration in die Softwarepakete sei die Bedienoberfläche noch übersichtlicher geworden. Mit Business-Intelligence Software könnten 200 Mio. Datensätze innerhalb von nur einer Sekunde ausgewertet werden.

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