Mit Big Data Krankheiten bekämpfen

13. Januar 2013 von Shandy Lo 0

Foto: iStockphoto

Rick Smolans Idee war es, eine Plattform zu schaffen, die „Big Data“ greifbar macht. Der für das „Time“-Magazine sowie „National Geographic“ tätige Journalist wollte zeigen, was man mit den Informationen in der Welt alles anfangen kann. Er rief das einmonatige Projekt “The Human Face of Big Data“ ins Leben ­– zusammen mit dem Soft- und Hardwarehersteller EMC, der auf Speichersysteme für Betreiber von großen Rechenzentren spezialisiert ist.

Die Suche nach dem „Daten-Doppelgänger“

Während Smolan mit 100 anderen Journalisten die Menschen und die Situation hinter den digitalen Daten abbildete und diese in einem Bildband veröffentlichen wird, startete EMC ein Datenexperiment. Smolan entwickelte zu diesem Zweck eine App, mit deren Hilfe User 50 Fragen über ihr Leben und ihre Wertevorstellungen beantworten und somit ihre „Doppelgänger“ finden konnten – etwa Menschen, die auch zehn Stunden pro Nacht schlafen, verheiratet sind und fünf Kinder haben. Wie bei sozialen Netzwerken konnten die Nutzer über eine Plattform Informationen zu ihren Aktivitäten, ihrem Standort, Video und Fotos mit anderen teilen.

Es gibt keine konkreten Zahlen, wie viele Menschen an dem Experiment teilnahmen, doch nach Angaben von David Menninger wurden mehr als drei Millionen Fragen beantwortet und es gab über 100.000 App-Downloads. Der Head of Business Development & Strategy Menninger betreibt eine Plattform für die Analyse von Big Data bei Greenplum, einem Unternehmen, das 2009 von EMC akquiriert wurde.

Polio in Afrika bekämpfen

Was steckt aber hinter der Ansammlung von Daten? Ein humanitär motivierter Ansatz, der besonders von EMC getrieben wurde, ist die Bekämpfung von Krankheiten. So kann durch die Kombination von GPS-Userdaten und lokalen Gesundheitsdaten in Nigeria Kinderlähmung (Polio) bekämpft bzw. reduziert werden. Heute sind viele Dörfer oder Siedlungen in Afrika noch nicht auf der Karte erfasst, so dass es sehr schwer ist, Impfpläne zu erstellen. Mit den GPS-Signalen auf dem Handy entsteht die Möglichkeit einen lückenlosen Impfplan auszuarbeiten und letztlich effizienter zu behandeln.

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David Menninger ist Head of Business Development & Strategy bei Greenplum. Foto: Privat

Marktanalyse mit Big Data

Ein zweiter Ansatz ist nach Ansicht von EMC, dass Unternehmen durch Big Data ein „kompletteres Bild“ bzw. einen besseren Überblick über den Markt erhalten: Wer kauft ihr Produkt? Wo wird es gekauft? In welchen Mengen?

„Big Data ist für uns von zentraler Bedeutung, was den Blick auf die Gesellschaft und den Markt angeht. Wir sind der Ansicht, dass wir mit dem Projekt einen interessanten Weg gefunden haben, den Markt besser zu verstehen. Gerade die Unternehmen müssen noch lernen, wie sie mit großen Datenmengen umgehen sollten und welche Bedeutung das Thema künftig haben wird“, so Menninger.

Dies könnte sogar soweit gehen, dass der Einzelne im Alltag personalisierte Werbung oder gar TV-Sendungen sehen wird.

Eine Frage stellt sich jetzt aber: Stimmen die Ziele des Fotografen Rick Smolan und des US-Konzerns EMC überein? Während Smolan der Gesellschaft einen „Spiegel“ vorhalten und ein politisches Bewusstsein über Big Data schaffen wollte, tappt man beim Softwarehersteller im Dunkeln. Wollen sie wirklich nur der Gesellschaft und Wissenschaft helfen oder ist das Sammeln von Daten zu Marketingzwecken der eigentliche Grund?

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