Mit neuer IT den Geschäftswert steigern

Feature | 20. April 2005 von admin 0

Mittelständische Firmen kämpfen in der Regel mit begrenzten Budgets und Ressourcen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird an Ausgaben für die IT oft zuerst gespart, wie eine Studie von Accenture („Unternehmenserfolg durch IT“) herausfand. Doch das ist falsch, „denn es ist erwiesen, dass ein System, je älter es ist, immer teurer wird“, erklärt Bernhard Holtschke, Geschäftsführer bei Accenture. Mittelständler, die ihre IT-Investitionen stark reduzieren, begeben sich in eine „Abwärtsspirale“. Die Informationstechnologie veraltet, die Betriebsausgaben für die IT steigen. Das wiederum geht zu Lasten des IT-Budgets.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine von der Fachhochschule beider Basel 2002 durchgeführte Umfrage unter Schweizer mittelständischen Unternehmen. Dass Mittelständler unter den hohen Betriebskosten ihrer jetzigen IT-Infrastrukturen leiden, hängt laut Studie unter anderem damit zusammen, dass die verwendeten Systeme nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprechen, nicht in Internet-basierte Software integrierbar sind und zudem Betriebsstörungen und inkompatible Standards die Verfügbarkeit einschränken. „Hinzu kommt, dass die Lebenszyklen der IT-Systeme und der Technologien immer kürzer werden“, ergänzt Bernhard Holtschke.

Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Mit gedeckelten Budgets und zurückhaltendem Investitionsverhalten setzen SMBs daher genau das falsche Signal. Gerade in Branchen wie dem Maschinenbau oder der Fertigungsindustrie müssen Produktlebenszyklen von der Idee über Entwicklung, Planung, Beschaffung, Fertigung, Verkauf, Versand und Kundenservice durchgängig abgebildet werden, damit vereinbarte Lieferzeiten eingehalten werden sowie schnell auf Kundenwünsche reagiert werden kann. Hier verursachen heterogene Systemlandschaften Medienbrüche und hohe Betriebskosten, weshalb eine Integration von Customer Relationship Management (CRM), Supply Chain Management (SCM), Product Lifecycle Management (PLM) sowie CAD-Systemen erforderlich ist. Nach einer Umfrage von Capgemini unter deutschen Unternehmen sehen sogar mehr als drei Viertel der Firmen die Harmonisierung und damit die Integration ihrer IT-Landschaft künftig als eine der wichtigsten Aufgaben an. Allerdings hapert es bei den SMBs offensichtlich mit der Umsetzung, denn zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft in der Regel eine Lücke.
Die Defizite einzelner Branchen sind unverkennbar. Die Fertigungsindustrie beispielsweise lebt in hohem Maße von ihrer Innovationsfähigkeit. Eine weltweit durchgeführte Untersuchung von Deloitte Research unter 650 Firmen dieser Branche ergab jedoch, dass die Unternehmer Produktinnovationen in ihrem Haus als problematisch erachten. „Viele Hersteller sind offenbar nicht in der Lage, neue Produkte und Dienstleistungen wirkungsvoll auf den Markt zu bringen“, bilanziert Heinz-Josef Hermes, Partner in der Deloitte Managementberatung. Die Gründe für das laut Deloitte so genannte „Innovationsparadox“ sind vielfältig. Sie reichen von lückenhaften Informationen zu Kundenanforderungen und Kosten der Lieferkette über fehlende Effizienz in der internen Kommunikation und eine unbefriedigende Zusammenarbeit mit Lieferanten und Zulieferern. Manchmal fehlt den Firmen auch schlichtweg eine erfolgreiche Innovationsstrategie. Außerdem haben viele Unternehmen dieser Branche bisher zu wenig in moderne Technologien und Lösungen (PLM, SCM, CRM) investiert, um über die gesamte Wertschöpfungskette durchgängig integrierte und transparente Prozesse herzustellen.

Dreifacher Nutzen

Dabei weist bereits die eingangs erwähnte Accenture-Untersuchung explizit auf den engen Zusammenhang zwischen Investitionen in die IT und verbesserten Geschäftsabläufen sowie höherer Produktivität hin. Trotz dieser Erkenntnisse tendieren viele Firmen angesichts des wachsenden Kostendrucks dazu, ihre IT-Ausgaben zu reduzieren. „Das bindet wichtige finanzielle Mittel, die für Neuanschaffungen benötigt würden“, verdeutlicht Bernhard Holtschke. „Dabei ist erwiesen, dass gezielte Investitionen den Aufwand für Unterhalt und Weiterentwicklung der betrieblichen Informationstechnologie senken und zudem Geschäftsprozesse wie die Produktentwicklung verbessern und beschleunigen. Das sorgt für ein schnelleres Time-to-Market und höhere Gewinnmargen.“
Kleine und mittlere Unternehmen werden zukünftig nicht darum herumkommen, ihre IT-Organisationsmodelle, -Architekturen und -Infrastrukturen grundlegend zu überdenken und ihre IT neu, das heißt zukunftsfähig und flexibel zu organisieren. Firmen, die dies beherzigen, schöpfen aus einer optimierten IT direkten Nutzen, der im Wesentlichen folgende drei Ebenen umfasst:

  • Operativer Nutzen: Effiziente Prozesse tragen zu einer verbesserten Wertschöpfung im Unternehmen bei. Werden beispielsweise Kundenanfragen schneller bearbeitet oder Produktentwicklungszyklen auf Basis integrierter IT-Anwendungen verkürzt, senkt das Kosten und beschleunigt Prozesse.
  • Normativer Nutzen: Firmen mit moderner IT-Architektur erfüllen schneller und genauer Anforderungen, die beispielsweise der Gesetzgeber vorgibt. Dazu gehören allgemeine Regelungen, wie die elektronische Archivierung steuerlich relevanter Daten (GDPdU), KonTraG, Basel II oder der Sarbanes-Oxley Act, aber auch spezielle Vorschriften, wie die Rückverfolgung von Chargen, die etwa in der Lebensmittelindustrie, der Chemie- und Pharmabranche sowie bei Herstellern medizinischer Produkte zwingend vorgeschrieben ist.
  • Strategischer Nutzen: Vorausschauendes Architekturmanagement, das mit unternehmerischen Zielen verbunden ist, verbessert grundsätzlich die Innovationsfähigkeit einer Firma. Eine optimierte Kommunikation, welche IT- und Geschäftsstrategie in Einklang bringt, eröffnet neue Möglichkeiten, weitere Geschäftsfelder zu erschließen. Damit ist beziehungsweise wird die IT zum „Business Enabler“.

Insellösungen ade

Ähnlich sehen das die Analysten der META Group. Sie fordern darüber hinaus zusätzlich eine „Business-Vision“, die „der wesentliche Ausgangspunkt für die Ableitung der IT-Strategie und der darauf aufbauenden unternehmensweiten Architektur“ ist, wie es in einem Grundsatzpapier heißt. Sie „beruht zum einen auf der Unternehmensstrategie und zum anderen auf dem Stellenwert und den Einsatzschwerpunkten der IT innerhalb des Unternehmens sowie auf den aktuellen Branchen- und Technologietrends.“ Wer Geschäftsmodelle ohne diese grundlegenden Parameter entwickelt, riskiert, dass eine IT-Strategie definiert wird, die nur wenig Bezug zu den eigentlichen Anforderungen der einzelnen Geschäftsbereiche aufweist. Auch Bernhard Holtschke verlangt von der Geschäftsleitung „klare Zielvorgaben, auf die die IT-Abteilung reagieren kann. Dazu muss diese aber in Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden sein.“ Das ist laut Holtschke schon deshalb wichtig, weil die IT-Abteilung dann „quasi proaktiv strategische Planungen angehen kann, um Geschäftsprozesse mittels Informationstechnologie zu verbessern.“
Basiert die zugrunde liegende IT-Architektur noch auf Insellösungen und auf individueller Software ohne klar definierte Schnittstellen, sind Probleme vorprogrammiert. Das erschwert den reibungslosen Datenaustausch, kostet wertvolle Zeit und somit möglicherweise wichtige Wettbewerbsvorteile. Mittelständische Unternehmen vermeiden dies, indem sie ihre Anwendungen integrieren, um Entscheidungs-, Wertschöpfungs- und Logistikprozesse nachhaltig zu verbessern. Beispielsweise können selbst Mittelständler mit einer serviceorientierten IT-Architektur (SOA) Geschäftsprozesse schnell und flexibel anpassen und verbessern. Auf Services basierende betriebswirtschaftliche Anwendungen eröffnen hier neue Geschäftsmöglichkeiten und vereinfachen in Verbindung mit Web Services die Integration bestehender Anwendungen.

Integration verbessert Geschäftsprozesse

„Das Thema Anwendungsintegration gehört inzwischen zu den kritischen Erfolgsfaktoren für die Unternehmen, weil sie günstigere Prozesskosten und schnellere Abläufe schafft“, legt Gerhard Schoch, Geschäftsführer des SAP Business Partners ORGA, dar. Die SAP und ihre Partner bieten Mittelständlern mit der offenen Integrationsplattform SAP NetWeaver ein zukunftsfähiges Portfolio an Technologien und Lösungen, um ihre IT-Landschaften zu harmonisieren und zu konsolidieren. Hinzu kommen E-Business-fähige mySAP-All-in-One-Lösungen mit jeweils branchenspezifisch voreingestellten Kernprozessen, welche die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette verbessern. Für kleinere Mittelständler oder Konzerntöchter ist überdies SAP Business One eine attraktive und besonders kostengünstige Option. Die betriebswirtschaftliche Standardsoftware kann dank der SAP-NetWeaver-Komponente SAP Exchange Infrastructure (SAP XI) auch problemlos in größere SAP-Landschaften – entweder der Muttergesellschaft oder bei Kunden und Lieferanten – integriert werden.
Das sichert ein reibungsloses Zusammenspiel zwischen Planung, Beschaffung, Produktion und Vertrieb sowie eine vernetzte Kommunikation und Kooperation mit Zulieferern und Kunden. SMBs bringt dies schnellere und verbesserte Geschäftsprozesse sowie mehr Flexibilität. Darüber hinaus steht für Bernhard Holtschke fest: „Mittelständler, die in neue Technologien investieren, verbessern ihre Wertschöpfung und somit letztlich ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig.“

Weitere Informationen:

Allgemeines: www.e-thinktank.de (speziell zu den Themen IT-Controlling und Wertbeitrag der IT), www.orga.de, www.soai.org (Infoportal zum Thema serviceorientierte Architektur)
Studien: www.accenture.de, www.capgemini.de, www.deloitte.de, www.fhbb.ch, www.metagroup.de
SAP AG: www.sap.com/solutions/netweaver und www.sap.com/solutions/smb

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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