Mittelstand setzt auf Business Intelligence

Feature | 27. Juni 2007 von admin 0

Grundlage der empirischen Untersuchung „Business Intelligence im Mittelstand“ ist eine Stichprobe bei mittelständischen Unternehmen im deutschsprachigen Raum mit einem Jahresumsatz zwischen 50 Millionen und eine Milliarde Euro. Insgesamt wurden 2145 Personen direkt angesprochen, 279 Manager sandten ausgefüllte Fragebögen zurück.

Die Studie zeigt, dass BI-Software in Anwendungsbereichen wie Berichtswesen, Analyse, Planung und Budgetierung sowie Konsolidierung stark genutzt wird. Außerdem steht bei 50 Prozent der Teilnehmer die Einführung von Balanced Scorecards und Management-Dashboards ganz oben auf der Agenda.

Die eingegangenen Antworten belegen jedoch auch, dass knapp die Hälfte der Befragten mit der Unterstützung, die die BI-Werkzeuge ihnen bei der täglichen Arbeit bieten, nicht zufrieden ist. Ihre Kritik betrifft sowohl die Datenqualität als auch die Abfragegeschwindigkeit und den Bedienkomfort – Aspekte, die oftmals aufgrund von dezentraler Datenhaltung, dem verbreiteten Einsatz von Excel und der Notwendigkeit, heterogene Datenquellen umfassend in BI-Werkzeuge zu integrieren, beeinträchtigt werden. Die deutliche Mehrheit der Unternehmen (79 Prozent) versorgt zudem weniger als 20 Prozent ihrer Mitarbeiter mit Berichten.

Die Ergebnisse der Studie beweisen weiter, dass regulative Anforderungen, Kostendruck, kürzere Produktlebenszyklen sowie steigender Konkurrenzdruck zahlreiche Mittelständler dazu veranlassen, ihre geschäftlichen Entscheidungen auf fundierte Informationen aus BI-Systemen zu stellen.

Business Intelligence erreicht die Fachabteilungen

Zu den etablierten Einsatzgebieten von BI gehören Berichtserstellung und -verteilung (96 Prozent), Datenanalyse (86 Prozent) sowie Planung und Budgetierung (73 Prozent). Nach zukünftigen Einsatzgebieten befragt, halten 58 Prozent der Unternehmen Management-Dashboards für langfristig sinnvoll oder planen schon eine Einführung, als zweites Zukunftsthema wurde, mit einer Nennung von 53 Prozent, der Einsatz von Balanced Scorecards erwähnt.

Der Großteil der befragten Firmen (87 Prozent) setzt Performance-Management-Lösungen für Unternehmensführung und Controlling ein. Doch auch andere Fachabteilungen nutzen BI in signifikantem Umfang: der Vertrieb mit 65 Prozent, IT-Abteilungen mit 52 Prozent und die Buchhaltung mit 48 Prozent. BI erobert damit die Fachabteilungen, die einen deutlichen Nutzen aus dem Einsatz von BI ziehen.

Verbesserungspotenzial zeigt sich nach Auffassung von BARC hinsichtlich der Kundenzufriedenheit: Nur acht Prozent der Anwender äußern sich sehr zufrieden, immerhin jedoch 47 Prozent zufrieden mit der Art, wie BI ihre tägliche Arbeit unterstützt. 37 Prozent stehen dem Einsatz von BI neutral gegenüber, sieben Prozent aber sind unzufrieden. „Typischerweise sind es die Excel-Anwender, die Defizite in den gelieferten Möglichkeiten erkennen und daher auf eine ergänzende Makro-Programmierung, die Speicherung in Datenbanken oder auf branchentypische Software für Business Intelligence ausweichen“, erklärt BARC-Analyst Dirk Friedrich den Befund.

Obwohl das Berichtswesen ein wichtiges Einsatzgebiet der BI ist, geben fast ein Drittel (29 Prozent) der Unternehmen an, dass nicht einmal fünf Prozent ihrer Mitarbeiter Berichte erhalten. In 26 Prozent der Unternehmen empfangen immerhin fünf bis zehn Prozent aller Beschäftigten Berichte; zwischen elf und 20 Prozent der Mitarbeiter sind es bei fast einem Viertel (24 Prozent) der Firmen, doch nur in jedem zehnten Unternehmen werden 21 bis 30 Prozent der Angestellten auf diese Weise informiert. Lediglich elf Prozent der mittelständischen Betriebe in Deutschland halten mehr als 30 Prozent der Belegschaft durch regelmäßige Berichte auf dem Laufenden. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Fast 80 Prozent der Unternehmen versorgen weniger als ein Fünftel ihrer Mitarbeiter mit Berichten.

Hohe Anforderung an Datenqualität

Auffällig ist der Zusammenhang zwischen den Anforderungen der Befragten an eine Steuerungslösung und ihrer Kritik. Die drei wichtigsten Eigenschaften einer Steuerungslösung sind nach Auffassung der Mittelständler die Datenqualität (65 Prozent), die Abfragegeschwindigkeit (46 Prozent) und eine einfache Handhabung bei Berichtserstellung und Planung (45 Prozent). Spiegelbildlich dazu werden in der Umfrage gerade eine mangelnde Datenqualität, eine geringe Abfragegeschwindigkeit, komplizierte Prozesse bei der Berichtserstellung und die Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Änderungen kritisiert. Die größte Diskrepanz zwischen Erwartung und Enttäuschung gibt es in Bezug auf die Layout-Optionen. Obwohl das Layout und die optische Gestaltung im Berichtswesen von den meisten Befragten zunächst als unwichtig bezeichnet werden, äußern doch knapp 30 Prozent von ihnen Unzufriedenheit über die gebotenen Möglichkeiten.
In Fällen, in denen die Datenqualität kritisiert wurde, ist es interessant, die Datenhaltung des betreffenden Unternehmens zu untersuchen: Nur 23 Prozent der beteiligten Mittelständler sammeln die Kennzahlen zur Steuerung zentral. In 58 Prozent aller Antworten ist die Rede von zwei bis zehn Datenbanken zur Unterstützung von Berichtswesen und Analyse; 16 Prozent geben sogar an, mehr als zehn Datenbanken im Einsatz zu haben.

Aufschlussreich für die Kritik mangelnder Datenqualität ist die Frage nach der Datenhaltung: Nur 23 Prozent der befragten Unternehmen haben eine zentrale Datensammlung für Kennzahlen zur Steuerung. Bei weiteren 58 Prozent existieren zwei bis zehn Datenbanken zur Unterstützung von Berichtswesen und Analyse und 16 Prozent geben an, mehr als zehn Datenbanken im Einsatz zu haben.

Insgesamt zeigt die Studie aber, dass der Mittelstand durchaus von BI-Software zu profitieren weiß. „Werkzeuge, die unabhängig von operativen ERP-Systemen angeboten werden und sich in heterogene System- und Datenumgebungen einfügen, machen Business Intelligence für Mittelständler sehr interessant“, resümiert Carsten Bange, der Geschäftsführer der BARC GmbH.

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