Bankgeschäfte per Smartphone

2. April 2012 von Heather McIlvaine 0

Sybase entwickelt mobile Software, mit der Kunden ihr Bankkonto per Smartphone verwalten können. (Foto: Fotolia)

Sybase 365 Mobile Services umfasst Software für mobile Banking oder mobile Commerce. Finanzorganisationen, Mobilbetreiber und Unternehmen weltweit setzen Sybase 365 Mobile Services bereits ein, um neue Kunden zu erreichen und besser mit bestehenden Kunden verbunden zu sein. Weitere Informationen erhalten Sie unter „Mobile Commerce Experts“.

Um mehr über dieses Angebot sowie die Integration in SAP-Software zu erfahren, haben wir mit Diarmuid Mallon gesprochen, dem Leiter des Produkt-Marketings für Sybase 365 Mobile Services.

SAP.info: Was genau beinhalten die Sybase 365 Mobile Services?

Diarmuid Mallon: Sybase 365 umfasst drei Geschäftsbereiche. Im ersten Bereich, den Betreiber-Services, unterstützen wir die Verbindung zwischen Betreibern und Mobilfunkanbietern. Wir versetzen Mobilfunkanbieter in die Lage, SMS und MMS an andere Betreiber zu versenden, und ermöglichen es den Kunden, Datendienste zu nutzen und abzurufen. Wenn Sie beispielsweise einen Vertrag mit Vodafone in Großbritannien haben und eine Nachricht in die USA schicken, wird diese über Sybase versendet. Auch wenn Sie ein Smartphone besitzen und im Ausland Daten nutzen, erfolgt dies über Sybase.

Der zweite Bereich von Sybase 365 sind die Enterprise-Services. In diesem Bereich ermöglichen wir Marken und Unternehmen, über mobile Kanäle mit ihren Kunden zu kommunizieren. Dies umfasst beispielsweise das einfache Versenden von Massentextnachrichten über neue Angebote an alle Kunden in Ihrer Datenbank oder auch komplexere Aktionen wie die Durchführung einer gezielten Mikroumfrage oder einer besonderen Werbeaktion, bei der Kunden per SMS einen Code senden und im Gegenzug dafür Treuepunkte und Rabatte erhalten.

Der dritte Bereich ist der Mobile Commerce. Hier ermöglichen wir es Banken und Mobilfunkbetreibern, mobile Bankdienste (Mobile Banking), mobile Zahlungen und mobile Gelddienste für ihre Kunden anzubieten. Auf diese Weise können Kunden über ihr Mobiltelefon ihr Bankguthaben abrufen, Rechnungen bezahlen oder Geld überweisen.

SAP.info: In welche Kategorie fällt das mobile CRM?

Diarmuid Mallon: Ich unterteile den Mobile Commerce stets in zwei Bereiche: Einerseits den Bereich mobile Finanzdienstleistungen – d. h. mobile Bank- und Gelddienste (Branchless Banking) sowie Zahlungen – und andererseits den Bereich Mobile Engagement. Dieser umfasst Marketing, Treueprogramme, Coupons sowie andere Tools zur Einbindung Ihrer Kunden über mobile Kanäle.

Wenn Ihr Unternehmen gerade erst in den Mobile Commerce eingestiegen ist, konzentrieren Sie sich wahrscheinlich zunächst auf mobile Finanzdienstleistungen oder das mobile CRM. Wenn Sie diese Dienste im Laufe der Zeit jedoch erfolgreicher gestalten wollen, werden Sie letztendlich beide Bereiche integrieren. Wenn Sie beispielsweise das mobile CRM nutzen und Ihre Kunden über mobile Kanäle über Ihre Produkte informieren bzw. ihnen Gutscheine übermitteln, ist es kein großer Schritt mehr, den Kunden zu ermöglichen, Produkte auch über ein Mobilgerät zu kaufen.

SAP.info: Wie lassen sich Sybase 365 Mobile Services in SAP-Anwendungen integrieren? Funktioniert das mobile CRM beispielsweise mit dem SAP CRM?

Diarmuid Mallon: Im vergangenen Jahr beinhaltete das Lösungsportfolio für SAP Banking auch Mobile Banking und eBanking. Damit wurde das erste Sybase-Produkt in SAP integriert – eine logische Entwicklung für die Bankkunden von SAP. Künftig werden sicher noch mehr Produkte in verschiedenen Bereichen integriert, dies ist jedoch ein kontinuierlicher Prozess. Heute bieten wir bereits unsere Enterprise-Services und Betreiber-Services für SAP an, wenn auch lose gekoppelt. In vielen Märkten beinhaltet der Mobile Commerce-Prozess das Versenden von SMS, und Sybase übermittelt die SMS. Wir sind nicht nur eine Software-Plattform, die mobile Zahlungen unterstützt, sondern bieten eine umfassende End-to-End-Lösung an.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Bankgeschäfte per SMS und Sybase Unwired Platform

SAP.info: In welchem Zusammenhang steht die Sybase Unwired Platform mit Sybase 365 Mobile Services?

Diarmuid Mallon: Bei der Sybase Unwired Platform (SUP) geht es darum, die Belegschaft mit mobiler Software auszustatten. Es handelt sich um ein B2B-Angebot. Bei Sybase 365 haben wir es mit einem B2C-Angebot zu tun. Die Kunden nutzen hier bereits mobile Software. Mit Sybase 365 ermöglichen wir es Ihrem Unternehmen, über mobile Kanäle mit Kunden zu kommunizieren. Letztendlich ist Sybase 365 also eine Ergänzung zu SUP.

SAP.info: Was sind die wichtigsten Vorteile der Mobile Services für Unternehmen? Geht es darum, mehr Kunden zu erreichen, den Gewinn zu steigern oder der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein?

Diarmuid Mallon: Die Vorteile sind je nach Markt ganz unterschiedlich. Auf einem Markt wie Bangladesch besitzen beispielsweise 87 Prozent der Menschen kein Bankkonto. Wie nähert man sich diesem Kundensegment – also der Mehrheit der Menschen – in möglichst kosteneffizienter Weise? Die Einrichtung und Besetzung von Bankfilialen im gesamten Land wäre mit einem enormen Kostenaufwand verbunden. Mit Mobile Banking können die Menschen jedoch Bankkunden werden und ihr Konto von einem Mobiltelefon aus verwalten. Genau das bietet die Dutch Bangla Bank an und gewinnt so jede Woche tausende Neukunden hinzu. Durch mobile Finanzdienstleistungen war es auf diesem Markt also möglich, eine komplett unerschlossene, potenzielle Kundengruppe zu erreichen.

Andererseits ist es als Bank in Europa oder Nordamerika geradezu ein Muss, Mobile Banking anzubieten. In dieser Region geht es nicht darum, der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein – denn jeder bietet Mobile Banking an –, sondern um Kosteneinsparungen. Anstatt in eine Bankfiliale vor Ort zu gehen, verwenden Ihre Kunden ein mobiles App, um Transaktionen durchzuführen. Dies ist viel kostengünstiger für Ihr Unternehmen. Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass Kunden, die Rechnungen elektronisch bezahlen – ob online oder über ein Mobilgerät –, mit geringerer Wahrscheinlichkeit die Bank wechseln und kreditwürdiger sind. Mobile Banking bietet den Banken in diesem Markt daher bessere Erkenntnisse über ihre Kunden.

SAP.info: Können Unternehmen durch Mobile Services besser Kundendaten sammeln?

Diarmuid Mallon: Ja, absolut. Unternehmen vermarkten und verkaufen ihre Produkte nicht nur über mobile Kanäle an ihre Kunden, sondern sie binden die Kunden auch nach dem Kauf ein, um sie besser verstehen zu können. Wir verfügen über Tools zur Durchführung von Mikroumfragen per SMS, in denen beispielsweise schnell einige relevante Fragen gestellt werden können, um Informationen zu einem spezifischen Thema zu erhalten. Einer unserer Kunden, ein Mobilfunkbetreiber, verwendet dieses Tool, um mehr über den Einfluss der Preispläne seiner Wettbewerber zu erfahren. Gerade einmal 24 Stunden nachdem ein Wettbewerber einen neuen Preisplan veröffentlichte, hatte der Kunde bereits eine Mikrostudie erstellt, die Ergebnisse erhalten und anhand dieser Daten eine Strategie entwickelt.

Mobile Services schaffen völlig neue Wege zur Erfassung von Kundeninformationen, die bisher nicht möglich waren. Entscheidend dabei sind die drei „Ps“ und „Rs“ (englisch: Permission, Permission, Permission und Relevance, Relevance, Relevance), also Zustimmung und Relevanz. Die Kunden müssen darüber informiert sein und verstehen, was Sie tun. Darüber hinaus müssen alle Maßnahmen auch relevant sein, um Erfolg zu versprechen.

SAP.info: Wie sehen Sie die Entwicklung der übrigen Mobilbranche im Jahr 2012 und darüber hinaus?

Diarmuid Mallon: Ein Bereich, der an zahlreichen Märkten, besonders in den Schwellenländern, immer wichtiger für uns wird, sind mobile Gelddienstleistungen. Meiner Ansicht nach wird dieser Trend in Zukunft weiter zunehmen. Mobile Gelddienstleistungen sind eine Form des Mobile Banking, bei der das Bankkonto ausschließlich in der mobilen Welt existiert. Sie können alle Dienste, die Sie normalerweise bei einer Bank in Anspruch nehmen – vom Zinsertrag bis zu Kleinkrediten –, über Ihr Mobiltelefon nutzen. Und genau das ist der Unterschied zu anderen mobilen Finanzdienstleistungen. Mit einem „mobilen Geldbeutel“ können Sie Produkte beispielsweise einfach über Ihr Telefon bezahlen, indem Sie es mit Ihrer Bank- oder Kreditkarte verlinken.

Mit einem Stored-Value-Account – wie z. B. M-Pesa in Kenia anbietet – können Sie Bargeldbeträge auf Ihr Telefon einzahlen und Geldtransfers an andere Personen vornehmen. Der nächste Schritt besteht darin, Kunden ohne Bankkonto dazu zu bringen, nicht nur mobile Zahlungen vorzunehmen, sondern alle Bankgeschäfte mit dem Mobiltelefon zu erledigen. Unsere Lösung für mobile Gelddienstleistungen ermöglicht es den Banken, über mobile Kanäle neue Kunden zu gewinnen. Obwohl mobile Gelddienstleistungen tatsächlich überwiegend in den Schwellenländern an Bedeutung gewinnen, gibt es weltweit kein einziges Land, in dem hundert Prozent der Bevölkerung ein Bankkonto besitzen. Es ist also weltweit Wachstumspotenzial vorhanden.

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