Mobile Device Management mit Blackberry

11. April 2013 von Heather McIlvaine 0

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Die neuen BlackBerry-10-Geräte bei ihrer Veröffentlichung im Januar 2013 (Foto: BlackBerry)

Im Januar brachte BlackBerry die mit Spannung erwartete neue Version seiner mobilen Plattform auf den Markt. Für etliche Kunden war jedoch die neue Version von BlackBerry Enterprise Service (BES) wesentlich interessanter, mit der sich wie mit SAP Afaria mobile Endgeräte und Anwendungen verwalten lassen. Manche sehen in der neuen Version BES 10 bereits die „Rettung für BlackBerry“ und bezeichnen die Funktionen als „Traumszenario für BYOD“. Andere wie Gartner Research Vice President Van Baker sehen hingegen keinen Anlass für IT-Administratoren, sich sofort auf BES 10 zu stürzen.

Damit Sie sich selbst ein Bild machen können, hat SAP.info BES 10 genauer unter die Lupe genommen und ist dabei insbesondere folgenden Fragen nachgegangen:

 

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum die Verwaltung mobiler Endgeräte und Anwendungen ein wichtiger Sicherheitsaspekt für Unternehmen ist

Da bei den BlackBerry-Geräten und -Betriebssystemen großer Wert auf Sicherheit gelegt wird, war BlackBerry lange Zeit die erste Wahl für Unternehmen. Bis vor wenigen Jahren waren BlackBerry-Geräte sogar fast die einzigen Smartphones, die überhaupt in Unternehmen eingesetzt wurden. Doch die Zeiten haben sich geändert. Auf dem Markt gibt es inzwischen Alternativen, neue Geräte überzeugen durch mehr Bedienkomfort und größeren Funktionsumfang, und immer mehr Unternehmen verfügen über „Bring your own Device“-Richtlinien (BYOD). Kollegen mit einem iPad oder Samsung Galaxy SIII sind deshalb längst kein ungewohnter Anblick mehr.

Mitarbeiter können heute über unterschiedliche mobile Plattformen und Geräte auf Unternehmensdaten zugreifen. Dadurch ist es jedoch auch deutlich schwieriger geworden, die Sicherheit beim Datenzugriff zu gewährleisten. Die IT-Abteilungen müssen durch Sicherheitsmaßnahmen sicherstellen, dass:

  • ausschließlich genehmigte Mobilgeräte Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk erhalten
  • ausschließlich sichere, vorab genehmigte Apps auf die Geräte der Mitarbeiter heruntergeladen werden können
  • die Mitarbeiter die unterschiedlichen Plattformen regelmäßig aktualisieren

Sicherheit für Unternehmensdaten durch eine MDM-Lösung

Für die Sicherheit der Unternehmensdaten zu sorgen ist Aufgabe von Lösungen für das Enterprise Mobility Management, die in MDM-Lösungen (Mobile Device Management, Verwaltung mobiler Endgeräte) und MAM-Lösungen (Mobile Application Management, Verwaltung mobiler Anwendungen) unterteilt werden. Lösungen wie SAP Afaria, AirWatch oder BlackBerry Enterprise Service bieten Unternehmen folgende Möglichkeiten:

  • Konfiguration der Geräte der Mitarbeiter gemäß den Sicherheitsanforderungen des Unternehmens
  • Einspielen von Updates für Software und Betriebssysteme auf Smartphones und Tablets
  • Löschen von Daten auf gestohlenen oder verlorenen Geräten per Fernzugriff
  • Weitere Sicherheitsvorkehrungen, damit die Sicherheit der Unternehmensdaten nicht durch den Einsatz mobiler Geräte und Anwendungen gefährdet wird

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Welche neuen Funktionen BES 10 bereitstellt

Eine der zentralen neuen Funktionen von BES 10 ist die Möglichkeit, BlackBerry-, Android- und iOS-Geräte über eine einzige Anwendung zu verwalten. Da die meisten Unternehmen inzwischen verschiedene mobile Plattformen unterstützen, ist diese Möglichkeit ein entscheidender Aspekt einer modernen MDM-Lösung. BES 10 umfasst die drei Services BlackBerry Device Service (für die Verwaltung von BlackBerry-Smartphones und –Tablets), Universal Device Service (für die Unterstützung von iOS- und Android-Geräten) und BlackBerry Management Studio (für allgemeine Verwaltungsaufgaben).

Ein weiteres wichtiges Kriterium für mobile Unternehmen, die zum großen Teil bereits BYOD-Richtlinien eingeführt haben, ist die Möglichkeit, geschäftliche und private Daten und Apps auf den Geräten der Mitarbeiter getrennt zu halten. Mit der neuen Funktion BlackBerry Balance von BlackBerry 10 lässt sich genau diese Trennung realisieren. Im Arbeitsbereich der Benutzer sind die genehmigten Apps des Unternehmens, geschäftliche Kontakte und andere arbeitsrelevante Informationen abgelegt, im persönlichen Bereich ihre privaten Daten wie Bilder oder auch privat genutzte Apps. Die Mitarbeiter können beliebig zwischen den beiden Bereichen wechseln.

Das „Traumszenario für BYOD“

Da die Benutzer keine Informationen aus dem Arbeitsbereich in den persönlichen Bereich kopieren können, sorgt BlackBerry Balance für die Sicherheit der Unternehmensdaten. Zugleich wird sichergestellt, dass persönliche Daten auch nicht versehentlich bei der Arbeit genutzt werden: Geschäftliche und private E-Mail-Konten bleiben getrennt, sodass es gar nicht erst möglich ist, dass eine private Nachricht an einen Freund versehentlich im Posteingang eines Kollegen mit demselben Nachnamen landet.

Darüber hinaus unterstützt BES 10 Unternehmen bei der Verwaltung mobiler Anwendungen. So haben IT-Administratoren die Möglichkeit, bestimmte interne Apps, deren Nutzung vorgeschrieben ist, und öffentliche Apps in den Arbeitsbereichen der Mitarbeitergeräte zu installieren. Durch Einrichtung eines unternehmenseigenen App Store – BlackBerry World for Work – werden den Mitarbeitern ausschließlich Apps angezeigt, die von der IT-Abteilung genehmigt wurden. Über ihren persönlichen Bereich haben die Mitarbeiter jedoch nach wie vor Zugriff auf sämtliche Apps im BlackBerry World App Store für Verbraucher.

Noch nicht alle Funktionen sind für iOS und Android verfügbar

Leider ist die wohl spannendste Funktion von BES 10, BlackBerry Balance, derzeit noch nicht für iOS- und Android-Geräte verfügbar. Nach Aussagen des Unternehmens soll sich dies mit der nächsten Version ändern. Auch die sichere Kommunikationsarchitektur von BlackBerry, bei der der gesamte Datenverkehr nicht über eine IP-Verbindung, sondern verschlüsselt über ein Network Operations Center (NOC) übertragen wird, soll in einer späteren Version für iOS- und Android-Geräte verfügbar sein.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum Gartner rät, mit der Einführung von BES 10 noch zu warten

Die ersten Kommentare und Artikel im Internet zu BlackBerry 10 und BES 10 waren größtenteils positiv. Manche Experten sind sogar der Ansicht, dass diese Verbesserungen dem kanadischen Telekommunikationsunternehmen zum Comeback verhelfen können. Van Baker, Research Vice President bei Gartner, rät hingegen zu Zurückhaltung. In seinem Blog meinte Baker kürzlich: „Unternehmen, die BES 10 als MDM-Lösung zur Unterstützung verschiedener Geräte nutzen möchten, sollten noch ein halbes Jahr warten, bis feststeht, ob BlackBerry 10 auch auf dem Verbrauchermarkt ein Erfolg wird.“

Zwar sind die BlackBerry-Geräte mit ihren überragenden Sicherheitsfunktionen ideal für den Einsatz im Unternehmen geeignet, doch entscheiden im Zuge einer BYOD-Strategie die Mitarbeiter, welche Smartphones und Tablets sie nutzen möchten. Und bei dieser Entscheidung richten sie sich nicht nach den Vorlieben eines IT-Administrators, sondern nach ihren eigenen Interessen als Verbraucher. Somit entscheidet der Erfolg oder Misserfolg von BlackBerry 10 auf dem Verbrauchermarkt darüber, ob BES 10 sich in der Geschäftswelt durchsetzt oder nicht – denn für Unternehmen ist BES 10 nur dann eine sinnvolle Lösung für die Verwaltung mobiler Endgeräte, wenn ihre Mitarbeiter auch tatsächlich Geräte mit BlackBerry 10 nutzen.

Der Erfolg von BES 10 hängt vom Erfolg von BlackBerry 10 ab

Wenn Gartner mit seiner Prognose recht behält, müssen Unternehmen möglicherweise sogar länger als ein halbes Jahr warten, bevor sich der Erfolg oder Misserfolg von BlackBerry 10 offenbart: Das Marktforschungsunternehmen geht davon aus, dass der weltweite Marktanteil von BlackBerry-Smartphones 2016 weniger als 5 Prozent betragen wird. Unternehmen stehen der Einführung von BlackBerry-10-Geräten unter anderem auch deshalb zögerlich gegenüber, weil es bislang kaum MDM-Lösungen für die neue Smartphone-Reihe gibt. BlackBerry bietet derzeit keine API-Unterstützung für gängige MDM-Tools, sodass BES 10 die einzige umfassende MDM-Lösung für BlackBerry 10 ist.

Die interessante Frage lautet daher, ob der Verkauf von BlackBerry-10-Geräten durch die API-Unterstützung zusätzlicher MDM-Tools angekurbelt werden könnte und damit auch mehr Unternehmen auf BES 10 umsteigen würden. Man darf gespannt sein.

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