cronetwork: Ab in die Kiste

Feature | 8. Dezember 2010 von Tino M. Böhler 0

Die Firma Multivac ist führender Anbieter von Verpackungslösungen (Foto: Multivac)

Multivac: Fertigungsmanagement per cronetwork und SAP (Foto: Multivac)

Nahezu jeder von uns hat die Produkte der Multivac-Kunden schon einmal in Händen gehalten. Ob Blauschimmelkäse, feine Rügenwälder Leberwurst, frische Erdbeeren oder Druckerpatronen: Die Firma Multivac Sepp Haggenmüller ist führender Anbieter von Verpackungsautomaten.

Im Unternehmen sorgt die  Software cronetwork für eine qualitativ hochwertige und termingerechte Fertigung innerhalb der Produktion: Seit 2008 nutzt das Unternehmen die an das SAP-System angebundene MES-Lösung (Manufacturing Execution System). Anbieter der – im deutschen zumeist als Produktionsleitsystem bezeichneten – Software ist die Firma Industrie Informatik in Kenzingen.

Die Produktionsstandorte von Multivac liegen im bayerischen Wolfertschwenden und im österreichischen Lechaschau. Zu den Kunden zählen industrielle Hersteller und Weltkonzerne ebenso wie mittelständische und handwerkliche Betriebe.

1961 von Sepp Haggenmüller in einer Garage gegründet, beschäftigt das Unternehmen heute weltweit 3.000 Mitarbeiter. 2008 erwirtschaftete es einen Umsatz von 475 Millionen Euro.

Die weltweit aktive Multivac-Organisation hat seit ihrem Bestehen 26.000 Verpackungsautomaten und 95.000 Kammermaschinen in über 100 Länder ausgeliefert. Der Hersteller begleitet seine Kunden zusätzlich von der Erstberatung über die Entwicklung eines technisch und wirtschaftlich optimalen Verpackungsprozesses bis hin zum Verpackungsdesign.

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Leistungsportfolio cronetwork (screenshot: Industrie Informatik)

Leistungen von cronetwork (screenshot: Industrie Informatik)

Betriebliche Abläufe werden transparent

„Mit cronetwork werden betriebliche Abläufe transparent und wir können eine genaue Nachkalkulation erreichen“, fasst Wilfried Grewe, IT-Leiter Multivac, die Vorteile der Software für die Fertigung der Verpackungsmaschinen zusammen.

So schafft es Multivac heute in einem Jahr, mehr als 1.100 industrielle Tiefziehmaschinen und Traysealer sowie über 3.200 Kammermaschinen an Kunden in aller Welt auszuliefern und in Betrieb zu nehmen.

Am Standort Wolfertschwenden wurde mit cronetwork die Betriebs- und Maschinendatenerfassung neu eingeführt, ohne dass man auf ein Altsystem Rücksicht nehmen musste.

Gerhard Hein, IT-Mitarbeiter und cronetwork-Projektleiter bei Multivac, zur Situation in Lechaschau: „Das bestehende BDE/MDE-System am Produktionsstandort Lechaschau entsprach nicht mehr den modernen Ansätzen; so waren keine Plausibilitätsprüfungen am Terminal möglich und für den Maschinenbediener waren keine Informationen sichtbar. Zudem waren die Schnittstellen vom und zum führenden SAP-System ebenfalls nicht mehr zeitgerecht und stets mit einem hohen manuellen Aufwand verbunden.“

Einfache Anbindung an SAP

Hauptsächlich aus dem Controlling und aus der Fertigung kam die Anforderung einer flächendeckenden und einfach zu handhabenden Nachkalkulation. „Mit cronetwork können wir heute eine genauere Kapazitätsplanung, verbesserte Vorgabezeiten und eine optimierte Prozessverfolgung aufweisen“, so Hein.

Für cronetwork entschieden sich die Verpackungsspezialisten wegen der benutzerfreundlichen Web-Oberfläche, der einfachen Parametrierbarkeit und der guten Referenzen. Dazu kamen der Einsatz von Standard-Komponenten wie Datenbank Oracle MS Server oder Java.

Weitere Pluspunkte für cronetwork waren die mögliche Einbindung eines Leitstandes für die Fertigungsplanung, die Unterstützung von Netzplänen sowie die zertifizierte Schnittstelle zu SAP.

Die komplette Implementierung der MES-Lösung – mit den Modulen Betriebsdaten, Maschinendaten, kpi, Personalzeit, Bewertung, Sysadmin, Produktionsinfo, Projektzeit – erfolgte dann im Rahmen eines sechsmonatigen Pilotprojektes an beiden Produktionsstandorten, gefolgt von einer zügigen Einführung und Umstellung.

„Mit einigen wenigen, von uns definierten und von Industrie Informatik umgesetzten Adaptionen im Bereich SAP, Etiketten und Wiegen decken wir heute mehr als 90 Prozent unsere Anforderungen im cronetwork-Standard ab“, erläutert Projektleiter Hein.

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Fertigungsprozess auf einen Blick

So realisierten Multivac und Industrie Informatik – auf dem SAP-Interface in cronetwork aufsetzend – eine Prozessintegration zum „abgesicherten“ Parallelmelden in cronetwork und SAP: Die Multivac-Mitarbeiter melden heute die meisten Arbeitsgänge an den 180 Rückmelde-Terminals für die cronetwork-Betriebsdatenerfassung zurück, einige jedoch auch in SAP.

Dennoch werden diese Arbeitsgänge an cronetwork heruntergegeben, damit man immer den kompletten Auftrag dort sieht. Damit diese Arbeitsgänge nicht fälschlicherweise in cronetwork bemeldet werden, wurde dort über eine Adaption eine Sperre eingebaut.

Zusätzlich teilt SAP über diese in SAP gemeldeten Arbeitsgänge immer den aktuellen Status mit, so dass auch in cronetwork immer der Auftragsfortschritt über alle Arbeitsgänge zu sehen ist. Der gesamte Fertigungsprozess ist also in cronetwork ersichtlich – auch für reine SAP-Arbeitsfolgen.

So wurde etwa die lästige Materialsuche in den riesigen Produktionshallen mit einer Fläche von über 50.000 Quadratmetern vereinfacht. „Früher war dieses Thema für uns so eine Art Black Box. Es kam immer wieder mal vor, dass wertvolle Teile nicht an ihrem Platz waren und auch nicht gefunden wurden“, so Hein. „Heute finden wir das schnell und einfach über die Rückmeldungen in cronetwork heraus, weil wir sehen können, wer das Material zuletzt in der Hand hatte.“

Ein enormer Vorteil – besonders vor dem Hintergrund, dass die größten Maschinen aus bis zu 10.000 Komponenten gefertigt werden.

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Einfache Kapazitätenplanung

Die cronetwork Betriebsdatenerfassung wird heute nahezu in der kompletten Multivac-Fertigung eingesetzt. Das cronetwork-Modul „Projektzeit“ steht für das Melden in der Programmierung.

Das Reportingtool „Produktionsinfo“ – Oracle Discoverer – steht für die internen Auswertungen zur Verfügung. „Der größte Nutzen der MES-Lösung zeigt sich bei den Ist-Rückmeldedaten als Basis für das Controlling, im Überblick über den Arbeitsfortschritt, in der Verringerung der Rückmeldefehler durch laufende Kontrolle und in der Transparenz der Rückmeldedaten“, so IT-Chef Wilfried Grewe über die Vorteile von cronetwork für die Fertigung von Multivac.

Bei der Kapazitätsplanung ist die Stellplatzsteuerung in der Montagehalle ein wichtiges Instrument: „Wir können nur eine gewisse Anzahl Maschinen pro Woche fertigen“, erklärt Hein. „Wenn plötzlich sehr viele Aufträge mit langen Maschinen kommen, wird es eng. Mit cronetwork können wir schnell neu planen und montagegerecht fertigen.“

Schnelle Störungsbehebung

Bei der Funktionalität von cronetwork zählt für Hein die automatische Anbindung von mehr als 200 Produktionsmaschinen unterschiedlicher Ausprägung zu den großen Stärken: „Mit cronetwork können wir entstandene Laufzeiten, die sehr viel Geld kosten, den einzelnen Aufträgen korrekt zuzuordnen. Heute wissen wir genau, wie viel Geld uns ein Projekt bringt. Die Zeiten der Black Box sind auch hier vorbei.“

Dieses Wissen hat direkte Auswirkungen auf den Bereich der Prozesssteuerung und -verbesserung: Künftig will Multivac mit den neuen Erkenntnissen seine Vorgabezeiten verbessern, um bei der Terminierung und Kapazitätsplanung auf sichere Vorgaben setzen zu können.

Auch mit der Reduzierung der Kosten ist Gerhard Hein zufrieden: „Wir sehen heute auf einen Blick, dass eine Maschine steht, und können sofort die Störungsbehebung anstoßen. Wenn die Störung am Programm liegt, wird sie gleich an den Programmierer weitergeben. Kosten reduzieren sich, da wir schneller geworden sind. Warte- und Stillstandzeiten konnten wir enorm verkürzen.“

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