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Essen aus dem 3D-Drucker

6. April 2016 von Hans Thalbauer, Senior Vice President, SAP 0

Der 3D-Druck ist in vielen Branchen auf dem Vormarsch. So macht die Nahrungsmittelbranche bereits große Fortschritte und revolutioniert die Logistikkette.

Die US-amerikanische Armee beispielsweise möchte die 3D-Druck-Technologie in Zukunft nutzen. Ziel ist es, die Ernährung auf jeden einzelnen Soldaten individuell abzustimmen. Die NASA erprobt zur Zeit den 3D-Druck von Nahrungsmitteln im Weltraum. Die neue Technologie könnte sogar eines Tages den Hunger in der Welt beenden.

Der 3D-Druck erfordert eine erweiterte Logistikkette

Was aber hat das alles mit der Logistikkette zu tun? Eine Menge – denn der 3D-Druck revolutioniert nicht nur die Produktion von Nahrungsmitteln. Auch die komplette Logistikkette muss neu strukturiert werden. Die 3D-Druck-Technologie zeigt eindrucksvoll, wie sich Unternehmen im Zeitalter der erweiterten Logistikkette künftig neu erfinden müssen.

Pasta – aber bitte mit salzigem Karamell

Die erweiterte Logistikkette ersetzt in Zukunft die gewohnte lineare – und zwar nicht nur durch ein Netzwerk, sondern durch ein Netzwerk, das aus vielen weiteren Netzwerken besteht. Vier Schlüsselfaktoren spielen dabei eine große Rolle: individualisierte Produkte, die Ökonomie des Teilens (meint den gemeinschaftlichen Nutzen von beispielsweise Autos und Wohnungen), die Rohstoffverknappung und die Kundenorientierung.

Um diese Schlüsselfaktoren besser nachvollziehen zu können, versetzen wir uns in die Lage eines Leiters einer Restaurantkette. Die Konkurrenz schläft nicht, deshalb braucht er eine neue Idee, um sich vom Wettbewerb abzuheben. Er beschließt, individualisierte Hauptgänge herzustellen. Genauer gesagt: Er möchte die 3D-Druck-Technologie nutzen, um personalisierte Nudelgerichte anzubieten.

Auf diese Weise lassen sich schnell einmalige Gerichte kreieren. Seine Kunden können aus verschiedenen Zutaten (glutenfrei), Geschmacksrichtungen (salziges Karamell) oder Formen (der schiefe Turm von Pisa) frei wählen. Personalisierte Nudelgerichte lassen sich im Restaurant, im Supermarkt und in Online-Shops anbieten.

Man könnte meinen, dass sich durch den Einsatz des 3D-Drucks nur die Produktionsprozesse ändern. Aber das ist nur der Anfang. Auch die Erforschung und Entwicklung von Nahrungsmitteln, die Prognostizierung der Nachfrage, das Anlagenmanagement, die Logistik und das Partnermanagement müssen entsprechend angepasst werden.

Zunächst gilt es, die zur Auswahl stehenden Zutaten, Geschmackrichtungen und Formen festzulegen. Auch landesabhängige Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen sind dabei zu berücksichtigen. Dann muss man einige der Fertigungsschritte direkt in die Küche verlagern. Das wird vor allem die Verpackunganforderungen beeinflussen. Die logistischen Abläufe werden sich ebenfalls ändern, denn anstelle von vollen LKW-Ladungen muss man jetzt öfter kleinere Mengen und auch unterschiedlichere Produkte ausliefern.

Als nächstes ist es wichtig, die Nachfragesignale richtig zu interpretieren, um voraussagen zu können, welche Nudelgerichte in welcher Menge über welche Kanäle bestellt werden. Denn nur dann kann man eine größere Zahl an unterschiedlichen Zutaten nahezu in Echtzeit beschaffen. Ändern wird sich schließlich auch, woher die Nachfragesignale kommen. Manche werden weiterhin direkt von den Läden stammen. Andere Signale, beispielsweise um Nachschublieferungen und Wartungsarbeiten anzustoßen, werden von den 3D-Druckern selbst gesendet werden.

Vier Hauptzutaten für die erweiterte Logistikkette

Wie bei unserem Nudel-Szenario, erfordert die erweiterte Logistikkette, dass sich Geschäftsmodelle und -prozesse ändern:

Erstens: Durch die steigende Nachfrage nach individuellen Produkten müssen F&E, das Management von Maschinen und die Logistikkette so angepasst werden, wie das bei der 3D-Druck-Pasta der Fall war.

Zweitens: Die Ökonomie des Teilens besteht – wie bei den personalisierten Hauptgerichten – aus einem breitgefächerten Netzwerk aus Partnern – vom Lieferanten zum Hersteller bis hin zur ausgelagerten Fertigung, die alle elektronisch und transparent miteinander verbunden sein müssen, in Echtzeit, zu jeder Zeit.

Drittens: Die Ressourcenknappheit bezieht sich nicht nur auf die Rohmaterialien, sondern auch auf das Personal. Denn für die neuen Geschäftsmodelle und -prozesse benötigt man eigene und externe Mitarbeiter, die entsprechend ausgebildet und flexibel sind.

Viertens: Und zu guter Letzt zählt vor allem eins: die Kundenorientierung. Wer in der Geschäftswelt von heute bestehen und die aktuellen und zukünftigen Erwartungen seiner Kunden erfüllen möchte, muss alles daran setzen, die Kundennachfrage schnell zu interpretieren und rasch darauf zu reagieren.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Digitalist Magazine.

Foto: Shutterstock

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