Nationale Öl- und Gasgesellschaft fit für den Wettbewerb

Feature | 2. Mai 2005 von admin 0

Neben Problemen mit regionalen Autonomiebestrebungen hat Indonesien derzeit mit Schwierigkeiten wie der Verknappung natürlicher Rohstoffe und der Liberalisierung des Energiesektors zu kämpfen. Zudem haben in jüngster Zeit die Öl- und Gaspreise neue Höchststände erreicht. Das zentrale indonesische Amt für Statistik (BPS) berichtet, dass die Öl- und Gasexporte des Landes im Januar 2005 stark gefallen sind: Der Export von Ölprodukten ging um 33,83 Prozent zurück.

Außenansicht: Raffinerie

Außenansicht: Raffinerie

Diesen neuen Herausforderungen muss sich der staatliche indonesische Öl- und Gaskonzern Pertamina, ehemals Monopolanbieter, nun stellen. Kritiker behaupten, dass das staatlich kontrollierte Unternehmen viel zu groß sei, viel zu viele Sparten abdecke und viel zu langsam auf die Kräfte am Markt reagiere. Jetzt möchte sich der Konzern auf sein Kerngeschäft konzentrieren und die eigenen Prozesse rationalisieren, um nach der Liberalisierung des Öl- und Gassektors (2003) im intensiven Wettbewerb mithalten zu können. Man entschied sich für SAP R/3 Enterprise als zentrale IT-Architektur. Mit diesem System sollen die Geschäftsprozesse integriert, Redundanzen vermieden und die Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit verbessert werden. Außerdem soll SAP R/3 dazu beitragen, die verschiedenen Geschäftsfelder in ein umfassendes und gleichzeitig skalierbares Enterprise-Resource-Planning-(ERP)-Netzwerk zu integrieren.

IT-Roadmap

Pertamina

Pertamina

Pertamina beschäftigt über 20.000 Mitarbeiter und verfügt über mehrere strategische Geschäftsfelder mit 14 Tochtergesellschaften in den Sparten Ölhandel, Hotelimmobilien, Schifffahrt, Luftfahrt, Werftinstandhaltung, Krankenhäuser, Versicherungen, Fertigung und verbundenen Branchen. Einige dieser Gesellschaften beispielweise Pelita Air Services oder die Hotel- und Restaurantkette Patra Jasa, haben bereits SAP R/3 Enterprise implementiert, andere wie die Krankenhaussparte denken derzeit darüber nach.
Als erster Schritt für eine Neugestaltung des Unternehmens sollte die Umstrukturierung der IT-Infrastruktur erfolgen. Zu diesem Zweck wurde ein Projektteam gegründet. Triyadi Prayogo, Vice President Unternehmenssysteme und Informationstechnologien bei Pertamina, erinnert sich, wie nach einer Lösung gesucht wurde, die von den Anwendern akzeptiert und sich optimal auf Kerngeschäft und Konzernergebnis von Pertamina auswirken würde. “Wir mussten unsere Legacy-Daten, die auf großen Mainframe-Rechnern gespeichert waren, in ein dezentrales Client-Server-Modell übertragen”, erklärt Prayogo. “Unser altes Legacy-System, das mit der Programmiersprache Mantis entwickelt worden war, war nicht funktionsübergreifend ausgelegt und daher nicht in der Lage, alle vorhandenen Systeme zu integrieren.” Zehn verschiedene ERP-Lösungen wurden intensiv geprüft, bevor die Entscheidung schließlich Anfang 2001 auf SAP R/3 fiel.
Auf der Grundlage der für den Gesamtkonzern entwickelten Roadmap erarbeitete das Projektteam eine spezielle IT-Roadmap. In sämtlichen Phasen der sich anschließenden Implementierung musste gewährleistet werden, dass die darin festgeschriebenen Prozess eingehalten wurden.
Pertamina beauftragte das Beratungsunternehmen Accenture damit, die SAP-Implementierung zu unterstützen – denn der SAP-Partner verfügte bereits über eine renommierte Solution Map für die Geschäftsbereiche Prospektion, Produktion, Prozesse, Raffinerie, Marketing und Unternehmensadministration in der Öl- und Gasindustrie und über Erfahrung mit der Integration von Drittsoftware. Für den Öl- und Gassektor werden spezielle Softwarelösungen für geologische, geografische und geophysische Anwendungen angeboten, die im Vergleich zum transaktionsbasierten SAP R/3 Enterprise stärker auf Zahlen fokussiert und wissenschaftlicher ausgerichtet sind. Die SAP-Lösung bietet Schnittstellen zu derartigen wissenschaftlichen Softwareprogrammen, so dass eine Verknüpfung mit diversen transaktionsbasierten Komponenten innerhalb des SAP-Systems möglich ist.
Im Vorfeld der Implementierung waren nur wenige kundenspezifische Anpassungen und Lokalisierungsmaßnahmen erforderlich. Das einzig größere Problem war die Tatsache, dass das Projektteam die internen Buchungsfelder erweitern musste, um die vielen Nullen der indonesischen Rupie unterzubringen. Mit Hilfe von SAP Indonesien ließ sich dieses Problem jedoch schnell lösen.
Pertamina implementierte die SAP-Komponenten Finanzen und Controlling (FI-CO), Materialwirtschaft (MM), Verkauf und Vertrieb (SD), Produktionsplanung (PP), Plant Maintenance/Instandhaltung (PM), Projektsystem (PS) und Personalwirtschaft (HR).
Derzeit konzentriert sich Pertamina auf die Integration der Geschäftsprozesse. “Früher hatten die Benutzer ausschließlich mit Anwendungen zu tun, mit denen sie sich auskannten. Daher reagierten sie zuerst ein wenig zurückhaltend, wurden jedoch zuversichtlicher, je mehr von ihnen mit den SAP-Komponenten vertraut wurden. Nach dem Abschluss der Schulungen wurde das Go-Live zunächst nur an einem Standort durchgeführt, um den Mitarbeitern die Gelegenheit zu geben, sich in das System einzuarbeiten. Erst danach folgte die vollständige Implementierung der Lösung”, blickt Prayogo zurück.

Anbindung aller indonesischen Standorte

Pertamina geht davon aus, dass die Migration sämtlicher Daten aus dem Legacy-System auf einen Sun-Solaris-Unternehmensserver für SAP bis zum Jahre 2006 abgeschlossen sein wird. Darüber hinaus sollen parallel zu den umfassenden zentralen Operationen auch die Funktionen Disaster Recovery und Data Warehousing zum Einsatz kommen, zwei für Pertamina in dieser Phase kritische Anwendungen. Derzeit ist das SAP- System nur innerhalb Indonesiens, aber noch nicht mit den Niederlassungen in Japan und Singapur verknüpft. Als nächstes ist die Optimierung des SAP-Systems an allen indonesischen Standorten sowie die Einrichtung von Monitoring-Funktionen auf lokaler Ebene geplant. Unter “Lokalem Monitoring” versteht man Folgendes: Tritt an einem Standort ein Problem auf, wird ein Bericht an die betroffene Benutzergruppe übermittelt. Der Koordinator dieser Gruppe versucht dann, das Problem vor Ort zu lösen. Erst wenn dies nicht möglich ist, meldet er es der Zentrale in Jakarta. Diese Flexibilität – die unmittelbare Überwachung des Systembetriebs vor Ort – gehört zu den weiteren Vorteilen, die sich für Pertamina aus der Entscheidung für die SAP-Lösung ergeben.

Beispiel für strategische Unternehmensausrichtung

Im Zuge des Unternehmenswachstums entwickelt sich auch der IT-Bedarf des Konzerns. Vor der Liberalisierung des Öl- und Gasmarktes musste die IT-Abteilung in erster Linie behördliche Auflagen erfüllen und beispielsweise zweisprachige (auf Englisch und Indonesisch) Berichte entsprechend den Regierungsauflagen erstellen. Nun arbeitet jeder Geschäftsbereich von Pertamina wirtschaftlich mit SAP R/3 Enterprise, um kritische Lagerbestände zu überwachen und zukünftige Verkäufe zu prognostizieren. Auf diese Weise können Gewinne und Verluste der einzelnen Geschäftsbereiche genauer analysiert werden. Dies trägt wiederum zur Transparenz von Pertamina bei und verbessert das Image der Gesellschaft als beispielhaftes Unternehmen in Indonesien. Darüber hinaus wird die Verantwortlichkeit der einzelnen Sparten für die Verbesserung des Geschäftsergebnisses verstärkt.
Kontinuierliche Verbesserung gilt als Markenzeichen für jedes Großunternehmen, das eine Umstrukturierung plant. “Wir möchten im Hinblick auf gute unternehmerische Praxis eine Vorbildfunktion übernehmen”, erklärte Prayogo. “Wir müssen hart arbeiten, um die Möglichkeiten der IT voll auszuschöpfen – doch das ist nur ein Teil des Problems. Darüber hinaus müssen wir uns auf die berühmten sieben ,S’ konzentrieren, die von McKinsey als Schlüssel zur erfolgreichen Unternehmensführung definiert wurden: Strategie, Struktur, Systeme, Unternehmenskultur (style), Fähigkeiten (skills), Mitarbeiter (staff) und Vision (shared values).”
Pertamina plant den Rollout der gesamten SAP Business Suite innerhalb der kommenden drei Jahre. Bis dahin sollen schwarze Zahlen geschrieben werden. Später beabsichtigt das Unternehmen, bestimmte Geschäftsbereiche an andere große Öl- und Gaskonzerne auszulagern.
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Tony Sitathan

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