Das Buch des SAP-Managers

4. Juni 2013 von John Hunt 0

Martin_Brown_Cover

Foto: Screenshot Cover

Martin Brown, der als Manager im Primary Support von SAP in Großbritannien arbeitet, hat wenig Zeit für sein größtes Hobby, das Schreiben. Wie so viele andere Mitarbeiter ist er in seinem Beruf sehr gefordert und versorgt in seiner Freizeit auch noch seine Eltern. Er beschloss deshalb, die einstündige Zugfahrt zu seinem Arbeitsplatz im SAP-Büro in Ealing für sein Hobby zu nutzen. Er schrieb auf dem kleinen Bildschirm seines PDAs seinen ersten Roman und freut sich, dass der tägliche Arbeitsweg für ihn keine vergeudete Zeit mehr ist, sondern ein wertvoller Ausgleich zur Hektik des Berufsalltags.

Browns Vater ist Schriftsteller, weshalb auch in ihm bereits im Alter von fünf Jahren der Wunsch reifte, ebenfalls zu schreiben. Vor zehn Jahren machte er sich daran, seinen Traum zu verwirklichen, und belegte einen Kurs in kreativem Schreiben. „Ich habe immer wieder zwischendurch ein wenig geschrieben“, erzählt er. „Aber ich hatte keinen Plan, und ohne Plan ist Schreiben ein Chaos.“

Die zündende Idee für das Buch

Während eines Urlaubs in Devon kam Brown schließlich die zündende Idee. Er wohnte in einem umgebauten Stall und sinnierte darüber, wie immer mehr Bauern die Landwirtschaft aufgaben, um Geld mit Touristen zu verdienen. Genau dieser Blickwinkel hatte ihm noch als Hintergrund für die Liebesgeschichte gefehlt, die er bereits im Kopf hatte.

Im April 2010 begann Brown zu schreiben und schaffte auf dem Weg zur Arbeit jeden Tag 500 bis 800 Wörter. Auf dem Heimweg las er sich das, was er morgens geschrieben hatte, nochmals durch und änderte einzelne Passagen. Im April 2012 war das Buch mit insgesamt 120.000 Wörtern fertig: Es trägt den Titel „The Last Goodbye“.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Drei Erzähler, eine Geschichte

Martin Brown on his daily commute to work

Martin Brown on his daily commute (Photo: Private)

Er beschreibt den Stil seines bislang ersten Romans als „Doppelhelix“: Es gibt drei Erzähler, von denen einer die Geschichte in der Vergangenheit erzählt, die anderen beiden in der Gegenwart. „Ich habe das Buch absichtlich so strukturiert, dass die einzelnen Kapitel kurz sind. So kann man jeden Tag im Zug ein Kapitel lesen“, erzählt er.

Das abschließende Lektorieren dauerte sechs Monate. Seine Frau muss als persönliche Assistentin eines Managers bei British Gas regelmäßig Vorträge und Präsentationen lektorieren und war deshalb bestens für diese Aufgabe geeignet. So konnte auch sie zum Gelingen des Projekts beitragen. Nun bestand die Herausforderung darin, das Interesse der Leser für den Roman zu wecken.

Werbung auf Facebook und Twitter

Als das Buch herausgebracht werden sollte, wohnte Browns Nichte Lucy für einige Zeit bei der Familie. Sie hatte gerade ihr Studium abgeschlossen und ihre Abschlussarbeit zum Thema Marketing mit Twitter verfasst.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Werbung via Social Media

„Lucy hat mir die Augen für die Welt der sozialen Medien geöffnet“, so Brown. Mit Lucys Hilfe richtete er eine Facebook-Seite ein und holte sich auf Twitter Follower ins Boot, um die Werbetrommel für den Roman zu rühren.

Die Tweets enthalten Links zur Facebook-Seite für den Roman, auf der Brown regelmäßig Inhalte postet, beispielsweise Fotos aus Devon, wo die Geschichte spielt. Auch über herkömmliche Medien macht er Werbung für sein Buch, zum Beispiel in Interviews im Radio oder über Bücherclubs.

Und wie es der Zufall so will, konnte Brown die Erfahrungen, die er als Schriftsteller und bei den verschiedenen Werbeaktionen für sein Buch gesammelt hatte, schon bald darauf auch bei seiner Arbeit nutzen.

Die verborgenen Talente der Kollegen

Anfang des Jahres hatte die SAP die Supportorganisationen von BusinessObjects und Sybase in Großbritannien zusammengelegt. „Plötzlich waren wir über Hundert Mitarbeiter und hatten ein neues Büro“, erzählt Brown. „Uns war klar, dass wir uns möglichst schnell zu einem Team zusammenfinden mussten, und entschlossen uns deshalb zu einer teambildenden Veranstaltung.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Work-Life-Balance

Im Rahmen seiner schriftstellerischen Tätigkeit hatte Brown viele neue Menschen kennengelernt und war daher sicher, dass auch seine Kollegen mit verborgenen Talenten aufzuwarten hatten. Er organisierte eine Session, in der die Mitarbeiter genau von diesen Talenten erzählen sollten. „In jedem steckt ein verborgenes Talent“, zeigt er sich überzeugt. „Es ist einfach spannend zu hören, dass ein Kollege Gitarren aus Fender-Teilen baut, ein anderer Banjo spielt und wieder ein anderer Sänger in einer Band ist.“

„Wir hatten an dem Tag auch andere teambildende Veranstaltungen“, erzählt er weiter. „Aber über die verborgenen Talente wird noch heute gesprochen. Das hat uns zusammengeschweißt.“ Brown erfuhr dabei unter anderem, dass einer seiner Kollegen Bücher illustriert. Sie arbeiten nun an einem gemeinsamen Kinderbuch. Während der Session kam auch die Idee auf, ein Kochbuch mit Rezepten der Mitarbeiter der Abteilung zu veröffentlichen. „Wie sich herausgestellt hat, kochen viele aus unserer Abteilung leidenschaftlich gern“, erzählt er. „Ich habe schon ein paar sehr leckere Rezepte für das Projekt bekommen.“ Der Erlös aus dem Verkauf des Buches soll an eine wohltätige Organisation in Ealing gehen.

Work-Life-Balance

Auf die Frage, wie sich das Schreiben auf seine Arbeit auswirkt, antwortet Brown, dass er durch die kreative Tätigkeit ausgeglichener sei. Diesen Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben – die Work-Life-Balance – vergleicht er gerne mit einem Stuhl, der mindestens drei Beine braucht, um stabil zu sein. Beruf und Privatleben sind zwei Beine dieses Stuhls. Das stabilisierende dritte Bein ist für Martin ein Hobby – etwas, das man nur für sich selbst tut. „Wenn man eine Idee hat, sollte man sie einfach umsetzen. Am besten schreibt man eine Liste der Gründe, die das Vorhaben bislang behindert haben, und sucht dann nach einer Lösung. So findet man in allen Lebensbereichen Erfüllung.“

Tags: , ,

Leave a Reply