App-Generator: NetWeaver Gateway

27. Juni 2011 von Daniel Hardt 0

(Grafik: Fotolia)

Welt aus Apps: NetWeaver Gateway bringt SAP-Daten kompakt ans Ziel (Grafik: Fotolia)

„Project Gateway“  heißt seit der SAPPHIRE NOW 2011 SAP NetWeaver Gateway und steht kurz vorm Release. Das Motto bleibt gleich:

Mit Gateway zügig Apps entwickeln, die nutzerfreundlich gestaltet und über jedes Gerät und jede Plattform zu beziehen sind.

Gateway ist ein Framework, das einen großen Kreis an Entwicklern erreichen soll, da keine ABAP- oder BAPI-Kenntnisse zur Programmierung vonnöten sind. Die Verwendung gängiger (Web-)Standards, macht Daten aus dem SAP-Backend überall verfügbar. Bereits erschienen ist Version 0.5 von Gateway, siehe Artikel „Apps in zwei Minuten“. Sie ist Teil der mit Microsoft entwickelten Kollaborationssoftware Duet Enterprise. Die auf der SAPPHIRE vorgestellte Version 2.0 ist hingegen ein Stand-alone-Produkt und soll noch im zweiten Quartal 2011 erscheinen.

Wir stellen Ihnen vor, was SAP NetWeaver Gateway zum Release drauf hat und welche Innovationen anstehen.

(Screenshot: SAP)

NetWeaver Gateway sitzt zwischen Endgeräten und Backend (Screenshot: SAP)

Struktur und Funktionen

Da Gateway auf zügige Entwicklung und einfache Handhabe abzielt, soll jede Applikation auf eine klar umrissene Business-Anforderung fokussieren und dazu Businessdaten und –prozesse integrieren. Die benötigten Objekte werden aus aggregierten Daten erstellt, die aus unterschiedlichen Quellen oder SAP-Systemen stammen. Über den REST-basierten Standard werden Daten zwischen Anwender- und SAP-Applikationen transferiert.

Neben REST Services, kommen ATOM und OData 2.0 als Formate für Transferprotokolle zum Einsatz. Letztere berücksichtigen auch SAP-spezifische Vermerke. Gateway besitzt ein Model-Repository, um einmal erstellte Analyse-Modelle zu speichern, zu suchen und abzurufen. Ein Push-Kanal versorgt die Anwendungen mit Informationen aus dem SAP-System, die beispielsweise in einen Email-Client übertragen werden können.

Damit Kunden zum Start zudem ein Ecosystem vorfinden, hat SAP mit Capgemini, CompriseIT, itelligence und Software AG den Design Partner Council gegründet. Schließlich soll von Anfang an genug Expertise bereitstehen, um Kundenwünsche zu erfüllen.

Unabhängiger Lebenszyklus

Eine „Abstraction Layer“ entkoppelt den Lebenszyklus von App und Backend. Updates, Upgrades oder Releasewechsel erfordern deshalb keine Anpassungen auf der anderen Seite. Da Gateway ein Add-On der ABAP-Plattform ist, ist es für die meisten Business Suite-Kunden verwendbar und verträgt sich auch mit SAP R/3 4.6C oder höheren Releases.

Entwicklung leicht gemacht

Entwickler können ihre Entwicklungsumgebungen (IDE) quasi frei wählen. Für Visual Studio, x-Code und Eclipse bietet SAP optional Plug-ins zur einfacheren Verbindung. Neben Apples xCode sollen auch Android, Windows Phone, Blackberrys RIM sowie und die Web-Sprachen .NET, Ruby on Rails, PHP und ASP.NET unterstützt werden.  Ein objekt- und ein screenbasierter Generator erlauben die Wiederverwendung einmal programmierter Modelle auf anderen Endgeräten – ohne weiteres codieren. Vorgefertigte Modelle bilden zudem Objekte aus SAP ERP und SAP CRM ab. Runtime Services geben der IT Support für Security, Monitoring und Administration.

Beispiel: Mit (Sreenshot: SAP)

 In HTML 5 und x-Code erstellte Gateway-Apps (Sreenshot: SAP)

Anwendungs-Szenarios

Auf der SAPPHIRE NOW 2011 wurden fünf Demos von fünf Anwendungen gezeigt, die mit Gateway erstellt wurden:

Leads per Social Media:

Die Firma Asian Paints analysiert mit der über Gateway erstellten App Social Media-Portale wie Twitter und Facebook anhand von Keywords. Die Ergebnisse werden als Leads ins CRM weitergeleitet und ermöglichen umgehende Reaktionen, wie beispielsweise eine Angebotsunterbreitung über einen Twitter-Kanal. Weiterhin sind die gewonnen Informationen für Sales Promotion sowie Marketing nutzbar und geben Aufschluss über die Haltung der Kunden zum Produktdesign. Die App wurde von einem einzelnen Entwickler in zwei Wochen erstellt.

Projekt-Teams erstellen:

Eine „Staffing-Applikation“ auf Basis von Adobe Flash verbindet Projektlisten mit Mitarbeitern. Aus dem SAP-System werden Angaben zu Projekten und Ressourcen mittels Mapping mit Profilen der Mitarbeiter abgeglichen und auf diese Weise Projektteams zusammengestellt. Im Anschluss wandern die Daten zurück ins SAP-System. Die App wurde in drei Wochen umgesetzt.

Öffentliche Verwaltung mobil:

Bürger, direkt mit dem öffentlichen Dienst ihrer Kommune verbunden, sind ein weiteres Szenario. Bei Unfällen, Müll oder Sachbeschädigungen wird die App aufgerufen und Verbindung zum Rathaus hergestellt. Per Foto und Geo-Lokalisation plus Beschreibung erfahren kommunale Stellen auf der Stelle, wo etwas zu tun ist. Eine Push-Nachricht informiert Bürger, wenn der Schaden beseitigt ist. Als Entwicklungsumgebung diente x-Code.

POS-Szenario:

Eine mit .NET entwickelte App informiert den Verkäufer auf Wunsch des Kunden über dessen Vorlieben. Dafür wird eine aus Facebook bekannte Gesichtserkennungs-Software genutzt. Neben dem Social Media-Profil werden auch CRM-Daten vom Kunden angezeigt. Der Besuch des Kunden wird wiederum als Lead ins CRM übertragen.

Außendienst:

Vertriebsmitarbeiter im Außendienst gleichen ihre Position mit einer Liste an Kunden ab, die in der Nähe wohnen. Aus dem CRM-System erfahren sie, wann der letzte Kauf stattfand und welches Produkt erworben wurde. Über eine Verbindung mit SAP Streamwork werden auch Dokumente zu vergangen Interaktionen mit dem Kunden verfügbar. So lässt sich etwa feststellen, wie zufrieden der Kunde mit dem Service ist. Die verwendete App läuft unter HTML 5 und war nach 1,5 Wochen fertig.

(Screenshot: SAP)

Facebook tracken – Kunden finden (Screenshot: SAP)

Gateway & Duet Enterprise

Die bestehende Version Gateway 0.5, als Teil von Duet Enterprise, verbindet SAP-Software mit Microsoft Office und Sharepoint. Feature Pack 1 für Duet Enterprise 1.0 ist für die zweite Hälfte 2011 geplant und soll Gateway 2.0 nutzen. Ein Ziel dabei ist, dass die zahlreichen Entwickler, die .NET nutzen, über Gateway Zugang zu SAP-Applikationen bekommen.  Zudem ist ein Windows Azure Software-Entwicklungskit für Gateway geplant, mit dem .NET-Entwickler cloudbasierte Anwendungen entwickeln, ohne die Entwicklungsumgebung zu verlassen.

Gateway & SAP-Middleware

Wie verhält sich NetWeaver Gateway zu SAP NetWeaver PI, NetWeaver Business Process Management (BPM) und zur Sybase Unwired Platform?  Für Anwendungen die über die Komplexität von Gateway hinausgehen, empfiehlt SAP weiterhin die Verwendung der Enterprise Services. SAP NetWeaver PI etwa bietet weitergehende Funktionen – bei einem höheren Entwicklungs- und Unterhaltsaufwand – zur A2A- und B2B-Integration.  SAP BPM hilft hingegen bei Modellierung, Ausführung und dem Monitoring von Business-Prozessen. Geplant ist, eine Konnektivität zwischen NetWeaver Gateway und NetWeaver BPM herzustellen.

Da Gateway weder ausschließlich für mobile Lösungen, noch für Lösungen auf Enterprise-Niveau gedacht ist, spielt die geplante Verbindung mit der Sybase Unwired Platform (SUP) eine besondere Rolle. So soll Gateway in Zukunft ein Bindeglied zwischen SUP und SAP-Backendsystemen sein. SUP bietet vollständige mobile Enterprise-Funktionalität. Zu den Funktionen zählen unter anderem das Management multipler mobiler Geräte, Geräte- und Datensicherheit, Anbindungen an weitere Datenquellen sowie Offline-Support. Im Verlauf des Jahres ist geplant, dass SUP über Gateway auf die SAP Business Suite zugreift.

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