Teure Daten-Friedhöfe

15. August 2011 von Sophie Kirsten 0

(image: Fotolia)

Setzt SAP-Systeme auf Diät: SAP Netweaver ILM (image: Fotolia)

Riesige Datenmengen schlummern bei Unternehmen weltweit in Systemen, die im täglichen Geschäft gar nicht mehr benötigt werden. Ob Rechnungen, Jahresabschlüsse oder Geschäftsbriefe: Unternehmen sind gesetzlich dazu verpflichtet, relevante Informationen über mehrere Jahre aufzubewahren. Dabei geht es nicht nur um Informationen, die für die Finanzverwaltung und mögliche Steuerprüfungen von Bedeutung sind. Pharmaunternehmen oder Krankenhäuser dürfen Daten zur Medikamentenproduktion oder Patientenbehandlung sogar über 30 Jahre lang nicht löschen.

Alte Systeme abzuschalten und die darin gespeicherten Informationen einfach zu löschen ist somit für Unternehmen in der Regel unmöglich. Der Aufwand für die Stilllegung eines SAP-Systems schien bisher zu groß und erforderte häufig verstärkten manuellen Einsatz. Außerdem gab es keine standardisierte Vorgehensweise dafür . Am Ende seines aktiven Lebens fristet das Altsystem fortan ein Dasein als Daten-Friedhof – ein recht kostenintensiver Umstand, denn es muss weiterhin am Leben gehalten oder nach einem temporären Abschalten mit hohem Aufwand ins selbige zurück gerufen werden. Außerdem verursacht es nicht zu unterschätzende Kosten, beispielsweise für Strom und Kühlung, Wartung und Softwarelizenzen.

SAP-Systeme schlank und rank

„Es gibt zahlreiche Unternehmen mit mehreren hundert bis tausend solcher Altsysteme“, erklärt Helmut Stefani. Er arbeitet bei SAP an der Entwicklung von SAP NetWeaver Information Lifecycle Management (ILM). Mit dieser Lösung können Unternehmen ihre teuren Daten-Friedhöfe nun ruhigen Gewissens abschalten. „Ein zentrales Einsatzgebiet von SAP NetWeaver ILM ist die Überführung der relevanten Daten aus Altsystemen in ein zentrales Retention Warehouse und die anschließende Stilllegung der Altsysteme“, so Stefani.

Zusätzlich hilft SAP NetWeaver ILM, aktive ERP-Systeme leistungsstark zu halten. Unternehmen können mit der Komponente eigene Regeln für die automatische Archivierung und gesetzeskonforme Aufbewahrung von Daten erstellen. So bleiben die Datenbanken des Produktivsystems rank und schlank – gleichzeitig gehen wichtige oder aufbewahrungspflichtige Informationen nicht verloren.

Sowohl SAP- als auch Non-SAP-Daten können im Rahmen einer Systemstilllegung in ein zentrales Retention Warehouse übernommen und langfristig sicher aufbewahrt werden. Dies schließt strukturierte und unstrukturierte Daten ein, erklärt Stefani: „Im Retention-Warehouse können Unternehmen bei Bedarf jederzeit auf die Daten zugreifen, zum Beispiel im Rahmen einer Steuerprüfung.“ SAP bietet also eine Lösung für das komplette Informationsmanagement eines Unternehmens: für SAP- und Non-SAP-Daten, für strukturierte und unstrukturierte Informationen, für Produktiv- und für Altsysteme.

Zukuntfsszenario Cloud

Besonders schützenswerte Daten können Nutzer von SAP NetWeaver ILM zudem mit einer rechtsfallbedingten Sperre versehen, damit sie weder aus Versehen noch absichtlich gelöscht werden können. Das ist beispielsweise besonders für Informationen hilfreich, die aufrund eines anstehenden Gerichtsverfahrens benötigt werden. Auch für das Gegenteil, die gesetzeskonforme Vernichtung von Daten, bietet die Lösung alle nötigen Funktionen. Dass das Systemstilllegungsverfahren mit SAP NetWeaver ILM dabei wichtige Compliance-Richtlinien einhält, hat die Unternehmensberatung Deloitte in einem Konzept-Review untersucht. Zusätzlich testeten in den vergangenen Wochen weitere SAP-Partner die Lösung und lieferten einstimmig positives Feedback.

Das Retention Warehouse als zentrale Komponente des Systemstilllegungsszenarios von SAP NetWeaver ILM wird von den Kunden auf dedizierten Servern betrieben und umfasst eine SAP BW Instanz sowie Ablagesystem zur lanfristigen Speicherung der Daten. In einem solchen Datenlager können sich sich mehrere Terabytes an Informationen sammeln. In Zukunft könnten diese Informationen dem Trend folgen und in die Wolke ziehen. Doch für Cloud-basierte Datenarchive müssten erst noch Zweifel aus der Welt geschafft werden, meint Stefani: „Die meisten haben beim Thema Cloud noch zu viel Angst vor Datenverlust oder -diebstahl.“ Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis die Nutzung der Cloud-Technologie Best Practice werde.

Passende Service-Pakete von SAP

Unternehmen, die sich für SAP NetWeaver ILM entscheiden, können den zugehörigen Implementierungs-Service von SAP gleich mitbestellen. Carolin Treu von SAP Consulting erklärt das Prinzip: „Wir bieten vordefinierte und standardisierte Service-Pakete für SAP NetWeaver ILM.“ Demnach helfen die SAP-Berater zum einen bei der Implementierung der Lösung zum Einsatz in Produktivsystemen. Weitere Pakete beinhalten Services zur System-Stilllegung.

Der Service zu SAP NetWeaver ILM soll möglichst effizient sein – und das zu überschaubaren Kosten. Ein standardisiertes Vorgehen, basierend auf Best Practices und vordefinierten Inhalten, ermöglicht eine schnelle und reibungslose Implementierung. Kundenspezifische Anforderungen werden dabei nicht ausser Acht gelassen. Eine erprobte Projektmethodik hält die Planungsaufwände gering.

„Unser Ziel ist, dass Kunden die Lösung anschließend komplett selbstständig nutzen können“, so Treu. „In einem System-Stilllegungs-Szenario bieten wir im Vorfeld Unterstützung bei der Daten-Analyse, beim Transfer in das zentrale Retention Warehouse und bei der Anwendung der Aufbewahrungsregeln.“ Die Option eines Coaching-Ansatzes bietet Kunden zudem die Möglichkeit, selbst Hand anzulegen und den weiteren Einsatz der Lösung eigenständig umzusetzen.

Wer skeptisch ist, kann im Rahmen des speziellen Service-Angebots von SAP auch eine Pilot-Implementierung oder ein Proof of Concept durchführen. Die weitere Planung sowie eine strukturierte Roadmap für die zukünftige Nutzung der Lösung übernehmen die SAP-Berater gemeinsam mit den Kunden. Die Zeiten teurer Daten-Friedhöfe sollten so endgültig vorbei sein.

Tags: , ,

1 comment

  1. Anonymous

    Nicht nur für ERP ist ILM wichtig, sondern auch für ihr SAP BW. Immer mehr und älter werdende Daten verlangen immer eine immer größere Datenbank.

    Doch mit einer smarten ILM Strategie, beschleunigen Sie ihr heiße Daten (Daten die sie sehr häufig analysieren) z.B. mit SAP BW Accelerator. Kalte Daten (Daten die sie nicht so häufig benötigen), sollten komprimiert vorgehalten werden. Dies ist mit der standard NLS Schnittstelle und einer Partnerlösung (z.B. DataVard Outboard) möglich. Der genannte “kostenintensive Umstand” wird also reduziert.

Leave a Reply