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Wohin mit den Stammdaten?

9. Februar 2011 von Daniel Hardt und Holger Reimer 0

Bei vielen Unternehmen herrscht ein buntes Durcheinander bezüglich der Stammdaten. Verteilt auf unterschiedliche Systeme und Anwendungen, führt eine unzureichende Stammdatenpflege häufig zu Konflikten und nicht zuletzt zu höheren Kosten und Unmut beim Kunden. Nicht synchronisierte Stammdaten sind im Mittelstand noch häufiger als in großen Unternehmen.

Qual der Wahl: NetWeaver MDM oder SAP MDG fürs Stammdatenmanagement (Foto: Fotolia)

Qual der Wahl: NetWeaver MDM oder SAP MDG fürs Stammdaten-Management (Foto: Fotolia)

Ein Beispiel: Ein zu orderndes Kfz-Ersatzteil kann von mehreren Anbietern bezogen werden, die alle eine andere Teilenummer verwenden. Zugleich ist der Einbau in verschiedene Modelle aus unterschiedlichen Baujahren möglich. Schnell entsteht ein Daten-Wust mit vielen Spezifikationen. Folgen sind eine kostenintensive manuelle Einpflegung der Daten sowie Verzögerungen und Bearbeitungsfehler.

Um solche und weitere Probleme beim Kunden- oder Bestandsmanagement, Mitarbeiterverwaltung, etc. zu vermeiden, bietet SAP zwei Produkte:

SAP NetWeaver Master Data Management (MDM) und SAP Master Data Governance (MDG)

Welches Produkt für den Unternehmens-Einsatz besser geeignet ist, hängt von technischen wie prozessbezogenen Kriterien ab. SAP.info zeigt anhand eines Vergleichs, welche Lösung wann vorzuziehen ist.

Benutzeroberfläche_NetWeaver_MDM (Screenshot: Camelot ITLab)

Benutzeroberfläche NetWeaver MDM (Screenshot: Camelot ITLab)

SAP NetWeaver MDM

Seit 2004 im Einsatz, umfasst NetWeaver MDM heute verschiedene vorkonfigurierte Szenarien für Stammdaten-Prozesse. Diese SAP NetWeaver MDM Quick Starter sind beispielsweise für  Materialien- und Lieferantenmanagement verfügbar. Durch ein generisches und flexibles Datenmodell kann die Software grundsätzlich für alle Stammdatenobjekte aus SAP- und Nicht-SAP-Systemlandschaften genutzt werden.

NetWeaver MDM nutzt die Komponente SAP Business Process Management (SAP BPM) für flexible, systemübergreifende Workflows und gewährleistet eine kollaborative Stammdatenverwaltung aller Unternehmensbereiche. Weiterhin können einfache Validierungen direkt im MDM-System vorgenommen werden. Komplexere Berechnungen für Feldwerte und Pflegescreens, Adress- und Geodaten, etc. werden mit SAP BusinessObjects Data Services umgesetzt.

SAP Business Rules Management ist ebenfalls in den NetWeaver MDM integriert und dient als Werkzeug für flexible Regeldefinitionen, die von Fachbereichen auch ohne Programmierkenntnisse betreut werden können.

Sollten Stammdaten auf viele Systeme verteilt sein, ist die Kombination mit dem SAP NetWeaver Process Integration (NetWeaver PI) empfehlenswert.

NetWeaver MDM ist aktuell in der Version 7.1 verfügbar.

Configuration für NetWeaver MDM (Screenshot: Camelot ITLab)
Benutzeroberfläche von Master Data Governance (Screenshot: Camelot ITLab)

Benutzeroberfläche Master Data Governance (Screenshot: Camelot ITLab)

SAP MDG

Kurz gefasst lässt sich SAP MDG als integriertes Stammdaten-Management beschreiben, da es die zentrale Pflege, Steuerung und Verwaltung von Daten innerhalb der SAP Business Suite erlaubt. Seit 2008 für das Management von Finanzdaten auf dem Markt, soll die Verwaltung von Material- und Lieferantendaten ab Mitte 2011 folgen.

SAP MDG beruht auf SAP ERP-Technologie und nutzt ERP-Datenmodelle, die komplett integriert und im Fall SAP MDG für Material und Lieferanten bereits vorhanden und nutzbar sind. Voraussetzung ist der Einsatz von ERP 6.0 und dem Enhancement Package 5. Das zentrale Datenmanagement erfolgt dann in SAP-Systemen, welche auf SAP-Datenmodellen und vordefinierten Prozessen beruhen, die über Standard-Prozesslogiken hinausgehen.

Neben der Integration von SAP BusinessObjects Data Services können daher auch in ABAP entwickelte Programmvalidierungslogiken für bestimmte Objekte, Felder und Screens verwendet werden. Weiterhin werden mit dem SAP Business Workflow standarisierte Workflows angeboten, ein Framework für SAP Rules Management ist ebenfalls integriert.

Datenverteilungsszenarien mit ALE- und IDOC-Technologie werden dabei wie zuvor genutzt und sind innerhalb des SAP-Systems wieder verwendbar.

Implementation Management Guide für SAP MDG (Screenshot: Camelot ITLab)

Fazit

Wer die Neueinführung einer Lösung zum Stammdaten-Management plant, sollte technische Voraussetzungen und fachliche Anforderungen für jedes einzelne Stammdatenobjekt beleuchten. Zudem ist eine Strategie zu entwickeln, damit die Entscheidung auch langfristig Bestand hat.

Flexibel & heterogen: SAP NetWeaver MDM

Da die NetWeaver-Technologie unabhängig von weiterer Software funktioniert, eignet sich NetWeaver MDM besonders, wenn künftig neue Gesellschaften mit heterogenen Systemen integriert werden müssen. Hierfür bietet das Produkt ein geeignetes, flexibles Datenmodell. Als vorteilhaft erweist sich die Technologie weiterhin, wenn im Unternehmen eher Programmierkenntnisse in JAVA statt ABAP vorhanden sind oder der Kunde über WebDynpro-Erfahrung verfügt, das gleichfalls auf JAVA basiert. Weitere Kriterien sind Erfahrungen im Umgang mit SAP BPM sowie NetWeaver PI und wenn kein Einsatz des ERP Enhancement Package 5 geplant ist.

Homogen & statisch: SAP MDG

SAP MDG ist ein standarisiertes Datenmanagement-Werkzeug, das zum Zuge kommen sollte, wenn SAP ERP als Stammdatenserver genutzt wird und bereits Eigenentwicklungen zur Prozessoptimierung angebunden wurden. Diese komplexen Validierungen sind zumeist in ABAP programmiert, wobei ABAP-Kenntnisse sowohl im Unternehmen als auch beim Kunden für SAP MDG sprechen. Wer also zum Beispiel das Objekt „Material“ nur innerhalb der Business Suite und eher statisch nutzt, liegt mit SAP MDG richtig.

Für eine weitergehende Abwägung bietet SAP-Partner Camelot ITLab eine Checkliste, anhand derer sich für jedes Objekt das passende MDM-Werkzeug auswählen lässt.

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