Fremdsoftware-Integration in SAP

Feature | 31. März 2010 von Christiane Stagge 0

Einheit trotz Vielfalt: Integration von Fremdsystemen mit SAP NetWeaver (Foto: Lufthansa AG)

Einheit trotz Vielfalt: Integration von Fremdsystemen mit SAP NetWeaver (Foto: Lufthansa AG)

Rund 76 Millionen Fluggäste flogen 2009 mit Lufthansa. Doch Lufthansa ist mehr als nur Europas größte Fluggesellschaft.  Das Luftverkehrsunternehmen ist ein weltweit agierender Konzern, bestehend aus Lufthansa Cargo, Lufthansa Technik, Lufthansa Systems, LSG Sky Chefs und aus weiteren 400 Tochterunternehmen.

So wie die Lufthansa AG bestehen viele Großkonzerne aus mehreren Sparten, die meist  aus Übernahmegeschäften und Firmenaufkäufen entstanden sind. Das Problem dabei: Unterschiedliche Abteilungen müssen integriert werden und künftig miteinander arbeiten können. Dabei verfügen die einzelnen Sparten oftmals über unterschiedliche IT-Systeme.

Wie kann ein Großkonzern mit über hundert Tochtergesellschaften mit einer einheitlichen IT arbeiten und sich dabei trotzdem Handlungsspielräume für weitere selbst programmierte Software bewahren?

NetWeaver: Einheit trotz Vielfalt

Die Technologieplattform SAP NetWeaver ermöglicht es, Daten zu vereinheitlichen, Fremdsysteme und -software zu integrieren ohne diese aufzugeben. Wichtig dabei: Mitarbeiter greifen auf eine einheitliche Bedienoberfläche zu, egal in welchem System sie sich gerade befinden. Trotz unterschiedlicher technischer Quellen können alle Mitarbeiter dasselbe System hürdenlos nutzen. Auch Berechtigungskonzepte werden dabei aufrechterhalten:  So haben Mitarbeiter nur Zugriff auf diejenigen Daten, die sie für ihre Arbeit wirklich benötigen. In sogenannten „Collaboration Rooms“ haben Mitarbeiter hingegen gemeinsamen Zugang zu Dateien, beispielsweise auf die Dokumentenablage oder den Terminplaner.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Komponenten für die Datenintegration

Die Komponenten für die Dateinintegration

Mit SAP NetWeaver können Daten vereinheitlicht und Stammdatenobjekte aus mehreren Quellsystemen konsolidiert werden. Dabei wird ein dezentraler Stammdatensatz angelegt.

Für die Datenvereinheitlichung sorgen die Komponenten SAP NetWeaver Master Data Management (SAP NetWeaver MDM), SAP NetWeaver Process Integration (SAP NetWeaver PI, zuvor SAP NetWeaver XI) und SAP NetWeaver Business Warehouse (SAP NetWeaver BW). Sie gewährleisten Datenkonsistenz in allen Systemen und bieten Technologien, die eine offene Integration zwischen SAP-Systemen und solcher Software ermöglichen, die nicht von SAP stammt. Außerdem stellen die Komponenten Werkzeuge für Planung, Simulation, Queries, Reportings und Analysen zur Verfügung. Sie konsolidieren Stammdaten aus verschiedenen Datenquellen (SAP-Systemen und anderen Systemen), entfernen Dubletten, führen ID-Mapping durch, gleichen Daten ab und führen diese anschließend zusammen.

Weiterhin besteht SAP NetWeaver aus folgenden Komponenten:

NetWeaver Application Server

Auf ihm laufen plattformunabhängige Webservices, Software und Anwendungen. Als Technologien können Java-2-Plattformen, Enterprise Edition oder ABAP eingesetzt werden. Der SAP NetWeaver Application Server unterstützt die aktuellen Sicherheitsstandards für das Internet, wie zum Beispiel HTTPS, Secure Sockets Layer (SSL) und Lightweight Directory Access Protocol (LDAP) und sorgt für eine sichere Kommunikation zwischen allen Client- und Serverkomponenten. Auf dem SAP NetWeaver Application Server laufen Authentifizierung, Benutzerverwaltung sowie digitale Zertifikate und Signaturen. Der Server ermöglicht es, dass mehrere Mitarbeiter an einem Projekt gleichzeitig arbeiten können und dass dabei das Berechtigungskonzept aufrechterhalten wird. Durch ihn können externe Portale angebunden und Bedienoberflächen konsolidiert werden. Geschäftsdaten werden dabei aus unterschiedlichen Datenbanken und Anwendungen zusammengeführt.

NetWeaver Mobile

Durch NetWeaver Mobile können SAP-Anwendungen auch auf RF-Geräten oder Smartphones wie iPhone oder Blackberry genutzt werden. Die Plattform basiert auf offenen, flexiblen Technologiestandards. Auf der Grundlage von SAP NetWeaver Mobile können Lösungen für Smartphones mit nativen oder browserbasierten Bedienoberflächen entwickelt werden.

Auto-ID Infrastructure

SAP Auto-ID Infrastructure ermöglicht die Integration von Empfangsgeräten wie RFID-Lesern, Druckern, Bluetooth-Geräten oder Barcode Reader.

NetWeaver Identity Management

Um den Mitarbeitern die jeweiligen Zugriffsrechte und Berechtigungen zu erteilen, steht SAP NetWeaver Identity Management zur Verfügung. Die Komponente bildet rollenbezogene Profile ab und verwaltet die Identität von Benutzern sowie die Nutzungsrechte.

NetWeaver Enterprise Search

… ermöglicht das Suchen von Transaktionen oder Unternehmensobjekten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Programmieren auf Basis von SAP NetWeaver

Eigene Ideen umsetzen

Wer erfolgreich sein will, braucht neue Ideen und  muss schnell auf sich ändernde äußere Bedingungen reagieren können. In der Elektro-Automobilbranche betragen die Innovationszyklen beispielsweise manchmal nur sechs Monate. Der Elektroautohersteller Tesla Motors muss für die Entwicklung seiner Fahrzeuge stets den neusten Stand der Technik berücksichtigen und in seinen Produkten verarbeiten.

SAP NetWeaver liefert die Technologie, neue branchenspezifische Applikationen zu programmieren. Dadurch kann das Unternehmen seine individuellen Prozesse und Betriebsabläufe per Software abbilden.

NetWeaver versorgt IT-Abteilungen mit einer Reihe von Tools, um Anwendungen zu programmieren, die die unternehmenstypischen Arbeitsabläufe  abbilden. Sogenannte IT Practices sollen den Programmierer dabei unterstützen. Das sind vorkonfigurierte IT-Szenarien, die auf bestimmte Unternehmensprozesse wie Einkauf, Vertrieb oder Service abgestimmt sind. Mit der IT Practice „Ganzheitliches Lifecycle Management“ lassen sich beispielsweise Anwendungen automatisieren.

SAP NetWeaver wird zusätzlich mit dem SAP Solution Manager ausgeliefert, der über eine Bibliothek vordefinierter Geschäftsprozesse verfügt.

Die Programmierarbeit erleichtern

SAP NetWeaver soll die Arbeit für Programmierer und Entwickler erleichtern, um ihnen einen zentralen Einstiegspunkt zur Bündelung ihrer Applikationen zu bieten. Anhand einer zusammenhängenden grafischen Übersicht erkennt der Programmierer seinen Arbeitsstand und kann nachverfolgen, wie weit der Arbeitsprozess der Kollegen bereits fortgeschritten ist und welche vorhandenen Applikationen es noch zu bearbeiten gilt.

Auf der Basis von SAP NetWeaver können neue Komponenten programmiert werden, wie beispielsweise Bedienoberflächen, Regeln oder Services und es können neue Beziehungen zwischen den Komponenten hergestellt werden.

NetWeaver läuft auch auf anderen Plattformen wie Microsoft.NET oder IBM WebSphere. Die Plattform unterstützt Technologiestandards wie XML, Simple Objects Access Protocol (SOAP), Webservices Description Language (WSDL), Universal Description, Discovery and Integration (UDDI). SAP verspricht volle Flexibilität bei der Gestaltung der Bedienoberflächen. Programmierer können mit SAP NetWeaver Visual Composer auf Mustervorlagen zurückgreifen. Weiterhin gibt es in Web Dynpro eine Entwicklungsumgebung, mit der Clients durch Trennung von Präsentation und Geschäftslogik unabhängig  in ABAP oder Java-Umgebungen gestaltet werden können. Das Model-View-Paradigma ist verantwortlich dafür, dass die Bildschirmansicht losgelöst von der dahinter liegenden Technik dargestellt wird. Dadurch lässt sich das Layout an den Ziel-Client anpassen, ohne das Eingriffe in die Geschäftslogik notwendig sind.

Ausblick: Chance für SAP Partner

SAP NetWeaver ermöglicht es nicht nur, neue IT in das bestehende System einzubinden und zu integrieren. Die Technologieplattform ist auch die Chance für SAP-Partner, branchenspezifische Lösungen zu entwickeln und  sie in ein übergeordnetes SAP-System einzubinden. SAP EcoHub dient dabei als zentrale Online-Plattform für Partner, um ihre Lösungen vorzustellen. Das erleichtert es nicht nur Anwendern, sondern auch Partnern, sich von Konkurrenten abzugrenzen, ihre individuelle Ausrichtung zu finden und gezielt auf die Kunden zuzugehen.

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