Netzwerken im Silicon Valley

17. Januar 2013 von Shandy Lo 0

Foto: iStockphoto

Die beiden Deutschen haben mit dem Mitbegründer von Sun Microsystems Vinod Khosla einen Investor für ihre Firma “ParStream” gefunden und einen Millionen-Deal an Land gezogen. „ParStream“ hat eine Technologie entwickelt, mit der sich schnell große Datenmengen verarbeiten lassen.

Bienert und Hummel nahmen an dem Programm „German Silicon Valley Accelerator“ teil und waren drei Monate in Silicon Valley. Die vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Initiative schickt deutsche Firmengründer ins IT-Mekka. Die Start-ups haben dort die Möglichkeit Netzwerke zu knüpfen und im besten Fall einen Investor zu finden. Im Interview erzählt Jörg Bienert von seinen Erfahrungen im Silicon Valley, warum es Start-ups in Deutschland schwer haben und welche Fehler sie vermeiden sollten.

SAP.info: Wie kamen sie auf die Idee „ParStream“ zu gründen?

Jörg Bienert: Unser Startup entstand aus einem Spin-off unserer Consulting Firma „empulse Gmbh“. 2008 hatten wir ein Projekt aus dem Tourismusumfeld, wo wir eine Reisesuchmaschine bauen sollten. Wir mussten 14 Milliarden Datensätze analysieren und haben keine Technik gefunden, die uns helfen konnte. Daraufhin haben wir eine eigene Algorithmen- und Komprimierungstechniken entwickelt. Schliesslich entstand ein Prototyp mit einer Milliarde Datensätzen auf einem Server. So entstand die Idee zu „Parstream“.

Wie wurden Sie auf das Programm „German Silicon Valley Accelerator“ aufmerksam?

Wir waren schon einige Male im Silicon Valley und haben gemerkt, dass das Netzwerken in den USA sehr wichtig ist. Dort herrscht eine ganz andere Geschwindigkeit als hier. Als wir vom Programm gehört haben, dachten wir, dass es uns helfen kann Netzwerke aufzubauen.

War es Ihr Ziel in die Staaten zu gehen? Warum kamen Europa oder Asien nicht in Frage?

Für uns gab es eigentlich keine andere Option als Die USA, da das IT-Netzwerk und das Ökosystem in Silicon Valley einmalig sind. Es gibt keine vergleichbar Möglichkeit, um Kunden und Partner zu finden.

Wie lief die Bewerbung ab?

An einem Tag wurden etwa 40 Start-ups gepitcht und jeder hatte zehn Minuten Zeit sich vorzustellen. Wir wurden dann mit weiteren fünf ausgesucht, um an dem Programm teilzunehmen. Im Juni 2012 ging es los und jedes Start-up hatte dann sechs Monate Zeit in im Silicon Valley Kontakte zu knüpfen und mit Coaches an der eigenen Idee zu arbeiten.

Was waren Ihre ersten Schritte?

Bei dem Programm bekommt man ein Büro und Berater zur Seite gestellt. Anreise, Wohnung und Lebenskosten muss man selbst zahlen. Ein Arbeitsplatz zu haben bzw. ein Dach über den Kopf mit der entsprechenden Infrastruktur, um eine Anlaufstelle zu haben sind sehr wichtig. Der Wert des Programms liegt jedoch im Coaching. Dort lernt man, wie man sein Businesscase vor Investoren präsentiert und worauf man achten muss. Der größte Wert sind aber die Netzwerke, die das Programm bietet. Dort bekommt man Türen geöffnet, Leute werden einem vorgestellt, darunter auch mögliche Investoren und Venture Capital Companies. Genau dieses Netzwerken ist für mich eigentlich das, was Silicon Valley ausmacht. Diese Weitervermittlung passiert dort viel effektiver und schneller als in Europa.

Auf der nächsten Seite: Was die Start-up-Kultur so besonders macht.

Jörg Bienert, Geschäftsführer von “ParStream”, spricht über seine Start-up-Erfahrungen und wie man im Silicon Valley Erfolg hat. (Foto: Privat)

Mit welchen Leuten haben Sie beim Coaching zusammengearbeitet?

Es waren hauptsächlich Deutsche, aber auch Amerikaner, die mal in Deutschland waren. Sie hatten alle einen unternehmerischen Hintergrund oder haben selbst ein Start-up gegründet.

Sie waren bei Ihrem Aufenthalt in Silicon Valley sehr erfolgreich und haben mit Vinod Khosla einen Investor gefunden. War es so einfach, wie es klingt?

Generell wird immer gesagt: Man braucht mindestens drei bis sechs Monate bis man einen Investor gefunden hat. Wir haben während unseres Aufenthalts 60 Gespräche geführt. In intensiven Wochen hatten wir bis zu sieben Gespräche pro Tag.

Welche Learnings ziehen Sie aus dem Programm?

Als die Gespräche mit einem Investor relativ weit fortgeschritten waren, merkten andere Geldgeber, dass wir interessant sind und bald vom Markt weg wären. Der Prozess hat sich dadurch sehr stark beschleunigt und eine Eigendynamik entwickelt. Es kamen Anfragen aus allen Ecken. Was wir daraus lernten: Den Investoren nicht das Gefühl geben, man hätte viel Zeit bis ein Investment erfolgt. Man muss einen gewissen Marktdruck ausüben. Netzwerken ist sehr wichtig. Man muss viele Gespräche führen und oft entstehen zufällige Kontakte. Wir haben innerhalb kürzester Zeit ein Netzwerk aufgebaut, das so groß ist, wie das in Deutschland.

Was hat sich seit der Investition für Sie verändert?

Wir haben jetzt einiges mehr Geld auf dem Konto. (lacht) Das Geld gibt uns Planungssicherheit und Investitionsmöglichkeiten in anderen Dimensionen. In Deutschland werden wir jetzt auch anders wahrgenommen, weil ein amerikanischer Unternehmer in uns investiert hat. Wäre es ein Deutscher gewesen, hätten wir nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Wir werden unser Geschäft in Deutschland ausbauen, aber wesentliches Ziel der Investition ist der Aufbau des US-Geschäfts. Unsere Entwicklungsabteilung und unser Firmenhauptsitz bleiben nach wie vor in Köln. Vinod Khosla hat schließlich auch in die deutsche GmbH investiert.

Würden Sie sagen, dass es Start-ups in den USA einfacher haben als in Deutschland oder Europa?

Im Silicon Valley handeln Investoren schneller und man führt sehr schnell erste Gespräche. Davon lebt der gesamte Markt. Investitionen in Start-ups und Entrepreneurships sind dort Daily Business. Es hat einen viel höheren Stellenwert als in Europa. Die Amerikaner sind risikofreudiger, gerade in Silicon Valley ist ein anderer Spirit. Gepaart mit dieser hohen Geschwindigkeit der Kommunikation und Vernetzung herrscht dort eine andere Dynamik. Wir haben auch in Deutschland Gespräche geführt. Während des Prozesses haben wir aber schnell gemerkt, dass es sinnvoller ist, es drüben zu versuchen, weil es doch schneller geht und wir unser Produkt dort etablieren müssen.

Würden Sie sagen, dass Deutschland Nachholbedarf hat, was die Start-up-Kultur angeht?

Amerikanische Unternehmen sind risikofreudiger, schneller und glauben an neue Technologien. Sie sind offener für neue Geschäftsmodelle. In Deutschland haben Firmen in der Vergangenheit oft in Startups investiert, die ein Businessmodell kopieren, sogenannte Copy Cats. Deutsche schauen mehr, wo war das Modell schon mal erfolgreich. Es gibt viele deutsche Start-ups, die technisch auf sehr hohem Niveau entwickeln, aber im Gegensatz zur amerikanischen Konkurrenz zu lange brauchen bis ihr Produkt auf den Markt kommt. Dadurch werden die Deutschen links und rechts von US-Unternehmen überholt.

In Deutschland dauert es zu lange bis man einen Termin bei einem Partner oder Investor bekommt. In den USA geht das Vernetzen schneller. Die Geschwindigkeit muss man aber auch mitmachen. So wird z.B. von Business Partner erwartet, dass man auf Anfragen per E-Mail innerhalb 24 Stunden antwortet.

Auf der nächsten Seite: Die Tipps für Start-ups

Welchen Rat würden Sie Start-ups geben, die ihr Glück im Valley versuchen wollen?

Sie sollen sich generell darauf einstellen, wie dort Business gemacht wird und die Regeln beachten. Wir sind vielleicht auch in das ein oder andere Fettnäpfchen getreten. Da muss man aufpassen: Man sollte Termine nicht verschieben, immer pünktlich sein, sich anpassen wie dort kommuniziert wird und straight forward (direkt) sein.

Würden Sie sagen, dass es heute einfacher ist ein Start-up zu gründen als vor drei, vier Jahren?

In Deutschland riskieren viele Leute heute mehr als noch vor einigen Jahren. Das liegt daran, dass die Investitionshürden niedriger sind und der Einstieg viel einfacher geworden ist. Die erforderliche IT-Infrastruktur ist z.B. durch Cloud Services viel günstiger und flexibler geworden, jeder kann mit Notebook und mobilen Datenverbindungen überall arbeiten. Durch das Internet und die sozialen Netzwerke ist es heute einfacher Kontakte zu finden und Netzwerke aufzubauen.

Welche Fehler machen junge Unternehmer?

Einige machen den Fehler, dass sie zu lange entwickeln und bis sie mit ihrem Produkt an den Markt gehen, ist der Markt bereits weg. Viele kochen auch zu lange in ihrem eigenen Saft und holen sich kein Feedback von außen. Startups sollten die Bereitschaft haben zu lernen. Was auch viele oft nicht machen, ist eine Marktanalyse zu betreiben.

Welche drei Tipps können Sie Start-ups geben?

Erstens: Netzwerken. Ohne ein gutes Netzwerk geht es nicht.

Zweitens: Geschwindigkeit. Heute ist es sehr wichtig in Entscheidungsprozessen und in der Umsetzung schnell zu Handeln.

Drittens: Prozesse selbst steuern. Man sollte sich nie darauf verlassen, dass alles ein Selbstläufer wird, nur weil man ein paar gute Kontakte hat. Man muss selbst am Ball bleiben und sich zu 150 Prozent engagieren.

Tags: ,

Leave a Reply