Noch drei Jahre bis zur Cloud

25. Oktober 2012 von Johannes Klostermeier 0

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SAP.info: Was bedeutet StOne für die Deutsche Post DHL?

Stefan Geilen, Deutsche Post DHL: StOne hat die Optimierung der Applikationslandschaft der Deutsche Post DHL Global Business Services zum Ziel. Das Ziel ist, Software as a Service (SaaS) oder Cloud-Computing gewinnbringend zu nutzen. So lange ich jedoch meine interne Landschaft nicht optimiert habe, ist ein Outsourcing nicht wertstiftend. Genau das tun wir. Die ersten drei Schritte dienen dazu, das interne Portfolio, unsere interne IT-Landschaft auf Vordermann zu bringen und sie bestmöglich zu strukturieren, um danach mit Cloud Computing oder SaaS mehr im Liefer-, im Supply-Mode, arbeiten zu können.

Was ist das vorrangige Ziel – eher Kosteneinsparung oder höhere Flexibilität?

Beides und mehr. Wir sind als Deutsche Post DHL ein Logistiker, keine IT-Firma. Wir haben zwar richtig gut ausgebildete Mitarbeiter, wir können aber nie besser sein als  die Innovationskraft des weltweiten IT-Marktes. Was uns am Herzen liegt, ist genau diese Innovationskraft in Form von Flexibilität, Kostenreduzierung oder besseren Services so schnell es geht und bestmöglich zu nutzen.

Ist das nicht eine Aufgabe, die nie aufhört?

Ja, der Wandel ist konstant und Innovationen wird es immer geben. Aber das Programm StOne verfolgt ein dediziertes Ziel. Wir haben von Beginn an auf die Messbarkeit der Fortschritte Wert gelegt, was gerade im Innovationsbereich nicht trivial ist. Unsere ersten Ergebnisse zeigen eindeutig, dass wir auf dem richtigen Weg sind und die Ziele erreichen werden.

Wird es nach StOne weitere Programme geben?

Natürlich. Mobility oder Big Data lauten hier die Stichworte. In so einer großen Organisation wie der Deutschen Post DHL müssen Sie so ein Programm vermarkten, dem Kind einen Namen geben. Und aufgrund des Ressourcenmanagements, also der nötigen Unterstützung durch die Fachabteilungen und die nötige Governance, ist es wichtig, Schwerpunkte zu setzen.

Welche Rolle spielt SAP dabei?

SAP ist das Backbone unserer GBS IT-Landschaft. Im Rahmen der „Site Consolidation“ wurden deutsche und globale SAP-Systeme in einer Site zusammengefasst. „Application Consolidation“ hin zu SAP ist eine kontinuierliche Aufgabe, da wir aufgrund unserer Historie eine sehr dezentrale und fragmentierte Landschaft hatten. Aber auch im SaaS-Bereich sind wir zusammen mit der SAP sehr aktiv: Wir sind der Entwicklungspartner der Travel OnDemand-Lösung von SAP. Hier hatten wir im Rahmen des StOne Trend Scouting nichts für Deutsche Post DHL gefunden, was wir hätten einsetzen können. Deswegen haben wir uns entschieden, hier gemeinsam mit SAP zu investieren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: „Stones“ als  Währung

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Was hat das mit der Post zu tun?

Das Reisemanagement wird damit vereinfacht. Bei etwas mehr als 480.000 Mitarbeitern und einer weltweiten Organisation sind sehr viele Geschäftsreisen nötig. Im Wesentlichen wollen wir die Prozesseffizienz erhöhen. Einen Taxibeleg manuell zu bearbeiten, ist sehr teuer. Ein SaaS-basiertes Tool, das sie etwa als App auf Ihrem Smartphone haben, macht diesen Prozess viel einfacher.

Sie haben einen Product Overlap von 1 zu 7,5 festgestellt. Was bedeutet denn das?

Das ist das Verhältnis eines Geschäftsprozesses zu der Anzahl der bei uns dafür eingesetzten Produkte weltweit. Nehmen wir die Kreditorenbuchhaltung: Ein Product Overlap von zum Beispiel 5 bedeutet nicht, dass der Buchhalter in Deutschland fünf verschiedene Systeme hat, der hat nur eines. Sein Kollege in Polen oder Singapur hat auch eines, aber ein anderes – für exakt den gleichen Prozess. Brauchen wir wirklich durchschnittlich sieben oder acht Systeme? Wir werden nie auf genau eins kommen. Aber wir können wesentlich besser konsolidieren als heute. Unsere angestrebte Basis liegt im Durchschnitt bei 1:4,8.

Sie haben „Stones“, um den Erfolg zu dokumentieren, und eine bestimmte Zahl davon müssen die Beteiligten am Ende des Jahres erreicht haben?

Innovation- oder Konsolidierungsergebnisse sind schwer messbar. Da wir nicht in Euro rechnen konnten, haben wir „Stones“ als Währung, als Innovations- und Konsolidierungspunkte eingeführt. Wir haben einen Katalog mit rund 25 unterschiedlichen Maßnahmen. Jede Maßnahme wird mit einer Anzahl von Stones bewertet. In 2012 müssen wir rund 1.000 Stones liefern, um bis 2015 unserer IT-Landschaft auf Cloud und SaaS umgebaut zu haben.

Sind Sie zufrieden mit dem Prozess?

Ja. Die Einführung der Stones und die Definition des mit Stones bewerteten Katalog hat zwei Effekte: Durch die Provisionierung der Maßnahmen mit Stones können wir steuern und Schwerpunkte setzen. Die Produkt- und Programmanager können zudem die die Produkt-Roadmap für die von Ihnen verantworteten IT-Produkte flexibel gestalten.

Was waren die schwierigsten Punkte auf dem Weg dorthin?

Das Change Management. Wie überall müssen wir faktenbasiert arbeiten, für jede Maßnahme einen Business Case rechnen. Hinzu kommt der Faktor Mensch. Die emotionalen Hürden zu nehmen, ist der Erfolgstreiber. Denn Cloud Computing und SaaS verändern auch die tägliche Arbeit der eigenen Produktmanager. Durch die Steine erhalten die Beteiligten hier eine gewisse Freiheit. Diese Autonomie führt zu mehr Zufriedenheit und Gestaltungswillen.

Was müssen Sie persönlich dabei vor allem können?

Zuhören können und die Innovations- und Gestaltungskraft fördern; Flexibilität zeigen und dabei das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Informationen zur Veranstaltung smartCON SAP.

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