Nutzen von Softwareangeboten greifbar machen

Feature | 25. Februar 2009 von Johannes Gillar und Sebastian Nikoloff, beide SAP AG 0

Prof. Jörn-Axel Meyer, Leiter des DIKMU
(Foto: DIKMU)


Der Mittelstand wird von Softwareanbietern wie SAP derzeit stark umworben. Wo drückt kleinen und mittleren Unternehmen der Schuh in der IT am heftigsten?

Die größte Herausforderung besteht darin, Wachstum und die Integration zusätzlicher Systeme zu leisten. Nämlich dann, wenn ein Unternehmen schnell wächst, wenn es umstrukturiert wird oder mit anderen Unternehmen zusammenarbeitet oder fusioniert.

Schnelles Wachstum ist eine Herausforderung für die Software, weil Module, Funktionen und Leistungsfähigkeit der Lösung erweitert werden müssen. Bei Fusionen oder Joint Ventures müssen unterschiedliche Systeme, oft auch unterschiedliche IT-Kulturen, miteinander verbunden werden. Darin liegt ja auch der Ursprung der Diskussion um serviceorientierte Architektur (SOA).

Was unterscheidet kleine und mittlere Betriebe, abgesehen von der Größe, von Konzernen? Haben sie andere Anforderungen? Und muss ihre IT somit andere Herausforderungen meistern?

Je kleiner das Unternehmen, desto geringer ist in der Regel die Spezialisierung auf IT als Servicefunktion durch eine eigene Abteilung. Kleine Unternehmen betreuen ihre IT nebenbei, während Unternehmen mit vielen Mitarbeitern eine spezielle IT-Abteilung haben. Möglicherweise warten zusätzlich externe Partner die Soft- und Hardware.

Ist das Angebot der IT-Hersteller für den Mittelstand passend, oder müssen die Anbieter noch nachbessern?

Das Angebot passt, doch den Anbietern gelingt es nicht, das zu vermitteln. Entweder argumentieren sie sehr technisch mit vielen Fachbegriffen. Doch die Entscheider in den Unternehmen wollen sich nicht in technische Details vertiefen. Oder die Anbieter argumentieren mit sehr abstrakten Vorteilen wie „diese EDV-Anlage erhöht den Gewinn Ihres Unternehmens“.

Da können Mittelständler nichts mit anfangen. Die Anbieter müssen dringend diesen Graben zwischen extrem technisch und ganz abstrakt kaufmännisch schließen.

Helfen branchenspezifische Verbesserungen die Anforderungen kleinerer Betriebe abzubilden?

Branchenspezifische Individualisierungen sind sicher hilfreich, haben aber auch ihre Grenzen, weil die Unternehmen innerhalb einer Branche auch sehr unterschiedlich sein können. Im Einzelhandel beispielsweise verkauft ein Händler übers Internet, während ein anderer ein Ladengeschäft mit persönlicher Betreuung hat. Dazwischen liegen Welten, obwohl sie in einer Branche sind. Dieser Unterschied ist entscheidend für ihre Anforderung an die IT.

In der IT gehört SOA zu den großen Trends. Ist das Thema schon im Mittelstand angekommen oder müssen die Anbieter hier noch mehr Aufklärungsarbeit leisten?

Auch diesbezüglich vermitteln die Anbieter das Thema viel zu technisch und abstrakt. Es ist so nicht greifbar genug für einen Mittelständler. Der Nutzen wird nicht deutlich. Hinzu kommt, dass gerade Verbände, die ihre Mitglieder aus Sicht des Kunden betreuen könnten, das Thema zu selten aufgreifen. Gerade für Schwellenunternehmen, die jenseits von Branchen agieren, netzwerkorientierte oder modularisierte Unternehmen ist SOA wichtig und interessant.

SOA ist besonders geeignet, wenn man schnell wächst und Kooperationen eingeht sowie Netzwerke bildet, also verschiedene IT-Kulturen miteinander verbinden muss. Allerdings muss das besser kommuniziert werden.

Neben Lösungen für den Mittelstand diskutiert die IT-Branche auch neue Vertriebsansätze wie Software as a Service, kurz SaaS. Sind solche Mietmodelle für den Mittelstand geeignet?

In der heutigen Wirtschaftskrise schon. Mietmodelle entlasten den Käufer finanziell. Hinzu kommt, dass man bei Mietmodellen schneller auf neuere Produktgenerationen umsteigen kann, weil man nicht auf den alten Lösungen sitzen bleibt. Zudem wandelt sich der Anspruch an die IT.

Sie ist immer mehr vom Show- und Imagefaktor zu einem Hygienefaktor geworden. IT muss funktionieren. Damit sinkt die Bereitschaft der Unternehmen, übermäßig Ressourcen zu investieren. Man ist nun bereit, Soft- und Hardware auszulagern, etwa wie eine Hausmeisterfunktion. Hier kommen die Mietmodelle dann ins Spiel.

Wie steht es um das Sicherheitsempfinden bei SaaS? Daten werden ja außerhalb des Unternehmens gespeichert?

Da gibt es sicherlich Bedenken. Der Trend geht gerade bei kleinen Unternehmen dahin, Systeme lokal zu halten. Das ist eine Gegenbewegung zur starken Vernetzung, die wir mit dem Internet in den vergangenen zwanzig Jahren beobachten konnten.

Doch Mietmodell und lokale Speicherung von Daten schließen sich ja nicht aus. So bleiben die Unternehmen Herren über ihre Daten und können gleichzeitig von den Vorteilen des Mietmodells profitieren.

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