Ohne Stau durch den Hafen

27. November 2012 von Shandy Lo 0

Foto: Hafen Hamburg

Die HPA ist seit 2005 für das Management und die Entwicklung des Hafens zuständig. Wir sprachen mit dem CIO der HPA, Sebastian Saxe, über das Pilotprojekt „Smart Port Logistics“ und die Herausforderung für den Hafen der Zukunft.

SAP.info: Wie kamen Sie auf das Pilotprojekt „Smart Port Logistics“?

Sebastian Saxe: Wir haben einen Masterplan hinsichtlich des Straßenverkehrs für den Hamburger Hafen erstellt und daraus resultierend eine innovative und organisatorische Lösung gesucht. Das Port Road Managementsystem ist der Versuch, eine Optimierung des Verkehrs und des Warenflusses vorzunehmen. Mit dem System wollen wir den Verkehr steuern und den Lkw-Fahrern anzeigen, welche Magistrale frei sind. Das Ziel des Systems ist, dass unsere Infrastruktur nicht zu sehr überlastet wird, sondern sich der Verkehr besser im Netz verteilt. Somit soll der Abtransport der Ware unterstützt und Staus vermieden werden. Die Straßen werden dadurch „intelligenter“, da ein IT-System die Geschäftsprozesse steuert.

Wie lief der Test ab?

Im Sommer 2012 haben zwei Speditionen mit je 15 bis 20 Lkw-Fahrer, sowie ein Autohofbetreiber an einem dreimonatigen Test teilgenommen. Mit Hilfe von Smartphones wurden die Fahrer an das System angeschlossen. Sie erhielten daraufhin auf sie abgestimmte Verkehrsinformationen und konnten somit Staus oder andere Verkehrsstörungen umfahren. Mit dem Steuerungsportal TelematicOne sorgte die Deutsche Telekom dafür, dass die Nachrichten von der HPA auf allen Kommunikationssystemen, wie z.B. Android-Geräten, empfangen werden konnten. Die Information selbst fasst SAP in der neuen SAP NetWeaver Cloud zusammen. Dort werden die Nachrichten aufbereitet und anschließend an alle Speditionen oder Lkw-Fahrer weitergegeben.

Nach welchen Kriterien wurden die IT-Partner SAP und Deutsche Telekom ausgewählt?

Für uns gab es verschiedene Kriterien, zwei Punkte waren jedoch für uns ausschlaggebend: Zum einen arbeiten wir gerne mit Unternehmen zusammen, die innovativ sind und Innovation anfassbar machen. Das heißt: Sie müssen so fortschrittlich sein, dass sie einen Prototypen bauen können. Zum anderen arbeiten wir gerne mit großen „Playern“ zusammen – mit Unternehmen, die die Idee weiterverbreiten können und übertragbar machen.

Auf der nächsten Seite: Die Risiken des Projekts.

Sebastian Saxe, CIO der Hamburg Port Authority, über seine Vision vom Hafen der Zukunft. (Foto: Privat)

Welches sind die ersten Ergebnisse aus dem Pilotprojekt?

Es gab eine hohe Akzeptanz von den Lkw-Fahrern. Die Speditionen arbeiten heutzutage mit verschiedenen Endgeräten, so dass ein einheitliches System bisher nicht möglich war. Sie fanden es toll, dass unsere Lösung mit Android-Geräten einsetzbar war. Den Test haben wir erst einmal mit Samsung-Geräten durchgeführt. Außerdem war es für die Speditionen sehr praktisch, dass die Infos sehr genau und ortsbezogen kamen.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass die Lösung auf andere Bereiche übertragbar ist, wie z.B. den Schienen-, Schiffs- oder Flugverkehr. Für die Zukunft ist auch eine Ausweitung der Lösung möglich, so dass nicht nur lokale Informationen für den Verkehrsweg zur Verfügung stehen, sondern Fahrer auch Informationen zur Steuerung ihres Fahrzeugs erhalten, etwa darüber, was auf dem Lkw geladen wird oder wie schwer die Ladung ist. Durch das System bekommen wir lokale Ortsinformationen darüber, wo sich die Lkws befinden. So können wir Clusterungen oder Ballungen schneller feststellen. Durch unser Port-Road-Managementsystem können wir eine Steuerung des Verkehrs vornehmen. Wenn sich zum Beispiel ein Containerschiff verspätet, können die Fahrzeuge vorher auf dem Parkplatz einfahren, so dass sie die Autobahnen nicht verstopfen.

Was sind die nächsten Schritte?

Die Idee ist, dass wir sehr bald eine Lösung haben, die über den Prototyp hinaus geht und sich weiterverkaufen lässt. Ziel ist es, in 2013 ein Geschäftsmodell dafür zu entwickeln. Eine andere Idee ist, eine App mit weiteren Features zu bauen

Auf welche Änderungen müssen sich die Partner der HPA einstellen?

Auf Basis unseres Geschäftsmodells werden wir für die Informationen und den Service allen  Speditionen anbieten. Die Firmen sind nicht gezwungen die Lösung zu verwenden, doch hat es auch seine Anreize. Durch die Verkehrsinformationen sind sie zeitgerecht am Ziel und können ihre Ware schneller auf- und abladen, um dann weiter zum nächsten Ort fahren und Zeit sparen. Wenn eine Spedition nicht an dem System teilnehmen möchte, werden sie trotzdem durch Funksender registriert, so dass die Verkehrsinformation auf jeden Fall vollständig ist.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?

Die Geschäftsprozesse müssen weiter modernisiert werden. Der Einsatz mobiler Endgeräte muss ebenfalls weiter ausgebaut werden. Zudem muss die Technik, die schon im Lkw eingebaut ist, weiterentwickelt werden. Man kann das System mit einer Navigation im Auto vergleichen. Bei der Lösung geht es darum, Innovationssprünge vorher zu antizipieren. Wir brauchen zudem eine Lösung, die nach oben skalierbar ist.

Sehen Sie vor dem Hintergrund der vielen Daten ein Problem oder gibt es andere Risiken?

Ich glaube, dass der Technologie von heute keine Grenzen gesetzt werden. Die Vorstellung, dass Daten zu groß sein werden, sehe ich nicht. Wir greifen bei „Smart Port Logistics“ nur auf die Orts- und Ladungsinformation zu und werden daher weit davon entfernt sein, die Cloud zu überfordern. Ich sehe jedoch andere potenzielle Risiken, und zwar, dass die Anwender noch nicht bereit sind, die neue Technik auszuschöpfen und nicht zuletzt, dass wir etwa durch eine Wirtschaftskrise die Geschäftsgrundlage für „Smart Port Logistics“ verlieren.

Wo sehen Sie Herausforderungen für SAP?

Was wir an Prozessen modellieren, muss mit den anderen SAP-Modulen vernünftig harmonisieren. Die Basis ist jetzt über NetWeaver gegeben, aber der Weg muss da weitergehen. Die Geschäftsprozesse der Hamburg Port Authority zu modellieren und in die Wolke zu integrieren wird künftig an Bedeutung gewinnen. Sei es bei der Buchhaltung oder der Instandhaltung der Tools, alles muss technisch optimiert werden. Außerdem muss der Innovationsschub bei den Business relevanten Services noch weiter gehen.

Wie kann SAP helfen den Hamburger Hafen für die Zukunft fit zu machen?

Meine Vision von „Change 3.0“ für den Hamburger Hafen ist, dass wir unsere Infrastrukturleistungen mit IT-Services veredeln. Mit „Smart Port Logistics“ haben wir den Anfang gemacht und eine Lösung für den Straßenverkehr entwickelt. Dies muss weiterverfolgt werden. Den gleichen Weg müssen wir auf dem Schienenverkehr und dem Schiffsweg gehen. Wenn die Informationen der drei Verkehrswege in einem System vereint wären, hätten wir einen großen Schritt nach vorne getan. Damit könnte der Hamburger Hafen gegenüber anderen Konkurrenten in IT-Unterstützung der Geschäftsprozesse eine marktführende Position einnehmen.

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