Online-Datenbrücken in die Zukunft

Feature | 15. September 2004 von admin 0

„Web Services sind nicht umsonst eines der am heißesten diskutierten IT-Themen der letzten Monate. Aufgrund ihrer Flexibilität und Offenheit haben sie das Potenzial, sich zu einem universellen, offenen Integrationswerkzeug für Unternehmen zu entwickeln“, schreibt Anke Hoffmann, Senior-Beraterin der META Group, in der Einleitung zu einer 2003 durchgeführten Untersuchung, welche die Umsetzung von Web-Services-Technologien in Anwenderunternehmen beleuchtet.

Standards verbessern Integration

Diese Einschätzung ist unter Marktforschungsexperten unstrittig, weshalb den Web Services auch für die Zukunft hohe Wachstumsraten prognostiziert werden. Das US-Marktforschungsunternehmen IDC etwa rechnet bis zum Jahr 2008 mit einem weltweiten Marktvolumen von elf Milliarden US-Dollar (Jahr 2002: 1,1 Milliarden US-Dollar). Laut META Group setzen 18 Prozent der deutschen Unternehmen bereits Web Services in Einzel- oder Pilotprojekten ein. Nach einer Umfrage der Technologie- und Management-Beratung Capgemini haben zudem bereits 30 Prozent der deutschen Unternehmen eine Strategie für den Einsatz der neuen Technologie entwickelt, und 25 Prozent betrachten Web Services als bedeutsames oder sehr bedeutsames Thema. Pragmatische und zunehmend differenzierte Anwendungen werden bis zum Jahr 2006 den Markt für Web Services dramatisch verändern, wobei Standards und Service-orientierte Anwendungen Katalysatoren dieser Entwicklung sind, prognostiziert Gartner Analyst Whit Andrews. Eine zentrale Rolle für den künftigen Erfolg von Web Services wird das Thema Sicherheit spielen. Übereinstimmend haben dies Studien etwa von Forrester (2002), Gartner (2003) oder der META Group (2003/2004) festgestellt.
Der technologische „Charme“ von Web Services beruht darauf, dass Daten über Standards wie beispielsweise SOAP (Simple Object Access Protocol), WSDL (Web Services Description Language) und UDDI (Universal Description, Discovery and Integration) einfach und schnell getauscht werden können. „Wichtiger als technische Details ist aber die grundsätzliche Idee hinter Web Services“, erläutert Dr. Thorsten Wichmann, Gründer und Geschäftsführer des Wirtschaftsforschungsinstituts Berlecon Research. „Mit Hilfe von Web Services kann eine Software über eine standardisierte Schnittstelle Teile ihrer Funktionalität anderer Software zur Verfügung stellen. Das erleichtert und vereinfacht die Integration unterschiedlicher Programme, womit Integrationskosten sinken. Und das ist im globalen Wettbewerb für mittelständische Firmen interessant“, lautet seine Schlussfolgerung.

Web Services erobern den Mittelstand

Inzwischen ist das Thema Web Services bei SMBs auch angekommen, wie der B2B-Informationsdienst silicon.de in der Umfrage „IT und Mittelstand 2003“ feststellt. „Kernkomponenten des E-Business, wie Web-Anwendungen und Web Services, gehören zu den Themen des Jahres“, heißt es in dem Bericht. Die Einbindung von Partnern, Kunden und Lieferanten in die eigenen Geschäftsabläufe stehe als Projekt ganz oben auf der Agenda von SMBs. Dies bestätigt die aktuelle META-Group-Untersuchung „Web Services Deployment Trends“. „Im Rahmen der Untersuchung haben wir festgestellt, dass nicht nur Großunternehmen, sondern auch immer mehr kleinere Firmen mit weniger als 100 Millionen US-Dollar Umsatz ihr Interesse und ihre Budgets für Web-Services-Projekte deutlich erhöht haben“, legt Eduard Stupening, Senior Director Consulting bei der META Group Deutschland, dar.
Die Gründe für die Einführung von Web-Services-Technologien sind vielfältig. Der wichtigste: Firmen wollen künftig agiler und flexibler sein, um schneller auf sich dynamisch verändernde Marktbedingungen zu reagieren. „Anstatt sich mit internen, heterogenen Infrastrukturen zu beschäftigen, müssen sich kleine Unternehmen den Systemen ihrer Lieferanten, Kunden, Außendienstmitarbeiter und Partner anpassen“, meint Ronald Schmelzer, Gründer und Chefanalyst des auf Web Services spezialisierten US-Beratungsunternehmens ZapThink. Je kleiner ein Unternehmen ist, desto wichtiger wird die externe Integration, begründet ZapThink das gestiegene Interesse von Mittelständlern an Web-Services-Technologien. Neben der Optimierung des Datenaustauschs mit externen Partnern sieht Berlecon-Geschäftsführer Dr. Thorsten Wichmann auch bei der internen Integration erhebliche Potenziale. „SMBs können Insellösungen in ihrer IT auf der Basis von Web-Services-Technologien miteinander verbinden. Durch diese Integration entfällt beispielsweise die mehrfache Eingabe von Daten, und Prozesse werden beschleunigt, weil die Daten jetzt durchgängig elektronisch ausgetauscht werden“, beschreibt Wichmann die Vorteile.

Services für eine flexible IT-Architektur

Voraussetzung hierfür sind einheitliche Standards für den Datenaustausch, und zwar unabhängig davon, welche Systeme unternehmensintern verwendet werden. Eine Service-orientierte Architektur (SOA), nach Gartner übrigens einer der wichtigsten IT-Trends für 2004, bildet die Grundlage hierfür. Sie erlaubt, bislang monolithische Anwendungen in unterschiedlich kombinierbare Funktionsbausteine („Services“) aufzuteilen sowie Geschäftsprozesse nahezu in Echtzeit durchzuführen. „SOA ist ein umfassendes Architekturkonzept für die Unternehmens-IT. Alle Anwendungen stellen ihre Funktionalität anderen Anwendungen als Service zur Verfügung“, veranschaulicht Thorsten Wichmann das Prinzip. „Kleinere SMBs bauen zwar selten eine SOA in ihrem Unternehmen auf, weil sie oft vorintegrierte Komplettlösungen einsetzen. Es würde aber mit Blick auf die Investitions- und Zukunftssicherheit Sinn machen, dass Mittelständler darauf achten, ob die Lösungen später in eine SOA eingebunden werden können“, führt der Berlecon-Geschäftsführer weiter aus.
Vorteile sind – neben der übergreifenden Zusammenarbeit – die Integration von Geschäftsprozessen zwischen Abnehmern und Lieferanten über das Internet, die Optimierung der Wertschöpfungskette (Supply Chain Management, SCM) sowie eine langfristige Kundenbindung (Customer Relationship Management, CRM). Nach Gartner Vice President David Smith werden sich Service-orientierte Architekturen bis 2007 voll etabliert haben.
Eine Integrations- und Applikationsplattform wie SAP NetWeaver, auf die beispielsweise mySAP ERP aufbaut, bildet hierbei die Grundlage für umfassende und auf Services basierenden Geschäftsanwendungen. Das erleichtert es Menschen, Informationen und Geschäftsprozesse über verschiedenste Technologien und Organisationsformen hinweg zu integrieren. Gerade mittelständische Unternehmen können mit SAP NetWeaver sowohl die internen Geschäftsprozesse effizienter gestalten als auch mit Lieferanten beziehungsweise Kunden schneller und flexibler kommunizieren und bestehende Systeme besser nutzen. Daraus resultieren reduzierte Gesamtbetriebskosten für die Systeme und die entsprechenden Prozesse.

Besser, schneller, billiger

Speziell für mittelständische Unternehmen wird in den kommenden Jahren die durchgängige Vernetzung, welche die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit (Collaborative Commerce) ermöglicht, Pflicht. Unternehmen verstärken seit einigen Jahren ihre Anstrengungen, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und andere Teile der Wertschöpfung an externe Lieferanten auszulagern. Beispielhaft lässt sich dies an der deutschen Automobilindustrie ablesen. Dort sank nach Erhebungen des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) die Fertigungstiefe von knapp 40 Prozent im Jahr 1995 auf 25 Prozent in 2003. Die Hersteller haben demnach ihr Kerngeschäft neu definiert und die Entwicklung sowie Fertigung von Komponenten an externe, meist mittelständische Zulieferer und Dienstleister ausgelagert. Damit eröffnen sich neue Wachstumschancen für SMBs, wobei die flexible Einbindung der Unternehmens-IT in die Prozesse der Hersteller zum strategischen Erfolgsfaktor wird.
Weitere Entwicklungen sind steigende Transaktionen im B2B-Bereich, Vorgaben von Kunden, die Notwendigkeit interne Geschäftsanwendungen zu integrieren und IT-Kosten zu reduzieren. Mittels Web Services können mittelständische Unternehmen ihre Geschäftsprozesse beschleunigen und gleichzeitig Serviceangebote für Kunden und Partner verbessern. Damit leisten Web Services nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Kostensenkung, auch die Einbindung externer Firmen wird weniger komplex. Die Vorteile liegen auf der Hand, denn ein mittelständischer Automobilzulieferer kann über Web Services beispielsweise Logistik- oder Kataloginformationen automatisiert und damit kostengünstig mit Kunden und Partnern austauschen. Diese wiederum können die Informationen problemlos in ihre Systeme eingliedern. Damit werden Anfragen von Kunden oder Partnern schneller beantwortet, was Bearbeitungs- und Transaktionskosten senkt. Fazit von Forrester-Analyst Ted Schadler: „Kunden- und Lieferantenbeziehungen werden mit Web Services letztlich besser, schneller und billiger.“

Weitere Informationen:

Allgemein: www.oasis-open.org Organization for the Advancement of Structured Information Standards), www.vda.de, www.webservices.org (Informationsportal zum Thema Web Services), www.ws-i.org (Web Services Interoperability Organization), www.w3.org (World Wide Web Consortium)
Studien: www.berlecon.de („Basisreport Integration mit Web Services – Konzept, Fallstudien und Bewertung“), www.de.capgemini.com, www.forrester.com, www.gartner.com, www.idc.com, www.metagroup.de, www.silicon.de (IT und Mittelstand 2003), www.zapthink.com
SAP AG: www.sap.com/solutions/netweaver, www.sap.com/solutions/erp und www.sap.com/solutions/smb

Dr. Andreas Schaffry

Dr. Andreas Schaffry

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